Cannes Blog: Warum Oscar Meixner einen Monaco-Millionär aus der Limousine schmiss

Die Premiere in Cannes hat sich unser Blogger Oscar Meixner etwas anders vorgestellt: Am Flughafen in Nizza rauscht seine Limousine mit dem falschen Oscar davon. Doch Meixner erkämpft sich die VIP-Kutsche zurück und stellt jetzt schon fest: "Irgendwie macht Cannes richtig Spaß."

Text: Frauke Schobelt

18. Jun. 2012

Radio-Juror und Cannes-Blogger Oscar Meixner hat es bis nach Cannes geschafft. Obwohl das gar nicht so einfach war, denn am Flughafen in Nizza wurde ihm die VIP-Limousine vor der Nase weggeschnappt. Wie es Meixner doch noch geschafft hat, standesgemäß in Cannes vorzufahren und warum er dabei einen traurigen Millionär zurückließ, lesen Sie hier:

"Der Flieger ist gelandet..." ...was nach ein Codewort aus einem alten Agentenfilm klingt, besagt nichts anderes als: ich bin in Nizza angekommen und halte nach den Shuttle-Service Ausschau. Und sehe: - Erstmal nichts. Kein Pappschild, keine Hostess, kein Steward! Stattdessen eine Horde wildgewordener russischer Rentner in pastellfarbenen Poloshirts. Einen schwarzen 600er Mercedes hätte ich mindestens erwartet. - Nun, es gibt ihn auch. - Nur ist er leider momentan mit einem falschen Oscar auf dem Weg nach Monaco. Wie sich an der Info herausstellt, hat der Fahrer aus Versehen einen dickbäuchigen Millionärs-Typen samt Gattin mitgenommen, der ebenfalls Oscar heißt und kurz vorher angekommen ist. Ich fühle mich geschmeichelt. Mittlerweile ist auch die flinke Festival-Repräsentanz erschienen, der Fahrer wird per Funk sofort angewiesen umzudrehen. Klappt doch!

15 Minuten später rauscht die Limousine auf den Parkplatz. Der 600er Mercedes. In schwarz. Mit großen Canneslions-Lettern auf der Fahrertür. Meine Augen glänzen. Ich bin begeistert.  Der dickbäuchige Glatzkopf ist scheinbar weniger begeistert; schließlich hat er schon mein "Welcome-Package" mit sämtlichen Party-Einlassbändern und Jury-Infos aufgerissen und muss sich flugs schnaufend mit seiner irritierten Gattin wieder aus dem komfortablen Fond herausschälen. "Irgendwie macht Cannes richtig Spaß" denke ich bei der Abfahrt. Eine Louis de Funes-mäßige Vollgasfahrt zum Hotel über staubige Straßen, in denen ein mediteraner Fischlieferwagen  in die Quere kommt, knapp umfahren wird, und von dem unter lautem Gejohle der Anwohner eine Kiste mit frischen Fischen auf die Fahrbahn purzelt, wurde mir leider verwehrt.

Etwas später am Abend geleitet mich der sympathische Werbe-Kurschatten dann zum exklusiven Juroren-Dinner ins Carlton-Restaurant. Endlich Gelegenheit meine Jury-Kollegen aus aller Welt kennenzulernen. Man ist schnell auf einer Wellenlänge, es wird in diversen Sprachen geplauscht und alles ist fantastisch organisiert. Chairman Terry Savage ist auch da. CEO Phil Thomas hält eine glänzende Ansprache. Und nebenbei erfährt man auch Dinge, die man sonst eher nicht erfahren würde, z.B. von meinem indischen Jury-Kollegen. Wie funktioniert Radio-Werbung für eine Zielgruppe von mehr als eine Milliarde Menschen? Mediabuchung? Sprachbarierren? Am Ende falle ich leicht angeschwippst, aber mit neuen Erkenntnissen ins Bett. Mein Blick schweift ein letztes Mal auf das Zimmer-Preisschild an der Tür. 1180 Euro die Nacht. Schon irgendwie abgefahren hier - in Cannes.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



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