Aegis :
Aleksander Ruzicka ist wieder frei

Neustart für Aleksander Ruzicka: Der frühere Aegis-Chef ist nach achteinhalb Jahren Haft wieder auf freiem Fuß. W&V hat mit ihm gesprochen.

Text: Jochen Kalka

Ausgerechnet am 1. April kam die Nachricht der vorzeitigen Entlassung. Natürlich hielt es der einstige Media-Manager Aleksander Ruzicka für einen Aprilscherz, zumal seine Hoffnung auf eine Haftverkürzung schon so oft enttäuscht wurde. Jetzt ist er frei und schaut, wie er gegenüber W&V sagt, "wieder nach vorne".

Wie Ruzicka beruflich weitermachen will, möchte er noch nicht verraten. Zunächst steht das Private im Mittelpunkt. Darum möchte er jetzt eines öffentlich machen: Dass seine Beziehung mit seinem Lebenspartner Thomas über all die Zeit gehalten hat. Sie sei noch enger geworden. Im Juni feiert er den 27. Jahrestag. "Materielle Dinge sind ersetzbar", sagt Ruzicka, der aufgrund seines opulenten Lebensstils gerne als Sonnenkönig der Werbebranche bezeichnet wurde, "doch Beziehungen sind das Wichtigste."

Es war der wohl aufregendste Fall, den die Mediabranche je erlebt hatte. Von "Skandal", "Betrug" und "Affäre" war damals, im Jahr 2006, die Rede. Aleksander Ruzicka war Deutschland- und Zentraleuropachef von Aegis Media. Er soll das Unternehmen um gut 35 Millionen Euro geprellt haben, dafür wurde er im Jahr 2009 verurteilt - zu einer Haftstrafe von elf Jahren und drei Monaten.

Immer wieder kam es zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen Ruzicka und seinem ehemaligen Arbeitgeber. So hatte Ruzicka das Haus Aegis auf eine angeblich vereinbarte Abfindung von gut 89 Millionen Euro verklagt. Den vorgelegten Vertrag hielt die Staatsanwaltschaft für gefälscht, doch eine vom Gericht beauftragte Gutachterin konnte zu keiner Klärung beitragen. Jedenfalls wurde Aleksander Ruzicka erst im Februar dieses Jahres vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs freigesprochen.

Dieser jüngste Freispruch könnte dazu beigetragen haben, dass Ruzicka nun doch so früh auf freien Fuß gekommen ist. Mehr als zwei Drittel seiner Haftzeit hat er in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt mit höchster Sicherheitsstufe verbüßt. Dort war er übrigens als Chefredakteur der Zeitung "gerecht?" tätig.


Autor:

Jochen Kalka, Chefredakteur
Jochen Kalka

ist jok. Und schon so lange Chefredakteur, dass er über fast jede Persönlichkeit der Branche eine Geschichte erzählen könnte. So drängt es ihn, stets selbst zu schreiben. Auf allen Kanälen.