Uneinig sind sich die Experten darüber, ob ein Geistesblitz eher im stillen Kämmerlein eines Einzelnen entsteht oder sich eher in einer Gruppe entzündet. "Den Geistesblitz des Einzelnen gibt es wirklich", glaubt Mehlhorn. Und dafür - hier stimme er Strerath zu - brauche es Ruhe und Abgeschiedenheit, damit die Inkubation eintreten könne im kreativen Prozess. Mehlhorn sagt deswegen auch: "Gruppenarbeit ist kein Allheilmittel." Allerdings schränkt Mehlhorn diese Erkenntnis auch ein: "Viele Wege führen nach Rom." Und manchmal sei es dann doch besser, wenn man sich nach mehreren Tagen ergebnislosen Brütens mit Kollegen bespricht und das Problem neu reflektiert.

Sonnenburg, der früher für Agenturen wie Heller & Partner und Economia selbst in der Branche gearbeitet hat, wiederum glaubt an mehr Kreativität im Kollektiv. Der Professor hat selbst über Kreativität und das Zusammenspiel in Gruppen geforscht. Sein Ergebnis:  "Nach aktueller Forschung ist Kreativität ein prozessuales Phänomen." Forschungen hätten beispielsweise gezeigt, dass ein Einzelner bei Brainstormings weniger Output liefere als die Gruppe. Optimale Ergebnisse gäbe es bei Gruppen von drei bis fünf Leuten. Wenn mehr als fünf Leute beteiligt seien, würde ein selbstverstärkender Trittbrettfahrereffekt einsetzen.

Brainstormings als solche müssten jedoch immer wieder aufs Neue trainiert werden. Die Forschungen an Sonnenburgs Hochschule hätten beispielsweise auch ergeben, dass manche Teams in dieser Phase zu früh aufhören und sich zu früh zufrieden geben, also statt der optimalen 30 bis 90 Minuten für das Brainstorming nur 20 Minuten benötigen. Der sogenannte "Saturationpoint" würde eintreten. "Wenn man aber diesen inneren Schweinehund überwindet, so haben es Studien gezeigt, kommen trotz Quälerei hinterher die besseren Ergebnisse heraus."

Auch bei Jung von Matt bleibt das Strerath-Interview nicht ohne Nachhall. Die Agentur hat ihren Weg gefunden, mit dem kleinen Shitstorm auf eigene und kreative Weise umzugehen. Auf Facebook wurde flugs Folgendes gepostet: "Bei Jung von Matt arbeiten nur Arschlöcher! Finde raus, wie es wirklich ist: jvm.de/jobs".


Anja Janotta, Redakteurin
Autor: Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.


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