Doch schon im August 2011 sei offenbar bereits eine weitgehende Einigung der Nachkommen darüber erzielt worden, dass die Grotkamps den Brost-Erben die WAZ-Anteile abkaufen wollten. Offenbar sollte damals in drei Tranchen für den Teilverkauf bezahlt werden. 270 Millionen sofort, später weitere 200, dann noch einmal 30 Millionen. Dann allerdings kam das Störfeuer - die viel höhere Offerte von Springer. Vorstandschef Mathias Döpfner bot – theoretisch - 1,4 Milliarden für den gesamten WAZ-Konzern. Das Springer-Angebot wurde zwar rasch zurückgewiesen. Doch Heinemann hat ein neues Wertgutachten fertigen lassen, um zu klären, ob das Angebot Petra Grotkamps angemessen sei. Er erklärte sich zudem mit keiner Ratenzahlung einverstanden - was die Finanzierung schwieriger und die Lage für den Konzern (mit seinen vielen Klauseln) erneut komplizierter machte.

Wenn nun alles wie von Petra Grotkamp geplant durchgezogen wird, hat sie das Sagen und beendet zugleich die "Doppelregentschaft zweier Dynastien", wie es die "SZ" nennt. Eine Geschichte mit vielen gerichtlichen Auseinandersetzungen und Blockaden. Petra Grotkamp, eine der Töchter des WAZ-Gründers Jakob Funke (konservativ) hat zuletzt den Erben von WAZ-Gründer Erich Brost (sozialdemokratisch) gegenübergestanden. Der Wechsel zu Grotkamp bringt gleich mal eine massive Veränderung mit sich - Bodo Hombach, der Geschäftsführer der Brost-Seite, hätte wohl bis 2015 mitgemacht. Jetzt scheidet er laut "SZ" möglicherweise schon in diesem Monat aus. Er bekommt demnach keine Abfindung, aber sein Gehalt laufe die nächsten vier Jahre weiter.

Der Medienkonzern macht auch 2011 noch mehr als eine Milliarde Euro Umsatz - auch wenn es 2010 noch mehr waren. Unterdessen hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vor einigen Tagen berichtet, dass die WAZ-Gruppe 2011 auf ein operatives Ergebnis von voraussichtlich 110 Millionen Euro kommen könnte und damit wieder im dreistelligen Millionenbereich liegen würde. Zur WAZ gehören 40 Zeitungen sowie mehr als 100 Zeitschriften.


Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.