Honorare für Kreative :
15 Euro Hohn: Wie Texter im Preis gedrückt werden

Gute Texter gibt es nicht viele. Sie dürfen gerne auch Quereinsteiger sein, denn wer mit Worten kann, der kann Karriere machen. Denkt man. Fehlgedacht. Wer mit Worten kann, kann mich mal, denken wohl leider sehr viele Agenturmanager. Jochen Kalka über neue Hungerlöhne für Kreative.

Text: Jochen Kalka

- 36 Kommentare

Jochen Kalka ist Chefredakteur von W&V
Jochen Kalka ist Chefredakteur von W&V

Texter werden händeringend gesucht. Denn gute Schreiber gibt es nicht viele. Wortakrobaten dürfen gerne Quereinsteiger sein, denn wer mit Worten kann, der kann Karriere machen. Denkt man. Fehlgedacht. Wer mit Worten kann, kann mich mal, denken wohl leider sehr viele Agenturmanager.

Die Ausbeutung von Textern nimmt immer dramatischere Formen an. Bislang lief die Bezahlung in Tagessätzen. Klingt vernünftig, war es auch, wäre es auch heute noch. Aus den Tagen wurden irgendwann Stunden. Denn, was sich in Sekunden liest, dichtet man doch lässig in Stunden – wer braucht schon Tage für geistige Leistung? Ja, so in etwa denken manche Chefs.

Nach Stundensätzen rechnen in den meisten Agenturen Grafiker ab. Das lässt sich ja auch meistens noch relativ klar nachvollziehen. Aber auch nicht immer. Eine mutmaßlich schwäbisch-schottische Mafia weiß die Branche noch mehr auszupressen und zwingt den Kreativen oft Festpreise auf. Mit Festen und Feiern hat das nichts zu tun, eher mit unmoralischen Angeboten, die oft aus einer gewissen Not heraus nicht abgelehnt werden können.

Doch, Vorsicht, es kommt noch schlimmer. Nein, es ist nicht die sekundengenaue Abrechnung, die Texter jetzt großzügig angeboten bekommen, sondern eine Bezahlung nach Worten. Ein kalkaresker Witz? Nein, leider die Wahrheit. Bezahlung nach Worten in der Werbebranche. Man kann das nicht glauben.

Ein Texter aus Hamburg rechnete vor: Eine gute Copy hat im Schnitt 650 Anschläge. Das sind rund 150 Wörter. Nehmen wir den aktuellen "Spitzensatz" von 10 Cent pro Wort, kommt man auf 1500 Cent, was 15 lächerliche Euro sind. Zum Vergleich: Bisher werden für diese Textlänge ungefähr 300 Euro berappt.

"Ich komme mir langsam vor wie ein Mexikaner, der morgens an der Hauptstraße mit Arbeitshandschuhen und ´ner Schaufel steht und darauf wartet, dass irgendwer mit ´nem Pickup vorbeikommt und Hilfe braucht, für ein paar Pesos oder ´nen Maiskolben auf die Faust", schreibt mir ein anderer Texter. Den Wert dieses Zitats können wir auf 4,10 Euro berechnen.

Ein Hamburger Wortarbeiter sagt: "Ich würde lieber für 30 Cent pro Liter Kühe melken. Aber das wird hier in Hamburg noch weniger angeboten!"

Der Umgang mit der hohen Kunst an Wortwundern ist oft wirklich gruselig: Zuweilen werden Festpreise für Textideenpakete beschlossen. Das wird wirklich so genannt, "Festpreise für Textideenpakete". Hier wird dann zum Beispiel vier Wochen nach der Lieferung des Wortmaterials geantwortet: "Bei den Headlines war noch nichts dabei. Bei dem Preis ist ja wohl nochmal eine Runde drinnen. Gerne bis morgen!"

Sehr gerne doch. Idiot.

Eine andere Variante: Der Kunde überweist den Betrag nach Gusto. Und zwar erst nach vier Monaten. Oder es werden weitere Textblöcke verlangt. Weitere Claims. Weitere Bildunterschriften, weitere Vorspänne – und so geht es ewig weiter. Um am Ende zu sagen: So dolle war das ja wohl nicht – und es werden einige hundert Euro weniger überwiesen.

Ein letztes Beispiel noch: Ein Profi mit 20 Jahren Agenturerfahrung sollte für eine große süddeutsche Automarke einen Tag lang durchtexten. 2000 Zeichen komplexe Zusammenhänge verständlich darstellen. Am Ende gab es dafür nicht einmal 10 (in Worten: zehn) Euro. Auf die Frage des Texters hin, warum die Firma das mache, kam die Antwort: "Wir sind dringend auf das Geld angewiesen!"

Armes Deutschland!


Autor:

Jochen Kalka, Chefredakteur
Jochen Kalka

ist jok. Und schon so lange Chefredakteur, dass er über fast jede Persönlichkeit der Branche eine Geschichte erzählen könnte. So drängt es ihn, stets selbst zu schreiben. Auf allen Kanälen.



36 Kommentare

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Johannes Flörsch 3. April 2017

Was genau will uns der Artikel sagen? Dass nicht nur in den Diamantminen Nigerias unterirdische Honorare bezahlt werden? Dem Artikel fehlt etwas Entscheidendes: Wenn man schon jahrzehntelang Chefredakteur einer bzw. vielleicht „der“ Zeitschrift aus dem Werbesektor ist, sollte mehr bei rumkommen als ein Eintrag ins Tagebuch auf dem Nachtkästchen. Ich warte auf eine Fortsetzung in der wuv, mit der mal beleuchtet wird, was ein Texter tut, was ein Journalist, was ein Redakteur, was ein Lektor. Erstens. Und dann muss, zweitens, sensibilisiert werden für dieses verderbliche Gut „Text“, das tatsächlich nichts mehr wert ist, wenn pro Wort 1 Cent bezahlt wird.



Zwei Möglichkeiten: Wenn du Texter bist, kannst du dich bemühen, besser zu werden; nur weil du Texter bist, bist du kein guter Texter – nur weil es keine Eintrittshürden gibt zum Beruf, heißt das nicht, dass der Parcours leicht ist.

Du kannst aber auch Texter bleiben und dich über die Lage beklagen. Kannst den armen (Werbe-)Poeten geben (von dem wir niemals erfahren werden, ob er ein „guter“ Poet war).

Es gibt phantastische, und es gibt miserable Texter. Künstler und Fließbandmalocher. Die Frage ist: Wird in der Werbung Kunst benötigt? Das müssen die Auftraggeber entscheiden. Sie bezahlen – sie bestimmen. Du kannst dich darauf einlassen oder auch nicht. Aber eindeutig ist nicht jeder Auftrag ein Tageshonorar von 700 € wert oder gar noch mehr. Hier kollidiert meiner Erfahrung nach die Hybris vieler Texter mit der Inflation an Internet-Artikeln.

Liebe Texter, setzt einen vernünftigen Stundenlohn fest, sagen wir mal 50 €, und lasst euch den bezahlen. Sagt vorher, wie lange ihr brauchen werdet, und vereinbart die Möglichkeit der Nachkalkulation.

Wer 700 € Tageshonorar für sich reklamiert, muss schon brillant sein – und zwar jeden Tag, denn jeder einzelne der 700 Euro glitzert ebenfalls.

PS: Ich hätte gerne eine Erklärung, wie die Überschrift zustande kam. Was heißt, bitteschön, „15 Euro Hohn“?

Anonymous User 1. November 2016

Die allgemeine Entwicklung ist fatal, doch drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Probleme in vielen Fällen selbstgemacht sind. Was nichts kostet, ist nichts wert, ganz einfach. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nur bei uns im Ländle so ist. Was mich betrifft: Bevor ich überhaupt mit einem Auftrag beginne (selten über Agenturen) sind 33,3 Prozent des Bruttohonorars fällig. Pauschal. (Tagessatz: 800 EUR.) Ich erstelle für meine Kunden Angebote, die schriftlich bestätigt werden müssen. Meine Preise stehen übrigens auch auf meiner Webseite. Wem's nicht passt, kann gerne weiterziehen. Unter dem Menüpunkt Preise formuliere ich das allerdings etwas moderater. Neben drei Marshmallow-Mäusen, von dem eines rote Augen hat, steht dort in aller Deutlichkeit: "Natürlich kann man auch mit Junk-Food satt werden, nur eben woanders!"- Meine Leistung gibt’s nur zu einem anständigen Preis. Punkt. Übrigens orientiere ich mich am Rotstift und fahre gut damit. Wenn ich andere Dienstleister in Projekte einbeziehe, verlange ich übrigens bewusst keinen Agenturrabatt! Auch so ein Unding!

Anonymous User 28. Oktober 2016

Ich arbeite seit Jahren fast nur für Direktkunden. Abgerechnet wird nach Kostenangebot und per Vorkasse. Auf so manchen Billigkunden muss ich so verzichten, aber ich fahre bestens damit ...

Anonymous User 26. Oktober 2016

Bin zufällig hier gelandet, da als Texter immer und ständig auf der Suche nach Angeboten. Wie das so ist im freien Leben auf wirtschaftlicher Basis. Den Kommentaren nach zu urteilen bin ich hier – als redaktioneller Texter, der je nach Kundenvereinbarung und Auftragsart pro Zeichenanschlag oder auf Stundenbasis bezahlt wird – wohl falsch.
Bitte nicht falsch verstehen, habe nichts gegen Leute, die Werbeslogans erfinden und sicherlich gehört hier eine Menge geistiger Einsatz dazu. Aber ein Text ist in meinem Verständnis einfach mehr als ein einziger Satz. Und für die Darstellung komplexer Themenfeldern in verständlichen Worten werden gute Texter auch angemessen bezahlt.
Mir wird einfach nicht klar, warum man die Texter nennt, die einem einzigen kurzen Kommentar nicht ohne Komma- und Rechtschreibfehler verfassen können. Da sollte man wohl zwischen Texter und Texter ein wenig differenzieren.

Anonymous User 26. Oktober 2016

@texterjoe

Dass Hornbach nur Erfolg hat, weil sie Märkte neben Obi haben, ist wirklich das Absurdeste, was ich je gehört habe. Dann gibt es in deiner Welt wohl auch keine Markenstrategie und kein Markenimage. Und wenn Dove mit einem wahren Insight wirbt, statt mit einer Werbelüge, dann wird dir schlecht? Na gute Nacht.

Anonymous User 25. Oktober 2016

Nach meiner Erfahrung kommt als guter Texter, will er frei bleiben, derjenige gut weg, der am Privatmarkt als kompetenter Lektor Aufträge annimmt. (Hätte ich jetzt wohl nicht verraten sollen.)
Es gibt masse Leute, die nicht richtig Deutsch können und das auch wissen, aber trotzdem schreiben, ihrer Inhalte halber. Einige von denen sind bereit, anständig zu bezahlen.

Anonymous User 25. Oktober 2016

Ich bekam kürzlich auf mein Standardinserat hin eine Anfrage von einem großen Modeversand. Der Online-Marketing-Chef wollte 2 (!) bis 10 Cent pro Wort bezahlen für nette kurze Produktbeschreibungen, möglichst aufreizende, wobei er aber wegen der 10 Cent noch die Geschäftsleitung fragen wollte. Die haben doch mehr als ein Rad ab.
Was der Laden bisher hat, ich schaute mir das natürlich mal kurz an, ist voller handwerklicher Fehler und Inkonsistenzen. Kein Wunder also, dass man sich überlegte, für 5 bis 15 Euro die Stunde, je nach Geschwindigkeit und Sorgfalt, einen guten Texter zu suchen.
Man geht wohl insgesamt davon aus, dass ziemlich egal ist, was da steht, Fehler eher noch sympathisch machen, da der ganze Kundenplebs sowieso nicht mehr richtig lesen kann. Einfach Anpassung an die Zielgruppe!

Anonymous User 25. Oktober 2016

@Dampfbloque: eine weitere fatale Entwicklung in der Branche: alles mit Zahlen und Fakten zu untermauern. Der Sieg der Mafo über das letzte Bischen Einfallsreichtum, das den Werbetextern noch geblieben ist. Genauso entstehen Kampagnen wie Dove... Irgendein Ignorant von Marktforscher kommt mit der gefälligen These, man sollte die Zielgruppe abbilden, und die unterbezahlten, müden Werbetexter setzen das 1zu1 in die Tat um, weil ja Mafo gestützt. Nein, der Branche fehlt der Mut. Und Hornbach profitiert auch nicht von der Nähe zu Obi, sondern von dem immensen Investitionskapital. Um das zu erkennen braucht man keine Zahlen und Fakten, man muss halt einfach mal so einen Hornbach besuchen. Danke für die Lektorats Korrekturen, Rechtschreibung ist nicht zu vernachlässigen, und das ist wohl der Grund warum aus mir leider nie einer dieser pünktlich um 6 Uhr nach Hause gehenden Werbetexter geworden ist;)

Anonymous User 25. Oktober 2016

Achja: Und in Texterkreisen setzt man das "h" lieber hinter das "t" und verwandelt Ihr "pseudophatetisch" in "pseudopathetisch".

Anonymous User 25. Oktober 2016

@texterjoe

Simple Regel der Werbung:
Wenn sie mich nicht anspricht, war ich wohl nicht gemeint.

Ansonsten ist es in Diskussion immer gern gesehen, wenn man Behauptungen wie "Hornbach profitiert von der Nähe zu Obi" oder "Werbung hat keinen Effekt" mit Zahlen untermauert.

Anonymous User 25. Oktober 2016

Ich arbeite als Freelance Creative Director und Konzepter und versuche genau den Begriff des "Texters" zu vermeiden. Denn er beschreibt meinen Arbeitsalltag nur zu maximal 20% – und würde meinen Tagessatz von 750€ wohl auch nicht rechtfertigen.
Das teure ist eben die Konzeption und Umsetzung von Kampagnen und Bewegtbild.
Und nur so nebenbei: den ach so tollen Content muss auch jemand konzipieren, das machen wir Konzeptioner gern für unseren Tagessatz. Durchtexten kann ihn ja dann jemand anders ....

Anonymous User 25. Oktober 2016

@S.Wikens: Hornbach, wenn ich das schon höre... Dieser pseudophatetische Schwachsinn wird zwar in der Werbetexter Szene umtanzt wie das goldene Kalb, hat aber nichts zum Erfolg der Marke beigetragen. Hornbach hat Erfolg weil sie neben jeden Obi einen doppelt so grossen Hornbach gestellt haben, die hätten gar keine Werbung gebraucht, bei den Voraussetzungen... Und wenn ich Dove höre, dann wird mir schlecht. Was ist aus der großen Kunst der Werbelüge geworden. Es gab Zeiten, da suggerierten Werbetexter dem Kunden, das Produkt macht sie schön, erfolgreich, begehrenswert. Mit Dove bleibt man genauso hässlich und fett, wie man eh schon ist. Das ist der Niedergang der Branche und ein Beweis das selbst 10 euro zuviel Lohn für solche Texter ist.

Anonymous User 25. Oktober 2016

Lieber Wut-Kommentatoren,
wie kann man solch einem jämmerlichen Clickbait-Artikel auf den Leim gehen, der nur so vor irgendwelchen Behauptungen strotzt? Geschrieben von denselben Leuten, die verfrüht Jung von Matt als Sieger des Opel-Pitches ausgerufen haben.

Herr Kalka, ist das ein Test, um zu zeigen wie "Boulevard" ihr Blatt geworden ist? Oder wollen sie demonstrieren, dass die Leute dankend jeden Mist aufsaugen, den man ihnen vorwirft?

Anders kann ich mir diesen hahnebüchenen Artikel nicht erklären. Bitte erleuchten Sie uns.

Liebe Grüße
Mark

Anonymous User 25. Oktober 2016

Danke, S. Winkens. Mir wurde bei dem Kommentar, auf den Sie sich beziehen, gerade kurz etwas schwefelig im Herzen.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Aussage, ein Werbetexter hätte es nur nicht zum richtigen Journalisten geschafft, hanebüchen ist, bekleckert sich die schreibende Zunft auch in Medienhäusern nicht unbedingt immer mit Ruhm, geschweige denn, dass sie gut verdiente.
Da sind wir wohl alle gleich.

Anonymous User 24. Oktober 2016

@texterjoe: Vom Texten bzw. vom Texteralltag in großen internationalen Agenturen hast Du ganz offensichtlich nicht die geringste Ahnung. Denn der Texterveruf unterscheidet sich ganz maßgeblich vom Journalistenberuf dadurch, dass der Texter eben nicht nur schreibt, sondern im Zusammenspiel mit seinem Art-Partner auch große, tragfähige Kampagnenideen konzipiert. Eine große Kampagnenidee wie für Hornbach oder "Wahre Schönheit" für Dove kriegen Journalisten nicht hin.

Anonymous User 24. Oktober 2016

...(...)...es gibt nur EINEN der das WORT richtig /falsch um-g'setzt hat ! -GOTT!
über-legt doch 'mal " ERDE & HIMMEL" hat ER er-schaffen ! Den TEUFEL hat
zur ERDE g'schickt und über den HIMMEL traut sich keiner mehr her ! Es wäre
zu himmlisch , wenn's die KIRCHE irgendwie auf SCHIENE bringen könnt' !Aber leider ist dieses Bahn-system - "un-be-zahl-bar" g'worden ! A(u)CH ja , das GELD ! Da wird natürlich auch zwei-g'leisig g'wirt-schaft-et ! Wie es jedem
be-liebt ! Nur 'n JESUS er-wartet keiner mehr ! Was der "Zeit-Geist" alles ver-mag ? https://www.youtube.com/watch?v=qFsc9HLVDA8

Anonymous User 24. Oktober 2016

Unsinn. Gute Texter werden gut bezahlt - nicht nur für ihre Texte, auch für kreative Ideen. Das unterscheidet sie zu Recht von den schlechter bezahlten Contenttextern.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Danke Merkel, die bekommen alles reingeschoben, aber für unsere Texter ist kein Geld da. Armes Deutschland.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Bei den großen deutschen Tageszeitungen ist das Bezahlen nach Anschlägen für freie Journalisten gängige Praxis. Wieso dann nicht auch in der Werbebranche? Ist ein Werbetexter denn besser und klüger als ein Journalist, oder ist es nicht viel mehr so, dass es bei den meisten Werbetextern eben nicht zum Journalisten oder Schriftsteller gereicht hat und sie sich deswegen auf das jetzt wirklich nicht besonders anspruchsvolle Terrain der Werbetextung begeben. Klar, die Kollegen denken gross, in Kampagnen, über alle Kanäle... Und am Ende frisst der Schweini ne bifi oder die die jogurette schmeckt so himmlisch joghurtleicht... Alles klar, Leistung die honoriert werden will... Wieso zieht der Autor denn nicht einfach den naheliegendsten Schluss: Die Texter Leistung wird halt so schlecht bezahlt, weil's halt eben nicht unbedingt eine Leistung ist, die zum Beispiel nicht auch die Ehefrau oder Tochter vom Marketing Chef genauso hinbekommt... umsonst... Und mal ganz nebenbei gefragt, wieso ist aber die Ausbeutung eines Grafikers nachvollziehbar?

Anonymous User 24. Oktober 2016

Bin zwar kein Texter aber Fotograf, jedoch ist es 1:1 für beide Branchen. Die Wertschätzung für Fotograf und gleichzeitig die Bezahlung sind im Keller zu suchen. "Unsere Mitarbeiterin aus dem Frühstück hat zu Weihnachten eine DigiCam bekommen, Sie wird jetzt die Bilder mach (...) so oder so. Tja es darf nix kosten weil "Geiz ist Geil"... vor allem in Hamburg!

Anonymous User 24. Oktober 2016

"schwäbisch-schottisch"...

Gute Texte bedürfen gewöhnlich auch intensiver Recherche. Ein Schwabe zahlt gerne gut, wenn das Produkt wertig ist. Insofern würde ein Schwabe einen guten Text angemessen bezahlen. Schwaben und Schotten haben in Sachen Sparsamkeit wirklich nichts gemeinsam.

Das nur mal so nebenbei... wenn man als Texter schon Klischees bedienen muss, dann bitte die richtigen.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Schlimm! Mindesthohn für Wordoholics...

Anonymous User 24. Oktober 2016

Re: "Ein Profi mit 20 Jahren Agenturerfahrung sollte für eine große süddeutsche Automarke einen Tag lang durchtexten. 2000 Zeichen komplexe Zusammenhänge verständlich darstellen. Am Ende gab es dafür nicht einmal 10 (in Worten: zehn) Euro."

Warum kam das offenbar so überraschend? Hat der Profi mit 20 Jahren Agenturerfahrung nicht vorher verbindlich ein festes Honorar ausgemacht?

Anonymous User 24. Oktober 2016

"Es ist aber immer noch jedem selbst überlassen, für welchen Tagessatz, Bezahlung und/oder Kunden man arbeitet." (Sascha) Ein etwas naives Argument, meines Erachtens.

Ich habe als PR-Redakteurin in der Regel langfristige Kundenbeziehungen und rechne teils mit den Kunden selbst, teils über Agenturen ab. Wenn sich die Konstellationen zu meinen Ungunsten verändern, habe ich leider nicht die Kapazität, von jetzt auf gleich neue Kunden zu akquirieren.

Doctor Know bringt einen weiteren wichtigen Aspekt: Wenn man/frau nur für sich selbst verantwortlich ist, erhöht das die Risikofreudigkeit. Mir ist es zwar in den letzten Jahren recht gut gelungen, für meine Tochter und mich als Selbstständige zu sorgen, aber allzu sicher oder gar "am längeren Hebel" fühle ich mich keineswegs.

Ich rechne meine Leistungen in der Regel nach Stunden ab zu unterschiedlichen Sätzen. Im Laufe der Zeit kam immer mehr Werbetext dazu. Da ist es mir zwar, soweit ich mich entsinne, noch nie passiert, dass jemand zu mir gesagt hat: "So lange brauchen Sie für die paar Wörter?" Aber das liegt sicher auch daran, dass ich mich vorher selbstkritisch frage, was ich realistisch abrechnen kann (wahrscheinlich eher defensiv als offensiv).

"Wer sich als Texter zu Wortpreisen verdingt ist genau so wenig ernst zu nehmen wie jemand der Malen nach Zahlen betreibt und glaubt, er wäre ein großer Künstler." Das finde ich ehrlich gesagt etwas lustig. Bei allem, was ich schreibe und konzipiere, weiß ich, dass es sich um Gebrauchstexte handelt. Über manche Ideen freuen sich die Kunden, andere fallen ihrem weit verbreiteten "Malen nach Zahlen"-Geschmack zum Opfer. Damit kann ich gut leben (die abgelehnten Ideen werden trotzdem bezahlt).

Wenn Freelancer schreibt, er rechnet 750 Euro pro Tag ab, gönne ich ihm das von Herzen. Meine Realität ist es nicht und ich vermute, dass es den einen oder die andere gibt, bei dem/der es zwar irgendwie läuft - aber eben anders.

Anonymous User 24. Oktober 2016

OMG! Echte Werbetexte sind etwas ganz anderes als SEO-Content. Als Texterin und Übersetzerin fällt den Kunden oft die Unterscheidung schwer, ob es sich nun um einen Text oder eine Übersetzung handelt - dabei möchte ich aber eigentlich immer mein ganzes Know-how einsetzen, dass dann aber auch entsprechend entlohnt werden sollte. Und weil bei Übersetzungen traditionell pro Wort bezahlt wird, entsteht die absurde Situation, dass ich in solchen Fällen nicht auf dem Level arbeite, das ich eigentlich bieten könnte. Weil ganz einfach der Preis nicht stimmt und auch, weil kreative Ansätze von der Checking-Software der Übersetzungsagenturen regelmäßig als "Fehler" markiert werden. Ein Hoch auf Kunden (und Agenturen), die Wert auf Qualität und Kreativität legen - auch bei Übersetzungen. Bitte mehr davon ...

Anonymous User 24. Oktober 2016

Selten so einen Unsinn gelesen. Die Agenturen zahlen Tagessätze und sonst nix. Und zwar die, die angemessen sind. Passt also alles bestens für uns freie Texter in der Werbebranche.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Ich rechne anders: 750–850€ pro Tag (nicht Wort).

Läuft. Danke

Anonymous User 24. Oktober 2016

Liebe Nadia, liebe Kollegen,

ich freue mich für alle Mitstreiter fürs Gute, Wahre und Schöne, die mit oldschooligen Projekten wie "Filme und Kampagnen" schreiben noch oldschoolige Tagessätze einfahren – top! Aber sobald man das Thema Content auf dem Tisch hat, befinden sich die Budgets im freien Fall und ganz schnell heißt es: Wie wäre es mit Wortpreisen oder (Zitat) "Das Pricing hatten wir uns anders vorgestellt." Deshalb finde ich den Artikel richtig und wichtig und super liebe W&V Redaktion, dass der Lichtkegel Eurer Themen mal auf diese schlimme Entwicklung fällt. Maiskolben auf die Faust anybody? Lasst uns geil und teuer bleiben!

Euer Howard.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Ogilvy soll mal gesagt haben: "Es sind die Texter, die goldene Eier legen". Text ist heute Content. Die Menge macht's. Und wenn die Agenturen nach Menge einkaufen und die Preise drücken, verhalten sie sich exakt so, wie die oft geschmähten Kunden, die bei den Agenturen die Schrauben ansetzen.
Im übrigen pflichte ich den Profis unter den Kommentatoren zu, die sich auf solche Art Geschäft erst gar nicht einlassen. Ein guter Text sagt mehr als tausend Wörter!

Anonymous User 24. Oktober 2016

Das Problem ist, dass in zig "Texterschulen", "Texterakademien" und wie sie sonst noch heißen, immer neuesog. Texter auf den Markt geworfen werden, die, ohne Agenturerfahrung, teilweise für 20 Euro die Stunde arbeiten.
Desweiteren ist der Begriff "Texter" ja nicht geschützt. Texter kann sich jeder nennen, der halbwegs unfallfrei eine Tastatur bedienen kann und schon immer etwa für die Familie die Einladungskarten getextet hat.
Ich selbst bin freier Texter und Konzeptioner, was bedeutet, dass ich auch eher in Kampagnen, Filmen, Funkspotz oder Anzeigen u. Plakaten denke.
Leider wird aber auch auf diesem Feld immer öfter versucht, den Preis zu drücken. Wo ich noch vor 8 Jahren 5 Jobs im Monat brauchte, um über die Runden zu kommen, brauche ich heute ca. 15 Aufträge. Hochwertige Arbeit wird heute nicht mehr Wertgeschätzt. Es kommen auch immer mehr Anfragen für SEO-Texte, die ich teilweise für einen Hungerlohn machen soll. Bisher habe ich den ganzen Mist abgelehnt.
Ich überlege mir allerdings immer öfter, mir einen festen Texter-/Konzeptioner-Job in einer Agentur zu suchen.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Ich lasse solche unmoralischen Angebote links liegen und arbeite lieber ab und zu noch als Türsteher für 15 Euro die Stunde - weil es Spaß macht.

Wer sich als Texter zu Wortpreisen verdingt ist genau so wenig ernst zu nehmen wie jemand der Malen nach Zahlen betreibt und glaubt, er wäre ein großer Künstler.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Das gleiche passiert in allen Bereichen heutzutage. Halbwegs professionelle Webseiten oder Apps kann heute auch jeder schnell zusammenklicken und Logos gibt es online für unter 100€…Das ist doch kein Texterproblem.

Es ist aber immer noch jedem selbst überlassen, für welchen Tagessatz, Bezahlung und/oder Kunden man arbeitet.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Ich bin seit drei Jahren Freelancer (Creative Director Text) und es wurden ausschließlich Tagessätze gezahlt. Die sind bei allen Werbetextern ähnlich und bisher hat noch keine Agentur versucht die Preise unverhältnismäßig zu drücken. Ich kenne auch keinen Freelancer, der sich weit unter Wert verkaufen würde. Unfaires Preisdumping ist also von vornherein aussichtslos. Und ich hoffe, das bleibt auch so.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Schwachsinn! Freier Texter arbeiten nach Tagessätzen und die sind hoch stabil und mehr als ausreichend. Ich kenne auch keinen Kollegen, der das anders macht.

Es gibt diese Texter, die für Wortpreise schreiben. Aber das sind ungelernte Hobbytexter und Redakteure, die Webseiten und Kataloge beschriften.

Texter, die sich Kampagnen ausdenken und Filme schreiben, werden zum Glück sehr gut bezahlt.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Geht gar nicht! Schämt euch Menschen, gute Menschen so auszubeuten.

Anonymous User 24. Oktober 2016

Echt mies und unfassbar!

Gerade Texter sind so wichtig.

Aber das Thema zieht sich leider durch die Branche.

Fragt mal Kameraleute, was sie verdienen. Die werden gedumpt durch irgendwelche Kids, die mit der HD-Spiegelreflex rumfilmen. Filmen kann heutzutage jeder, und offenbar ist den Entscheidern dann auch egal, dass die Qualität dann am Ende fürs Gesäß ist. Hauptsache billig.

Solche Jobs kann man sich heute nur noch leisten, wenn der Partner ordentlich verdient. Falls nicht, tja, was dann?

Schlimm!

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