In den USA oder England herrschen keine Berührungsängste. Da ist es üblich, dass man lesen kann ‚Wie Blog XY schreibt‘. In Deutschland haben die Blogs einen Hautgout. Die werden nicht zitiert. Ich halte es einfach für unhöflich, wenn die Quelle von Informationen, die mit viel Recherchearbeit zusammengetragen wurden, nicht richtig genannt wird. Aber Deutschlands Journalisten sind sowieso größtenteils analog unterwegs. Man hat hier das Gefühl, das Internet sei exakt vor 23 Tagen erfunden worden.

Sehen Sie einen Verfall des Qualitäts-Journalismus in Deutschland?

Je weniger Redakteure ich habe, desto weniger Qualität habe ich. Wenn in den Online-Redaktionen nur noch wenige Schreibknechte sitzen, die nicht raus dürfen, dann bekomme ich keinen Qualitäts-Journalismus. Natürlich gibt es immer noch den einen oder anderen Hort des Qualitäts-Journalismus, aber eigentlich erlebe ich immer weniger Journalismus, der mich begeistert und mitreißt.


Autor: Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.