
Lebensmittel:
Pferdefleisch-Skandal: Minister kritisiert "stille Rückrufaktionen"
Der Pferdefleisch-Skandal in Deutschland weitet sich aus. Nach Real ist nun auch Edeka bei der Suche nach Pferdefleisch in Fertiggerichten fündig geworden. Verbraucherschutzminister Johannes Remmel wirft dem Lebensmittelhandel "stille Rückrufaktionen" vor.
Während die Twittergemeinde entzückt über Lasagne und Pferde witzelt, weitet sich der Pferdefleisch-Skandal in Deutschland weiter aus. Nach Real ist nun auch Edeka bei der Suche nach Pferdefleisch in Fertiggerichten fündig geworden. In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, sagte ein Edeka-Sprecher gegenüber dpa in Hamburg.
Der Händler hatte die Lasagne bereits am Dienstag vorsorglich aus dem Verkauf genommen, nachdem der Lieferant eine mögliche Beimischung von Pferdefleisch nicht habe ausschließen können. Der Anteil liege bei einem bis fünf Prozent. Edeka habe zahlreiche weitere Produkte überprüft, bislang jedoch ohne Ergebnis, sagte der Sprecher. Ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher schloss er aus.
Erst am Mittwochabend hatte Real eine Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Pferdefleisch gefunden worden war. Auch Kaisers Tengelmann entfernte vorsorglich die A&P Lasagne aus dem Tiefkühlregal. Der Großhändler Markant teilte dpa ebenfalls mit, er habe vergangene Woche "vorsorglich entsprechende Produkte aus dem Vertrieb sowie aus dem Verkauf bei den belieferten Kunden genommen". Die Gesellschaft betreibt keine eigenen Einzelhandelsgeschäfte.
Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) hat den Lebensmittelhandel aufgefordert, sämtliche Verdachtsfälle im Pferdefleisch-Skandal offen zu legen. "Viele Einzelhändler haben in den letzten Tagen und Wochen stille Rückrufaktionen unternommen, weil sie offenbar schon einen Verdacht hatten", teilte Remmel am Donnerstag in Düsseldorf mit. Die Verbraucher hätten davon aber nichts erfahren. Remmel forderte deshalb vom deutschen Lebensmittelhandel eine zentrale Internet-Plattform, um über verdächtige Produkte, Rückrufaktionen und Pferdefleisch-Funde zu informieren. Die Verbraucher müssten selbst überprüfen können, ob sie noch verdächtige Produkte in ihren Kühlschränken haben. Weil von den Produkten nach bisherigem Stand keine akute Gesundheitsgefahr ausgehe, sei eine Nennung von Seiten der Behörden rechtlich nicht zulässig.
In Deutschland erfasst der Skandal bereits mehrere Bundesländer: In Baden-Württemberg wurde eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne der Firma Eismann aus dem Handel genommen. Eine Tiefkühl-Lasagne mit möglicherweise falsch deklariertem Pferdefleisch wurde zudem in einem Lager in Brandenburg vorsorglich sichergestellt. In beiden Fällen gibt es eine Spur nach NRW. In Niedersachsen wurde ein Kühlhaus geschlossen. Bayern kündigte verschärfte Kontrollen an, hat aber bislang keine Auffälligkeiten entdeckt.
Die EU-Kommission will mit DNA-Tests wirksamer gegen falsch deklariertes Fleisch vorgehen. Die ersten 2500 Gentests könnte es den Plänen zufolge im März geben, etwa 200 davon in Deutschland, teilte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg am Mittwochabend nach einem Krisentreffen acht beteiligter Staaten in Brüssel mit. Ergebnisse sollen Borg zufolge Mitte April veröffentlicht werden.
Tests der britischen Lebensmittelaufsicht haben indes ergeben, dass Fleisch von drei mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden wohl in die Nahrungskette geraten ist. Das in der Tiermedizin zu therapeutischen Zwecken und als Schmerzmittel verwendete Phenylbutazon weise für Menschen nur ein geringes gesundheitliches Risiko auf, hieß es am Donnerstag in London. Das Mittel wird wohl auch für Doping im Pferdesport verwendet. (fs/dpa)