Creative Day Challenge :
Artdeco Cosmetic: Ein Tag, eine Aufgabe, ein Pitch

Bei der Creative Day Challenge werden ausgewählte Junioren aus verschiedenen Agenturen zusammengewürfelt. Ihre Aufgabe: Ein Online-Konzept für Artdeco Cosmetic. W&V-Redakteurin Nadia Riaz war dabei. 

Text: Nadia Riaz

Die Eingangshalle von Artdeco Cosmetic in Karlsfeld ist geschmückt mit Looks aus letzten Jahrzehnten
Die Eingangshalle von Artdeco Cosmetic in Karlsfeld ist geschmückt mit Looks aus letzten Jahrzehnten

Was passiert, wenn man mehrere kreative Junioren aus verschiedenen Agenturen für einen Tag herausnimmt und zusammensteckt? Es entstehen viele bunte, einfallsreiche und vor allem wirklich gute Ideen.

Der CommClubs Bayern organisierte mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien am vergangenen Wochenende den Creative Day Challenge. Der Kunde war Artdeco Cosmetic in Karlsfeld. Die Mission: Gemeinsam mit anderen Kreativschaffenden aus bayerischen Agenturen ein neues Konzept für den Online-Shop der Beauty-Marke ausdenken. Damit bekamen die Junioren die Chance, ein Pitch-Prozess innerhalb eines Tages zu durchlaufen, in der Projektarbeit neue Perspektiven kennenzulernen und zu erfahren, wie Kreative bei etablierten Unternehmen in Innovationsprozesse eingebunden werden.

Insgesamt nahmen 12 Kreative teil. Sie kamen aus den Agenturen Thjnk, Serviceplan, Heye, Pilot und Weber Shadwick. Jede Gruppe bekam zwei Coaches, die bei der Umsetzung des Pitches zur Seite standen. Das waren sechs Experten von PR- und Kreativagenturen: Mateus Vilela (Heye), Olaf Pempel (Weber Shandwick), Jürgen Lorenz (Crosssale GmbH), Janne Sachse (Thjnk), Friedericke Fröhlich (Serviceplan) und Stefan Groner (Looxroom).

Das Briefing

Artdeco verfasste drei Ziele, mit denen der Konzern mehr Reichweite bekommen soll. Zum einen geht es um "mobile first". Nutzer sollen die Marke als erlebbares Markenhaus wahrnehmen, der Online-Auftritt muss entsprechend verbessert werden. Außerdem soll der Shop künftig besonders kundenorientiert sein und individuelle Ansprüche der User erfüllen. Die Vision lautet hier: Der Shop soll irgendwann individualisierbar sein mit etwa personalisierten Empfehlungen. Und als letztes steht die Internationalisierung an, der Shop braucht also eine klare internationale Struktur.

Um die Ziele zu realisieren, kamen die Junioren bei der Creative Day Challenge ins Spiel. Das konkrete Briefing lautete: Welche Erwartungen hat die (potentielle) Artdeco-Kundin an einen Online Shop? Insbesondere im Vergleich zu anderen Plattformen wie Amazon oder Douglas. Zudem: Welche (kreativen Features sollte die neue Artdeco-Website zur Differenzierung aufweisen, um Kundinnen zu informieren und zum Kauf anzuregen?

Der Startschuss fiel und die Gruppen hatten vier Stunden Zeit, ihren Pitch vorzubereiten.

Hier sind einige Eindrücke:

Kreativität verbindet Werber

Bunte Post-its, Flipcharts, Power Point Präsentation: Die Workingsession lief fast genauso ab, wie es auch bei einem echten Kunden der Fall sein würde. Wobei man hier sagen muss, dass das Projekt von Artdeco tatsächlich besteht und die Ideen mancher Junioren möglicherweise mit integriert werden.

In der Gruppe von Olaf Pempel, Managing Director bei Weber Shandwick, und Janne Sachse, Creativ Director bei Thjnk, sprühten die Teilnehmer vor Ideen. Warum sollte jemand über den Artdeco-Shop Produkte kaufen, wenn es die etwa auf Amazon manchmal günstiger gibt? Extra-Features müssen her, mehr Schminktipps, vielleicht ein Extra-Produkt bei jedem Kauf mit dazu. Den Ideen waren keine Grenzen gesetzt.

Ob das im Alltag eines Werbers auch so läuft? Ja, fast. "Normalerweise läuft alles aber viel schneller ab", sagt Pempel. "Schneller und mit mehr Analysen, man geht tiefer an die Sache ran." Und Sachse fügt hinzu: "Normalerweise sind die Gruppen viel kleiner, maximal drei." Wie auch immer: Den Junioren hat es einen Einblick gegeben, wie die Vorbereitung und vor allem die Präsentation eines Pitches aussehen kann. Mit den Coaches an ihrer Seite gab es konkrete Anweisungen, etwa das Briefing genau durchzulesen und sich stets daran zu orientieren. Nicht zu viel brainstormen. Die Websites der Wettbewerben anschauen. Was machen die anders? In erster Linie sollten die Teilnehmer den Pitch-Prozess einmal durchlaufen und es geht auch viel um Networking.

Viele Junioren haben selbst bisher in der Agentur nicht wirklich aktiv bei einem Pitch mitgemacht - jedenfalls nicht bei den Präsentationen. Bei der Creative Day Challenge stellten sie ihre Ideen der Artdeco-Jury vor, darunter Anna Blasco-Salvat (Vice President Marketing) und Petra Gerber (Head of digital).

Letztlich gewann die Gruppe, die sich Features ausgedacht hatte, die Artdeco tatsächlich umsetzen kann und vielleicht auch wird. Da gab es zum Beispiel die Idee, dass man eine Beauty Week im Rahmen der Fashion Week online veranstaltet, in der man Tipps und Tricks zu verschiedenen Looks findet.

"Marken haben viele Geschichten"

Ziel der vom CommClubs Bayern mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien initiierten Challenge ist es, jungen bayerischen Kreativen aus allen Disziplinen Gelegenheit zu geben, an konkreten Aufgabenstellungen eines bayerischen, namhaften, inhabergeführten Unternehmens zu arbeiten. Neben Artdeco nahm auch die Uvex Winter Holding an der Creative Day Challenge vor einigen Monaten in Nürnberg teil. "Wir wollen die Zusammenarbeit zwischen Kreativen fördern und zeigen, wie facettenreich der Standort Bayern ist", sagt Petra Lorenz, Geschäftsführerin von Commclubs Bayern.

Ganz unter dem Motto: Wenn unterschiedliche Menschen zusammenkommen, ist es plötzlich egal ob man Kreativer, Berater, Stratege, Planner oder Kontakter ist. Wenn Bunt das neue Schwarz ist und wilden und verrückten Gedanken freien Lauf gelassen wird, dann entsteht etwas Neues und nur dann wird Veränderung möglich.


Autor:

Nadia Riaz

Nadia Riaz ist seit Juni 2017 bei W&V und Kontakter. Vorher studierte sie Kommunikationswissenschaft, Europäische Ethnologie und Kunstgeschichte an der Universität Bamberg. Interessiert sich vor allem für Agenturthemen und kreative Kampagnen. In der Freizeit liest sie am liebsten ganz viele Bücher.