„Die Grundversorgung mit guten Lebensmitteln aus der Region ist uns wichtig und dass die Lädchen den Anwohnern als Treffpunkt dienen. Das stärkt auch die Dorfgemeinschaft“, so John. Die Anwohner finden in den Lädchen Waren des täglichen Bedarfs, geplant sind aber auch Dienstleistungen wie Lotto, Paket- und Reinigungsservice. Das Familienunternehmen Tegut, benannt nach Firmengründer Theo Gutberlet, hat in sechs Bundesländern mehr als 300 Supermärkte. Die Kette wurde groß mit Bio-Produkten.

Rewe, zweitgrößter Lebensmittelhändler in Deutschland, verfolgt die Nahversorgung ebenfalls als lohnenswerte Strategie. In Stadtteilen hat die Kette zahlreiche kleinere Märkte namens Rewe City eröffnet, außerdem gibt es 920 sogenannter Nahkauf-Läden in Dörfern. Das soll weiter ausgebaut werden. Laut Sprecher Raimund Esser sei die Funktion des Einkaufsladens als Treffpunkt auf dem Dorf nicht zu unterschätzen. Vor allem im Osten Deutschlands gebe es eine große Nachfrage nach den Nahkauf-Läden. Der deutsche Marktführer Edeka betreibt ebenfalls zahlreiche kleinere Märkte, die Edeka-Aktivmärkte, "Nah und gut" oder "Treff 3000" heißen. "Wir brauchen nicht in die Dörfer gehen. Wir sind schon drin", so Edeka-Sprecher Gernot Kasel in Hamburg.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels bescheinigt der Nahversorgung großes Potenzial. "Tante Emmas Enkel" zeichneten sich dadurch aus, dass sie den Kunden einen schnellen und bequemen Einkauf in der Nähe ermöglichten, sagt Verbandssprecher Christian Böttcher. Auch der Geschäftsführer des Euro-Handelsinstituts EHI in Köln, Michael Gerling, bezeichnet die Idee von Tegut als interessanten Ansatz. "Angesichts des demografischen Wandels spricht einiges dafür." Allerdings: "Bislang liegen große Supermärkte noch voll im Trend". Tausende Läden mit weniger als 400 Quadratmetern hätten in den vergangenen Jahren dichtmachen müssen.

Damit das Konzept aufgeht, ist deshalb vor allem die Nähe zum Kunden entscheidend. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) akzeptieren die Verbraucher maximal eine Entfernung von fünf bis acht Minuten oder 1000 Meter. Die Marktforscher beobachteten auch: Die Wachstumskurve der Discounter fällt gegenwärtig zwar flacher aus. Ein Expansionsstopp sei kurz- bis mittelfristig aber nicht in Sicht. (fs/dpa)


Autor: Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.