Zum Start von DAPD: Ein Interview mit Chefredakteur Dreyer
Vom morgigen Mittwoch an fordert die Nachrichtenagentur dapd den Marktführer dpa als Vollagentur heraus. Chefredakteur Cord Dreyer sprach mit derm W&V-Schwesterblatt "Kontakter" über die Pläne der Agentur.
Vom morgigen Mittwoch an fordert die Nachrichtenagentur dapd den Marktführer dpa als Vollagentur heraus. Chefredakteur Cord Dreyer über die Pläne der Agentur.
Die dapd tritt ab September als Vollagentur im Wettbewerb an. Reichen 500 Meldungen als Argument gegen den Marktführer dpa mit 800 Meldungen?
Dreyer: Ziehen Sie den Sportanteil bei dpa ab, sind wir ja durchaus auf Augenhöhe. Der entscheidende Punkt ist aber nicht, 500 Meldungen am Tag zu haben, sondern die richtige Auswahl an Meldungen und Bildern. Eine Standardkritik der Kunden lautet ja, dass zwar viel angeboten wird, aber wenig passt. Deswegen sollen die Kunden über den ‚Newsplaner‘ Themen künftig nicht nur bewerten, sondern die Themenplanung bereits im Vorfeld massiv beeinflussen können.
Wie individuell kann eine Agentur überhaupt auf Kundenwünsche eingehen?
Dreyer:Jahrzehntelange Agenturdenke sagt, ,IndividuelleKundenwünsche können nicht erfüllt werden. Das geht alles einfach nicht.‘ Ich glaube aber, dass eine Agentur künftig nicht mehr nach dem Muster funktioniert, einmal Content zu erstellen und an alle gleich zu verteilen. Man muss tagtäglich auf Kundenbedürfnisse eingehen. Das heißt nicht, dass eine Agentur alle erdenklichen individuellen Wünsche erfüllen kann. Wir können aber versuchen, unsere Trefferquote bei Themenwünschen zu erhöhen. Das macht uns ja auch effizienter.
Welche Kundenwünsche soll das Investigativteam erfüllen? Werden solche Inhalte überhaupt von einer Agentur erwartet? Dreyer: Es geht da um eine andere Form von Journalismus jenseits des Termingeschäfts. Wir denken, dass wir mit der Art der Aufbereitung der Themen, die das Team recherchiert, unsere Kunden in die Lage versetzen, große, seitentragende Exklusivgeschichten zu bekommen, die es bei Agenturen so bisher nicht gibt. Vor allem Regionalblätter äußern daran großes Interesse. Und wir wollen damit zur Erhaltung des Qualitätsjournalismus beitragen.
Trotz all Ihrer Anstrengungen kann die dpa mit dem Pfund wuchern, dass deren Kunden auch ihre Gesellschafter sind. Lässt sich dieses Bollwerk knacken?
Dreyer: Diesen Zusammenhang sehe ich so nicht. Ich spüre einfach ein großes Interesse an dem Projekt dapd. Bei vielen Kunden läuft es auch nach wie vor nicht auf die Alternative dpa oder dapd hinaus. Langfristig werden Nachrichtenagenturen allerdings schon damit rechnen müssen, dass die Zahl derjenigen Häuser wächst, die nur noch eine Agentur haben werden. Da wollen wir mit innovativen Ansätzen und anderen Schwerpunkten die Alternative bieten.
An wie viele auslaufende dpa-Verträge kämen Sie theoretisch überhaupt heran?
Dreyer: Wir sind darauf eingestellt, mit sehr langen Laufzeiten der dpa-Verträge zu leben. Das bedeutet, dass wir nicht morgen auf einen Schlag sehr viele neue Kunden gewinnen können, die bisher bei der dpa sind. Unseren Eigentümern geht es aber um eine langfristige strategische Positionierung – die investierten Millionen müssen nicht morgen wieder hereingeholt werden.
Wo soll die dapd in zehn Jahren stehen?
Dreyer: Wir wollen einen exzellenten und flächendeckenden Dienst aufbauen, der sich aber nicht in unendlichem Themengewirr verzettelt, sondern bietet, was blattmacherisch sinnvoll ist. Wir verfügen zudem über eine hohe Investitionsbereitschaft unserer Eigentümer, so dass wir unseren Kunden vielfältige Angebote machen können – wie in absehbarer Zeit zum Beispiel technische Plattformen für iPhone- und iPad-Applikationen.