Mipcom: Studie benennt TV als Verlierer der hybriden Zukunft
Global Media Consult postuliert: Die Zukunft beschert Breitband und IPTV deutliches Wachstumspotenzial für Inhalte-Services. Klassisches TV guckt in die Röhre, weil die Zuschauer nicht bereit sind, für Abo-TV zu bezahlen.
Die großen TV-Anbieter von heute sind die Verlierer von morgen. Schuld daran sind die raschen Entwicklungen im IPTV, bei internetfähigen Endgeräten und die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Zuschauer für fixe Abo-Gebühren. Dies alles führt zu "spürbaren Machtverschiebungen in den Content-Märkten innerhalb der nächsten fünf Jahre – und bedeuten das Ende der dominanten Position klassischer Rundfunkanbieter". Zu diesem Schluss kommt eine internationale Analyse der Kölner Beratungsfirma Global Media Consult (GMC). Sie wird derzeit auf der TV-Messe Mipcom in Cannes präsentiert. Das Werk liefert Aussagen zu wichtigen Trends in den Bereichen Inhalte-Vermarktung und Inhalte-Produktion.
Der Studie zufolge werden hybride Geräte und Geschäftsmodelle – die Kombination aus linearem Rundfunkempfang und internetbasierter Zuführung von Inhalten – die Marktentwicklung der nächsten fünf Jahre prägen. Der Markt für Inhalte und neue IP-basierte Dienste wird dabei insgesamt wachsen und damit werthaltiger: Breitband und IPTV wird deutliches Wachstumspotenzial für Inhalte-Services vorausgesagt – ohne dass die bestehenden Verbreitungsarten wie Kabel, Satellit oder Terrestrik nennenswert Marktanteile einbüßen müssen. "Allerdings sehen die Experten weder die etablierten Free-TV, Pay-TV- noch Plattformbetreiber in der Rolle der Innovationstreiber", so die Studie, für die 280 Content-Experten aus über 20 Ländern Auskunft über die Marktentwicklung in den kommenden fünf Jahren gegeben haben. GMC sieht ganz andere Player im Vorteil: Telekommunikationsanbieter, IPTV-Betreiber, Hersteller von Unterhaltungselektronik wie Philips, Samsung oder Panasonic und vertikal integrierte Anbieter von Hardware, Diensten und Anwendungen wie Apple, Nintendo, Microsoft oder Sony. Sie werden demnach von der Verschmelzung von Rundfunk und Internet am stärksten profitieren – und daher diesen Trend gezielt vorantreiben.
Bitter: Klassischen Rundfunkanbietern, sowohl im Free- als auch im Pay-TV-Bereich, räumt die Analyse eine eher untergeordnete Rolle in der hybriden Zukunft ein. Damit gehe auch die Wertschöpfung am Marktwachstum sowie an den neuen hybriden Geschäftsmodellen möglicherweise an ihnen vorbei, so GMC. Deutliche 75 Prozent der Befragten gehen von einem immer wählerischen Nutzer aus, der neben seinen Lieblingsprogrammen eine zunehmend größere Anzahl von Special-Interest-Angeboten nachfragt – und damit Inhalte-Vielfalt und Werthaltigkeit nach vorne treibt. Auch die zunehmende Verbreitung von festplattenbasierten Endgeräten unterstütze diesen Trend.
Zu den Formaten hält die Studie fest: Non-fiktionale Inhalte werden laut Analyse moderat wachsen und populärer werden. Von insgesamt 16 Grundformaten verzeichnen demnach zwölf leichtes Wachstum, darunter Live-Sport, Randsportarten, Nachrichtensendungen, Spezifische Nachrichten (Sport, Finanzen, Technik), Beratungsformate und Verbrauchertipps, Reise-Formate, Erotik-Magazine, Klatsch, Tratsch & Celebrities, Musik, Spezifische Musiksender, Bildung & Fernsehkurse und User-Generated Content. An Popularität leicht verlieren werden Casting-Shows, Call-in-Formate, Home-Shopping sowie Religiöse Formate. "Im Bereich Fiktion, also Spielfilme, Serien, Sitcoms, Soaps etc., sind ausnahmslos alle Formate als wachstumsfähig eingestuft", so die GMC.
Knackpunkt für die TV-Zukunft bleibe die Zahlungsbereitschaft des Zuschauers gegenüber der erwartet rasch wachsenden Anzahl von Content-Angeboten. "Deutliche 60 Prozent der Befragten – sowohl unter den internationalen wie deutschen Experten – gehen nicht davon aus, dass der Zuschauer bereit ist, für weitere Dienste zu zahlen", geht aus der Analyse hervor. Die Produktion selbst scheint vor dem Hintergrund dieser massiven Umwälzungen fest aufgeteilt zwischen drei Ländern: Die USA wird mit Abstand als heute führender Content-Produzent genannt – und diese Position bleibt auch auf Fünfjahressicht unangefochten. Den zweiten Platz belegt Großbritannien, gefolgt von Indien – heute wie in fünf Jahren.
Immerhin: Das Produktionsvolumen der TV-Formate, die in 14 Ländern entwickelt wurden, hat einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro in den Jahren 2006 bis 2008 erzielt. Das ist ein Zuwachs von 45 Prozent im Vergleich zu den Ergebnissen des ersten Reports (2002 bis 2004) der Frapa, der internationale Formatschutz-Organisation. Sie präsentiert den "Frapa Report 2009 - TV Formats to the World" auf der Mipcom. Erstellt wurde das Werk in Zusammenarbeit mit der internationalen Programm Tracking Agentur "The Wit" und dem Journalistenbüro "TV Sisters" erstellt. Untersucht wurde der Formatexport von 14 Ländern (Argentinien, Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, die Niederlande, Spanien, UK, die USA, und die skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen und Schweden). 445 Formate fanden der Analyse zufolge zwischen 2006 und 2008 ihren Weg ins Ausland. Großbritannien, die Niederlande und die USA stehen demnach immer noch an der Spitze im internationalen Formatbusiness, aber auch Telenovelas aus Argentinien erwiesen sich als Exportschlager.