Die Brille

Manchmal lohnt es sich eben doch, scheinbar nutzlose Dinge aufzuheben. Vor der Sonnenfinsternis am Freitag hat im Internet laut dpa ein schwunghafter Handel mit den Schutzbrillen begonnen, die längst Mangelware sind. Die einfachen Pappgestelle mit Spezialfolie, im Laden für rund drei Euro zu haben, wurden am Donnerstag für Preise von 40 Euro und mehr online versteigert. Sogar für 329 Euro wurde eine Pappbrille angeboten. Experten gehen davon aus, dass die Hersteller den Run auf die Brillen unterschätzt haben - oder, wie "Spiegel Online" kritisiert, schlicht "verpennt". Experten warnen vor dem ungeschützten Blick in die Sonne. Vor allem auch durch Kameras oder Ferngläser. Dabei können die Augen schwer geschädigt werden. Manche Schulen lassen aus Gesundheitsgründen die Schüler um diese Uhrzeit gar nicht erst auf den Schulhof. Peinlich ist deshalb auch der Fauxpas eines Optikers in Schwaben. Der hat laut Focus.de versehentlich 3D- statt Schutzbrillen verkauft. Und die seien für die Sonnenfinsternis gänzlich ungeeignet. Rund 40 Brillen seien verkauft worden, die Polizei sucht nach den Besitzern.

Alternativen

Wer keine Brille hat, kann sich mit einem Trick helfen. Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ("Quarks & Co.") rät gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung" zu einem "Sonnenfinsternis-Selfie". Einfach der Sonne mit dem Smartphone in der Hand den Rücken zukehren und das Spektakel im Selfie-Modus verfolgen. Das gibt auch lustige Fotomotive - die einen schauen hin, die anderen schauen weg. Oder man baut sich eine Lochkamera. Die Bauanleitung dazu gibt es hier. Der WDR und Die Sternwarte Peterberg bieten live ein Video-Stream an, die westfälische Volkssternwarte schlägt eine Spiegelprojektion vor. 

Die Auswirkungen

Die Energieversorger hoffen auf schlechtes Wetter, denn dann sind die Auswirkungen auf die Solaranlagen nicht so gravierend. Die produzieren in diesen rund vier Stunden weniger oder keinen Strom, was kompensiert werden muss, um die Netzstabilität zu sichern. Zwischendurch wurde gar die Angst vor einem Stromausfall geschürt. Energieversorger RWE weist jedoch auf eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin hin, nach der die Auswirkungen "kalkulierbar und beherrschbar" seien.

Die #Sofi2015 im Netz

Der Hashtag #Sofi2015 erfreut sich schon jetzt großer Beliebtheit in den sozialen Netzwerken. Medien weisen auf ihre Berichte und Live-Ticker hin. Marken wie RWE laden zum Gewinnspiel mit der Aufforderung "Twitter mit uns die Sonne zu". Und natürlich gibt es auch jede Menge Witzbolde:

Der Postillon warnt: "Falls Sie in Solarenergie investiert haben, werden Sie am Freitagvormittag Ihr Haus, Ihr Auto und alle Ihre Ersparnisse verlieren." Und antwortet auf die Frage: Wo ist die Sonnenfinsternis gut zu sehen? "Am Himmel. Wo sonst? Mann, Mann, Mann..."

Trittbrettfahrer gibt es natürlich auch.


Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Autor: Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.