Ich hatte mir eine Agentin gesucht, die hat das Projekt dann bei der Buchmesse in Frankfurt vorgestellt hatte. Dass Anton gleich bei Oetinger einziehen konnte, war natürlich ein echter Glücksfall. "Anton hat Zeit" ist gleich Kofferraumtitel geworden – also ein Titel, den die Vertreter gleich bei den Buchhändlern als Leseexemplar da lassen können. Ein enormer Vorteil, dass ich mich als Neuling nicht ausschließlich aus dem Verlagskatalog heraus "bewerben" musste.

Haben Sie Einfluss auf die Werbung, die der Verlag für Ihre Titel macht?

Aus eigenen Stücken und auf eigene Kosten kann ich natürlich machen, was ich will. Ansonsten kann ich dem Verlag natürlich Vorschläge machen, die in Teilen auch dankbar angenommen werden. Aber der Verlag entscheidet, bei welchen Autoren und Titeln Schwerpunkte gesetzt werden, wo das Budget hingeht. Natürlich freue ich mich über jede gute Rezension und jeden Artikel in der Presse.

Wenn Sie sich vorstellen, was sagen Sie: "Ich bin Autorin und mache Werbung" oder nur noch "Ich bin Autorin"?

Das ist eine gute Frage. Im Umfeld von Lesungen, Büchern und Co. bin ich Kinderbuchautorin und Illustratorin. Fertig. Auf die Visitenkarte würde ich es mir trotzdem noch nicht allein schreiben. Ich bin ja noch nicht lange Autorin. Das erste Buch ist erst seit gut einem Jahr draußen. So richtig lassen kann ich von der Werbung auch nicht. Insofern mache ich eben beides.

Wo haben denn Ihre zwei Welten ihre Parallelen? Was nimmt man aus der Werbung in diese Branche mit?

Man kann Wissensbausteine aus der Werbung gut fürs Schreiben mitnehmen. Die Art zum Beispiel, wie man an Geschichten rangeht, wie man an Zielgruppen rangeht. Auch, wie man hinterher seine eigenen Sachen systematisch überprüft.  Da sind enorme Parallelen zur Werbung. Auch in der Vorgehensweise, sich nach dem Briefing erst einmal von allen Rahmenbedingungen, die Budget, Kunde, Chef oder Produktioner vorgeben, zu lösen und sich auf eine einzige Grundvoraussetzung zu konzentrieren – das leere Blatt Papier vor mir. Das macht mir auch gar keine Angst. Im Gegenteil, das finde ich eher toll. Spielfeld abstecken, Regeln kennen, nachdenken - und dennoch etwas Unerwartetes entwickeln. OK, und ab und zu muss man auch mal die Regeln brechen.

Wie ist die Auftragslage?

Im ersten Jahr waren es drei Bücher, im zweiten Jahr werden es sechs. Das ist eine ganz ordentliche Schlagzahl. Ich weiß nicht, ob ich die halten kann und will. An Ideen mangelt es wirklich nicht, aber mittlerweile halte ich zusätzlich viele Lesungen in Schulen und auf Festivals. Auch dafür muss man viel Zeit einplanen.

Helfen die gelernten Kreativtechniken?

Nicht immer. In einer Agentur hast du ja, wenn du das Gefühl hast, deine Arbeit ist noch nicht optimal, immer noch ein paar Kollegen, mit denen du dich zusammensetzt und Bälle zuschmeißt. Aus diesem Austausch kann dann wieder was Neues entstehen. Das hat man beim Bücherschreiben in dieser Form nicht. Selbstverständlich habe ich wunderbare Lektorinnen, aber dennoch ist das was anderes. Der Austausch wie in der Agentur, das gemeinsame Entwickeln und Verfolgen einer großen Idee… das fehlt mir schon manchmal. Wenn ich jetzt mal beim Schreiben hänge, dann hänge ich eben.

Sie illustrieren Ihre Bücher auch. Aber ursprünglich sind Sie über die Texterschiene in die Werbung gerutscht.

Das ja, aber ich hatte schon immer eine große Leidenschaft für Grafische. Das wird bei Textern/Konzeptionern nicht immer gerne gesehen, aber ich habe das immer als Vorteil empfunden, wenn Text- & Bildideen parallel im Kopf entstehen. Grundsätzlich ist ja Werbung als Teamleistung zu sehen - und wenn der Texter eine gute Bildsprache entwickelt und der Arter ein gute Headline schreibt, dann sehe ich da kein Problem. Solange es der Sache/dem Kunden dient.

Als eigener Illustrator hat man es ja selbst in der Hand, wie die eigenen erfundenen Personen schlussendlich aussehen.

Das ist wahr - ein echter Vorteil, wenn man schreiben UND zeichnen darf. Aber: Ich habe tatsächlich demnächst einen Buchprojekt, bei dem ich eine andere Form der Illustration brauche als ich selbst leisten kann. Wir suchen gerade einen Illustrator, der meinen Text auf besondere Art und Weise interpretiert. Ich bin schon gespannt, wie gut ich das aushalte.

Lesen Ihre Kinder die Bücher vorab? Sie wären doch die ideale Zielgruppe.

Nein, bloß nicht! Sie bekommen erst die Druckfahnen zu lesen. Meine Töchter sind ohnehin noch zu jung, die schneiden noch die Bilder aus den Druckfahnen aus. Aber als Testleser scheidet auch mein Sohn aus. Ich mag es gern, wenn meine Kinder mir Anregungen geben, Unsinn anstellen, den ich verwenden kann, aber Kritik von den eigenen Kindern an meiner Arbeit? Ohje, nein, das trenne ich lieber.  
 
Wollen Sie irgendwann von dem Bücherschreiben leben?

Wollen? Sicher. Können? Das wird sich zeigen. Ich bin sehr gespannt wie sich alles entwickelt, aber das erste Jahr ist einfach nicht repräsentativ. Drei, vier Jahre muss man sich schon geben, um alles abschätzen zu können. Sich auf Dauer zu etablieren, braucht im Buchmarkt einfach seine Zeit. Wenn es klappt, würde ich mich sehr freuen. Allerdings ist es auch ein schwieriges Metier. Man überzeugt ja erst einmal gar nicht direkt die eigentliche Zielgruppe, also die Kinder. Da sind ja manchmal vier, fünf Stufen Erwachsene - Lektor, Verlagsleute, Vertrieb, Buchhändler, Eltern - dazwischen geschaltet, bis das Produkt endlich die Zielgruppe erreicht.

Das Schöne am Kinderbuchschreiben ist dann aber ja doch der direkte Kontakt zu den Kindern, bei Lesungen und auf Festivals. Wie ist das – eine Zielgruppe quasi zum Anfassen?

Super. Ich könnte mich jedes Mal wegschmeißen über das Feedback. Die Kinder lachen und johlen, schreien und gehen richtig mit. Außerdem sind die Fragen wirklich großartig: Letztens wurde ich gefragt "Du machst ja gar keine geraden Striche. Hast du kein Lineal?" Und da kann man nur ehrlich antworten: "Ich mag einfach keine geraden Striche." Mein Lebenslauf ist ja auch nicht gerade stringent...


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.