Scholz & Friends, Zum goldenen Hirschen :
365 Tage Trump-Fiction

Ein Jahr nach Amtsantritt des US-Präsidenten Donald Trump bereitet der Tagesspiegel seine Faktensuche mithilfe von S&F kreativ auf. Und die Hirschen veröffentlichen eine Streitschrift.

Text: Susanne Herrmann

Handwerklich gesehen ein Kunstwerk von Daniela Leitner und Scholz & Friends: die Skulptur zu Trump-Fiction.
Handwerklich gesehen ein Kunstwerk von Daniela Leitner und Scholz & Friends: die Skulptur zu Trump-Fiction.

Donald "Fake News" Trump ist seit einem Jahr Präsident der USA. In diesen 365 Tagen (heute 367) führte er eine Privatfehde gegen die Berichterstattung der Medien und log mehr als 2000-mal in seinen Tweets.

Für Medien und Werbeagenturen auch in Deutschland bot der Jahrestag Anlass, sich mit Wahrheit und unabhängiger Berichterstattung zu befassen. Und für uns deshalb, zwei Trump-Projekte zur Kreation des Tages zu küren.

Tagesspiegel und Scholz & Friends

Als Hauptstadtzeitung hat sich der Tagesspiegel (DvH Medien GmbH) die vergangenen 365 Tage mit dem Präsidenten und den von ihm verbreiteten Unwahrheiten befasst und deren Wahrheitsgehalt überprüft. Nun hat die Tageszeitung gemeinsam mit der Kreativagentur Scholz & Friends diese Spurensuche nachzuvollziehbar gemacht. Dabei hilft eine digitale Statue aus 80 Kilogramm Papier. 

Nach einem Konzept der Agentur hat die Designerin und Papierkünstlerin Daniela Leitner aus Wien die Büste "Trump 365" aus über 100 gedruckten Tagesspiegel-Zeitungstexten über den US-Präsidenten geformt. Die wurde digitalisiert und gemeinsam mit dem Entwickler Stefan Kernjak online interaktiv und in 3D erlebbar gemacht.

365 Tage in 360 Grad: Die Statue lässt sich drehen und anklicken. Dann kommt ein Tagesspiegel-Text über Donald Trump. So sollen sich die Leser durch das erste Amtsjahr von Trump navigieren und überprüfen: Was ist Trumps Fiktion - und was sind die Fakten. Die Skulptur spricht auch - im O-Ton. "Formal spannend", sagt Robert Krause, Managing Creative Director und Geschäftsführer bei Scholz & Friends, "ist das Aufeinandertreffen von analoger und digitaler Zeitungswelt in einer interaktiven Skulptur aus Zeitungspapier." Da hat er Recht.

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Florian Kranefuß, Sprecher der Geschäftsführung Tagesspiegel: "Die Präsidentschaft von Donald Trump ist für die freie Presse eine große Herausforderung. Unsere Antwort auf seine Halb- und Unwahrheiten und die ständige Diffamierung unabhängiger Medien sind gründliche Berichte." Den Anspruch einer sachlichen, kritischen und gründlichen Politikberichterstattung unterstreiche das neu geschaffene Archiv.

Die Trump-Büste des Tagesspiegel.

Die Streitschrift der Hirschen

Die Kreativagentur Zum goldenen Hirschen zieht ebenfalls Bilanz - eines Jahres, in dem der US-Präsident "Politik als Provokation und eine eigene Wahrheit als Mittel zum Zweck" eingesetzt hat. Doch wie die Werber richtig feststellen: Lügen, vor allemim Netz, gibt es nicht erst seit Trump. "Ein Mann wie er kann nicht allein die Menschheit verblöden", teilen die Kreativen mit. Dazu brauche es Medien, Multiplikatoren und Kommunikatoren.

Und also solche erklären die Hirschen der Lüge den Krieg. Mit einer 12-seitigen Streitschrift unter dem Titel "Alles Lüge" setzt sich das Agenturteam mit der Bedeutung und dem Umgang von Wahrheit in der Kommunikationsbranche auseinander. Gegen den Verlust an Glaubwürdigkeit wollen die Hirschen Vertrauen setzen. "Unser Serum gegen die Lüge heißt: Radikale Relevanz!", postulieren die Hirschen-Gründer Marcel Loko und Bernd Heusinger.

Nun steht aber ja die ausgerechnet die Werbebranche in dem Ruf für ihre Kundschaft mit der Wahrheit sehr frei umzugehen. Wie lösen die Hirschen diesen vermeintlichen Widerspruch auf? Marcel Loko sieht keinen. Denn die Streitschrift "ist eine Aufforderung, immer möglichst nah an der Wahrheit zu bleiben", sagt der Hirschen-Gründer und Co-CEO. "Außerdem: Ich kann mich in 22 Jahren Zum goldenen Hirschen nicht an einen Kunden erinnern, bei dem wir mit der Unwahrheit gespielt haben oder sogar vorsätzlich gelogen hätten. Davon hätten wir immer und werden wir immer abraten."

"In 'Alles Lüge' geht es darum, wie Kommunikationsprofis mit Marken, Oberflächen und Glaubwürdigkeit in Zeiten der Lüge umgehen. Authentizität, Unterhaltung und Emotionalisierung der Inhalte als kluge Strategie im Zeitalter von Fake News und Fake Content. Mehr denn je müssen Unternehmen und Kunden heute eine Haltung zu den gesellschaftlich relevanten Themen haben sowie auf Ehrlichkeit und Transparenz in der politischen Kommunikation setzen", sagen die denn auch Hirschen. Dazu passt die Erkenntnis von Loko: "Der Volksmund hat ja recht: Lügen haben kurze Beine. Diese Wahrheit scheint in letzter Zeit verloren gegangen zu sein."

Und das muss wieder anders werden.

Themen im Blatt sind unter anderem "Warum lügt der Mensch?", ein Überblick über Lügen aus 2000 Jahren, sprachliche Verschleierungen - nicht zuletzt in PR und Werbung - Zitate und eine Schlussfolgerung.

"Schweig, wenn du nichts zu sagen hast, und rede erst wieder, wenn du eine Botschaft hast, die von Interesse ist."

"Alles Lüge": Die Agenturgruppe Zum goldenen Hirschen mit einer Streitschrift nach einem Jahr Trump.

"Alles Lüge": Die Agenturgruppe Zum goldenen Hirschen mit einer Streitschrift nach einem Jahr Trump.

                                                                                                                                                                                                                             10.000 Exemplare der Streitschrift werden an den Agenturstandorten in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart, München und Wien verteilt. Die Inhalte sind zudem online verfügbar.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.