#Globukalypse

Und genau hier setzen die Gegner von Homöopathie an. Der Weilheimer HNO-Arzt Dr. Christian Lübbers zum Beispiel sagt: "Wenn eine Methode seit über 220 Jahren den Nachweis einer spezifischen Wirkung schuldig bleibt und Patienten aufgrund eines Fehlglaubens an eine angebliche Wirkung der Homöopathie Gefahr laufen, auf tatsächlich wirksame Medizin zu verzichten oder eine wirksame Therapie zu spät einzuleiten, sollte eine diesbezügliche irreführende Werbung generell untersagt werden." Auf Twitter fordert der Arzt unter #Globukalypse ein Ende des Homöopathie-Sonderstatus bei Arzneimittelzulassung & GKV-Erstattung.

Weiteres Argument der Homöopathie-Gegner: Dass Krankenkassen sich über Homöopathie differenzieren können, sei ein Trugschluss, da mittlerweile praktisch alle Krankenkassen Homöopathie in ihren Leistungskatalog aufgenommen haben und somit der ursprünglich intendierte Wettbewerb zwischen den Krankenkassen in Bezug auf die Homöopathie gar nicht mehr stattfände, so der Arzt.

Homöopathie wird in homöopathischen Dosen nachgefragt

Fragt man bei den Krankenkassen nach, so stellt man jedoch fest, dass Homöopathie für die Menschen nicht das kriegsentscheidende Argument ist, einer Krankenkasse beizutreten. Bislang haben sich rund 42.200 Versicherte in den Vertrag der Barmer mit dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) eingeschrieben. Im ersten Halbjahr 2019 haben sich etwa 14.400 Patientinnen und Patienten entsprechend behandeln lassen. Zum Vergleich: Die BARMER hat rund 9,1 Millionen Versicherte. Die Gesamtausgaben für Homöopathie sind unter dem Strich gering. So wurden bei der Krankenkasse im Jahr 2018 nur 0,007 Prozent der Leistungsausgaben für Homöopathie aufgewendet.

Bei der AOK sind es je nach Bundesland ein paar Hundert bis 3.700 Patienten, die sich homöopathische  Mittel verschreiben haben lassen. Die AOK Bayern beispielsweise bezahlte 2018 rund 46.000 Euro für homöopathische Arzneimittel. Der Anteil der Ausgaben der DAK für homöopathische Mittel lag im Jahr 2018 bei 0,0042 Prozent der Gesamtausgaben.

Homöopathie und das Solidarsystem

Doch auch wenn das vermeintlich Peanuts sind, unterlaufe die Kostenübernahme sämtliche Prinzipien des Solidarsystems, die sonst für die Erstattung von Medikamenten oder Therapien gelten, so die Kritiker weiter. Denn Homöopathie wirke nicht über den Placebo-Effekt hinaus und sei daher weder wirtschaftlich noch alternativlos, notwendig oder gar zweckmäßig, sagt Dr. Lübbers. Doch gerade den Placebo-Effekt, dem in vielen Studien eine Wirksamkeit bescheinigt wird, als Argument anzuführen, bringt Homöopathiebefürworter auf die Palme.

Das sagen die Kassen

Und die Kassen stehen beim Thema Homöopathie zwischen Baum/Evidenzmedizin und Borke/Versicherteninteressen. Kai Behrens, Pressesprecher des AOK-Bundesverbandes sagt: "Für die Wirksamkeit von Homöopathie gibt es nach Expertenmeinung keinen Nachweis in methodisch hochwertigen Studien. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass eine homöopathische Therapie zu einer subjektiv wahrgenommenen Verbesserung der gesundheitlichen Situation bei den behandelten Personen führen und damit das Behandlungsziel erreichen kann. Zudem sind bei der Anwendung von Homöopathie – im Gegensatz zu vielen anderen Selbstzahlerleistungen und nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln – keine negativen Folgen für die Patienten zu erwarten. Voraussetzung ist allerdings, dass die Homöopathie nicht als 'Ersatz' für die leitliniengerechte Therapie von behandlungsbedürftigen Erkrankungen angeboten und eingesetzt wird."

Entsprechend gelassen äußerte sich auch der oberste Hüter der Gesundheit in Deutschland, Gesundheitsminister Jens Spahn. "Es ist so okay, wie es ist", sagte der Minister gegenüber dpa. Denn bei einem Etat von rund 40 Milliarden Euro im Jahr geben die Kassen weniger als ein Prozent für Homöopathie aus. In Frankreich ist die Sache übrigens beschlossen: Ab 2021 wird es keine Zuschüsse mehr für homöopathische Mittel geben. Bleibt abzuwarten, wie es in Deutschland weitergeht - zwischen "okay so" und "Globukalypse".


Yvonne Göpfert
Autor: Yvonne Göpfert

ist Expertin für digitales Marketing und Multichannel-Commerce. Sie liebt VR, AR und ein bisschen auch KI und probiert aus, was die neuen Technologien so leisten. Zum Stressausgleich beschäftigt sie sich ganz analog mit Kräutern. Und mischt sie zu Tinkturen, Hustensirup oder leckeren Kochrezepten.