ZDF schwebt mit neo mehr Marktanteil vor
Der neue Digitalkanal ZDFneo soll in absehbarer Zeit die Ein-Prozent-Hürde bei den Marktanteilen nehmen - mit Comedy, Filmen und Serien, aber auch mit Dokus und Reportagen.
Mit dem neuen Digitalkanal ZDFneo verfolgen die Mainzer ZDF ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen die Marktanteile des Senders für die Zielgruppe der 25- bis 49-Jährigen bis Ende 2010 verdoppeln. Das bisherige ZDFdoku bringt es gerade einmal auf 0,3 Prozent Marktanteil. Über kurz oder lang und mit dem Ausbau der technischen Reichweite schwebt dem ZDF für den digitalen Kanal ein Prozent Marktanteil vor - und noch mehr. "neo ist der ernsthafte Versuch, einen bedeutenden Sender aufzulegen", so ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut am Donnerstag bei der Programmpräsentation in Köln.
ZDFneo startet am 1. November und ersetzt mit Comedy, Serien und Filmen den ZDFdokukanal. Allerdings werden Reportagen und Dokus auch weiterhin eine herausragende Rolle spielen, betont ZDFneo-Chef Norbert Himmler. "Wir sprechen junge Zuschauer an, die Interesse an intelligenten Fernsehen haben." Deshalb beginne die Hauptsendezeit erst um 21.00 Uhr. Dann können die beruflich stark engagierten Singles allmählich abschalten und bei den jungen Familien sind dann die kleinen Kinder im Bett", so Himmler.
Bei ZDFneo spielen neben Reportagen eigenproduzierte Kultursendungen sowie deutsche und internationale Comedy eine herausragende Rolle. So wird Marta Jandova von der Band Die Happy durch regelmäßige Musik- und Chartsendungen führen. "Nightwash"-Erfinder Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser wird durch das nahezu tägliche "Comedy-Lab" führen. Als Late-Night-Show kommt die "Süper Tiger-Show" aus Berlin-Kreuzberg, die bislang im Internet eine große Fan-Gemeinde gefunden hat. neo verzichtet dagegen auf Nachrichten und Sport - und ist werbefrei. Ebenfalls im Programm sind Comedy-und Sitcom-Formate der BBC und aus dem US-Fernsehen, darunter Serie "30 Rock". Alle Staffeln der Kult-Comedy "Seinfeld" werden erstmals im Zwei-Kanal-Ton im deutschen Fernsehen zu erleben sein.
Programmdirektor Thomas Bellut weist indes Vorwürfe von Privatsendern zurück, mit neo werde ProSieben oder RTL II kopiert. Das Digitalangebot entspreche durch und durch öffentlich-rechtlichen Programmansprüchen, sagt er und verweist auf die neo-Produktion "Der Straßenchor". Darin begleitet ein Kamerateam in Berlin einen Chor von Obdachlosen, Drogensüchtigen und Prostituierten von der ersten Probe bis zum gemeinsamen Konzert. Eine Kampagne läuft zum Sendestart im ZDF-Hauptprogramm. Der Claim: "Sieh's mal neo".