Mediaagenturen :
Crossmedia tritt weltweit an

Der Düsseldorfer Media-Indie Crossmedia wagt den Schritt ins internationale Geschäft. Die Agentur will mit ihrem Transparenz-Modell auch "global eine Alternative" werden.

Text: Thomas Nötting

Tony Williams (links) und Martin Albrecht sollen die Düsseldorfer Agentur Crossmedia aufs internationale Parkett führen.
Tony Williams (links) und Martin Albrecht sollen die Düsseldorfer Agentur Crossmedia aufs internationale Parkett führen.

Die Düsseldorfer Agentur Crossmedia weitet ihr Geschäft international aus. „Wir haben den Anspruch, auch global eine Alternative zu den großen Networks zu sein“, erklärt Geschäftsführer Martin Albrecht gegenüber W&V. Die unabhängige Mediaagentur hat dafür ein Büro in London eröffnet. Mit dem Ferienwohnungs-Portal Homeaway gibt es bereits einen Startkunden, der weltweit von Crossmedia betreut wird.

Die unabhängige Mediaagentur-Gruppe positioniert sich im Heimatmarkt Deutschland bereits seit vielen Jahren als transparente Alternative zu den großen Werbekonzernen. Crossmedia verzichtet völlig auf umstrittene Kickbacks und andere verdeckte Einnahmen durch Vermarkter zu Lasten der Werbekunden. Dies belegt die Agentur gegenüber ihren Klienten auch durch unabhängige Wirtschaftsprüfer – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Mediaagenturlandschaft.

"Keine Pakete, die wir unter die Leute bringen müssen"

Für seinen Anti-Kickback-Kurs sieht Agenturchef Markus Biermann nun auch international einen gewachsenen Bedarf. „Die Zeit dafür ist bereit“, sagt der Crossmedia-Gründer. „Es gibt weltweit viele Kunden, die wirklich neutral und unabhängig beraten werden wollen.“ Biermann: „Im Unterschied zu anderen Agenturen basiert unser gesamtes Geschäftsmodell auf Neutralität. Wir haben systemimmanent keine Hürden und keine Pakete einkauft, die wir unter die Leute bringen müssen.“

Zu dem Schritt ermutigt haben die Düsseldorfer Agentur die jüngsten Branchen-Debatten in den USA und in Großbritannien. Vor allem im weltweit größten Werbemarkt ist das Thema hochaktuell. Der amerikanische Werbekundenverband ANA veröffentlichte 2016 einen viel beachteten Report über verdeckte Rabatt-Praktiken von Mediaagenturen. „In Deutschland unterschätzt man den Druck, der global vom Thema Transparenz ausgeht“, sagt Crossmedia-Geschäftsführer Albrecht, der als CEO der neu gegründeten Crossmedia Worldwide vorsteht. „Hierzulande wird darüber seit über zehn Jahren geredet. Aber in westlichen Media-Welt ist Transparenz derzeit das größte Thema überhaupt.“

Crossmedia jagt Blue449 Homeaway-Etat ab

Das neue Büro in der weltweiten Media-Hauptstadt London soll der Nukleus der weltweiten Expansion werden. Geleitet wird es von dem Briten Tony Williams, der zuletzt für den Konkurrenten OMD Kunden wie Google und Uber betreut hatte. Der Londoner Ableger soll auf Kapazitäten der Düsseldorfer Zentrale sowie der Büros in den USA zugreifen. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine neu gegründete elfköpfige Abteilung für internationale Mediaplanung namens "The Hub" am Stammsitz in Düsseldorf.

Für den Startkunden Homeaway betreut Crossmedia weltweit Mediaeinkauf und Planung. Der zum Online-Reisekonzern Expedia gehörende Vermittler von Ferienwohnungen firmiert im deutschsprachigen Raum unter dem Namen Fewo Direkt. Den Etat hatte zuvor die Publicis-Neugründung Blue449 inne.

Einen ersten Schritt auf das internationale Parkett hatte Crossmedia bereits vor 17 Jahren mit der Gründung einer USA-Präsenz getan. Dort betreut die Agentur unter anderem den Versicherer The Hartford und den Autovermieter Hertz. "Mit dem Büro in London ist Crossmedia nun in drei der fünf weltgrößten Mediamärkte vertreten", sagt Albrecht. Perspektivisch seien auch weitere Niederlassungen, etwa in Asien, vorstellbar.

Crossmedia ist die drittgrößte unabhängige Mediaagentur in Deutschland. In der letzten Recma-Rangliste firmierte sie mit jährlichen Billings in Höhe von 423 Mio. Euro auf Rang 15 der größten Mediaagenturen. Zu den wichtigsten Kunden gehören die Händler Lidl und Tamaris.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.