Cannes-Blog mit Oscar Meixner: "Hello, Mr. President"

Als wenn es für Oscar Meixner nicht schon aufregend genug wäre zum ersten Mal Juror zu sein, hat sich nun auch noch Bill Clinton in Cannes angekündigt. Allerdings ist Meixner nicht der einzige, der den Ex-Präsidenten mal live erleben will. Mit welchen Tricks er es schafft, sich bei dem Event einzuschleichen, lesen Sie in seinem Blog.

Text: Uli Busch

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Als wenn es für Oscar Meixner nicht schon aufregend genug wäre, zum ersten Mal Juror zu sein - am Donnerstag hatte sich auch noch Bill Clinton in Cannes angekündigt. Allerdings ist Meixner nicht der einzige, der den Ex-Präsidenten mal live erleben will. Mit welchen Tricks er es schafft, sich bei dem Event einzuschleichen, lesen Sie in seinem Blog.

Der Tag beginnt mit einem wabbeligen Croissant, wabbeligem Rührei, und wabbeligen Oberkellnern, die mich ganz wabbelig machen. Schließlich war gestern Party und dementsprechend fährt mein Schädel noch eine weitere Runde Achterbahn, während ich versuche, das Gewabbel möglichst zielgenau in den Mund einzuführen. Nicht, dass nur meine Jury-Freunde abgereist sind, nein - auch der Kurschatten hat mich verlassen. Einfach so. Traurig. Kaum ist die Juryarbeit beendet, ist der Lack ab. Umso schlimmer, dass ich auch noch das Quartier wechseln muss.

Statt Luxushotel jetzt 3.Stock bruchbuden-mäßig abgewohnte Apartmentanlage irgendwo im Nachbarort. Während ich mich melancholisch unter Dauerbeaufsichtigung der wabbeligen Oberkellner an einem Joghurt zu schaffen mache, kommt mir der Gedanke mal im Palais zu einem Event vorbeizuschauen. Da hing doch ein Plakat von Bill Clinton, ja, - der Bill Clinton, der allen auf der Welt erklärt hat, das Oralsex gar kein Sex ist. Den guck ich mir doch mal an. Der ist mir sympathisch.

Ein paar Stunden später. Die extrem lange Warteschlange ist weniger sympathisch. Because of the President is the whole Palais du Festival totally gesperrt. Ca.1.400 Leute warten auf Einlass. Nee, das kann's nicht sein. Während ich hilflos auf die Schlange starre, kommt mir der Zufall zur Hilfe. Katrin, Jury-Kollegin aus der Design-Jury, kreuzt meinen Weg. Wir beschließen, das Palais in bester Jack Bauer-Manier agenten-technisch einzunehmen. Das Ziel lautet: Lieferanteneingang. Den kennen wir ungefähr bereits von den Preisverleihungen. Den Jury-Ausweis haben wir noch umbaumeln, als Tarnung. Ein Versuch schadet ja nicht. Das Herz bubbert, der Eingang naht. Ein paar Leute wurschteln mit irgendwas rum. Sieht so aus, als wenn sie einen Rollator zusammenbauen. Ob der vielleicht für Clinton ist? Die Stimmung ist angespannt. Schritte hallen durch das Palais. Jetzt bloß nix falsch machen. Werden wir von Maschinengewehr-Salven durchsiebt? Wird uns ein Apatche'-Hubschrauber angreifen? Oder wird man uns womöglich in einen Nachbarraum zerren, wo man stundenlang mit schlechten Werbespots gefoltert wird?

Wir entscheiden uns für die selbstbewusste Tour. Einfach mit forschem Schritt durch's Tor rein da! Dabei eine schön laute Unterhaltung. So wie wir aussehen (nämlich wie irgendwelche Kreativ-Honks), könnte das klappen. Es klappt, wir sind drin. Jetzt schnell links rum. Scheiße - Secret-Service-Mann! Typ Silvester Stallone. Er starrt auf seine Schuhe. Zum Glück hat er auch den IQ von Sylvester Stallone. Einfach laut weiterlabern. Passed! Jetzt rechts....immer schön laut weiterlabern, dumm...di....dumm....irgendwelchen Käse, Hauptsache selbstbewusst....... uppps......zweiter Secret-Service-Typ......."wie war das Seminar gestern, blablabla"......ja...immer schön laut......Passed..... jetzt schnell die Treppe rauf!

Das ist sie: Die Tür zum leergeräumten Auditorium. Wir pirschen uns durch die Halle und setzen uns unverblümt in Reihe 6. Mitten in den Sponsoren-Block von ABC. Die bezahlen das alles. Klasse hier. Schöne Sessel. Zum Glück hab ich auch meine komplette Hobby-Fotoausrüstung dabei. Gute Aussicht hier. Gibt's auch was zu trinken umsonst? Ein paar Techniker schleppen ächzend zwei Sessel auf die Bühne. Eine 12m lange Canneslions-Pappdeko wird reingerollt. Der komplette Sponsoren-Trupp rückt an. Zwei Reihen vor mir: Werberlegende Dan Wieden. Rechts drei Reihen weiter: Smokey Robinson. Oh, da kommt jemand auf uns zu. Jaaaa...der Platz neben uns ist noch frei. Bitteschön.Der komplette Saal ist jetzt voll. Licht aus. 1400 Menschen starren auf die Bühne. Licht an: Jubel brandet auf. Standing Ovations - Bill Clinton betritt mit einem weltmännischen Lächeln das Podium.

PS.: Der Rollator gehörte Smokey Robinson.

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