Jung von Matt gestaltet Atomkraft-Kampagne
Am Wochenende hat eine großflächige Anzeigenkampagne von 40 deutschen Wirtschaftsgrößen für Aufsehen gesorgt. Jung von Matt, Elbe, betreut sie. Die Agentur ist Stammdienstleister von RWE - einem der Hauptinitiatoren der Aktion.
Am Wochenende hat eine großflächige Anzeigenkampagne von 40 deutschen Wirtschaftsgrößen für Aufsehen gesorgt. Jung von Matt, Elbe, hat sie gestaltet. Die Agentur ist Stammdienstleister von RWE - einem der Hauptinitiatoren der Aktion. Zuvor durften Dienstleister auch von anderen beteiligten Unternehmen präsentieren, bestätigt der Kunde.
Einen "Energiepolitischen Apell" wollten Deutschlands Wirtschaftschefs mit der Anzeigenkampagne formulieren. Er richtet sich gegen die Energiepolitik der Bundesregierung und wirbt unter anderem für den Erhalt der Kernkraftwerke. Fast unbemerkt haben sich dafür über 40 prominente Branchengrößen zum Forum "Energiezukunft für Deutschland" zusammengetan - darunter Metro-Boss Eckhard Cordes, Bahnchef Rüdiger Grube und Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann.
"Eine Politik, die darauf setzt, den Haushalt mit neuen Energiesteuern zu sanieren, blockiert die notwendigen Investitionen aus der Zukunft", steht in dem Anzeigentext, den die Wirtschaft-Allianz in Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen schaltet. Dann werden konkrete Projekte benannt, die der Initiative widerstreben: Die geplannte Brennelementesteuere oder eine weiter steigende Ökosteuer etwa. Eine sichere, saubere und bezahlbare Energieversorgung sei "für Deutschland unerlässlich", steht zu lesen. "Erneuerbare Energien - insbesondere die Sonnenenergie - verursachen aber auf lange Sicht noch erhebliche Mehrkosten, in diesem Jahr acht Millarden Euro", moniert die Gruppe außerdem.
Man wolle gemeinsam deutlich machen, dass es einen Konsens für einen breiten Energiemix in der Gesellschat gebe, zitierte das "Handelsblatt" RWE-Boss Jürgen Großmann. Er gehört wie die Chefs der anderen drei großen Energiekonzeren Eon, EnBW und Vattenfall zu den Initiatoren.Wenig verwunderlich also, dass mit Jung von Matt ein RWE-Dienstleister zum Zuge kam.
Die Mehrzahl der Anzeigen-Unterzeichner kommen allerdings nicht aus der Energiebranche. Es ist ein Affront gegen den Kurs von Bundeskanzlerin Merkel, ein Warnschuss, wie aus dem Umfeld der Unterzeichner zu hören ist. Die Regierung muss den Kurs ändern, sonst versagt die Wirtschaftslobby die Unterstützung - auch so lässt sich die Kampagne interpretieren. Bis Ende September will die Regierung ein neues Energiekonzept beschließen, in dem die Bedeutung von Kohle, Kernkraftwerken und erneuerbaren Energien endgültig festgelegt wird.