Griechenland: Prozess gegen "Focus" beginnt
Der "Aphrodite-Stinkefinger-Prozess" gegen Redakteure des "Focus" beginnt. Helmut Markwort steht weiterhin zu der satirischen Darstellung.
In Athen soll heute der sogenannte "Aphrodite-Stinkefinger-Prozess" beginnen. Griechische Rechtsanwälte hatten Anfang des Jahres den "Focus" wegen übler Nachrede, Verleumdung und Verunglimpfung griechischer Staatssymbole angezeigt. Das Nachrichtenmagazin hatte die Schuldenkrise Griechenlands vergangenes Jahr mit einer Aphroditenstatue, die Europa den Stinkefinger zeigt, illustriert. "Wir wollen vor der Justiz den Fall klären", sagte Katerina Frangaki, eine der klagenden Rechtsanwältinnen.
Mit dem Satz "Betrüger in der Eurofamilie" hatte der "Focus" am 22. Februar 2010 die griechischen Liebesgöttin mit ausgestrecktem Mittelfinger auf dem Titel gezeigt und damit auf die desolate Finanzlage Griechenlands angespielt. Es dauerte nicht lange, bis eine griechische Boulevardzeitung, die "Eleftheros Typos", mit der Berliner Siegesgöttin und einem Hakenkreuz konterte.
Für "Focus"-Herausgeber Helmut Markwort handelte es sich um eine legitime, satirische Darstellung der Verhältnisse, wie er im April in München der Nachrichtenagentur dpa gesagt hatte. "Natürlich stehe ich dazu; das war damals originell", sagte er. Vom Burda-Verlag hieß es, an dieser Betrachtungsweise habe sich seitdem nichts geändert.