W&V-Titelgeschichte :
Diese 10 Frauen werden die Werbebranche aufmischen

"Women to watch": In den Agenturführungen sitzen lediglich drei Prozent Frauen. Das Ungleichgewicht hat in den letzten Jahren noch zugenommen. Ein Grund zur Resignation? Nein. W&V stellt zehn Frauen vor, die die Branche noch aufmischen werden.

Text: Kerstin Richter

24. Nov. 2014 - 20 Kommentare

In den Agenturen beträgt der Frauenanteil inzwischen satte 62 Prozent. Aber immer weniger von ihnen schaffen den Sprung nach oben. Das ergab jüngst eine Befragung des Agenturverbandes GWA. Dieser Abwärtstrend hat sich in den vergangenen fünf Jahren sogar noch verschärft. So sitzen nur mehr 2,9 Prozent der Frauen im General Management. 2009 lag der Anteil der weiblichen Agenturchefs noch bei vier Prozent. Eine beschämende Entwicklung, die gesamte Branche verschwendet Potenzial.

Dabei gibt es sie, die Kandidatinnen, die ihre Chancen ergreifen und das Zeug dazu haben, den Boys Club aufzumischen. W&V hat zehn außergewöhnliche Frauen ausfindig gemacht – Beispiele, die auch anderen Mut machen sollten:

Hanna Maria Heidrich, Regisseurin, 30

Heidrich ist derzeit die erfolgreichste deutsche Werbefilmregisseurin. Ihre Filme haben eine ganz eigene Handschrift, ihren Bildern ist eine emotionale Kraft eigen. Am liebsten fügt sie ihren Geschichten surreale Momente hinzu. Sie drehte unter anderem Spots für Warsteiner und das Konzerthaus Dortmund und schreibt gerade an ihrem ersten Drehbuch für einen Spielfilm, einem Sci-Fi-Thriller.  

Sabina Hesse, CD Text bei Heimat in Berlin, 32

Hesse studierte eigentlich mal Kommunikations-Design in Nürnberg, landete dann aber als Texterin bei Heimat. Heute zählt sie zu den besten Kreativ-Direktorinnen, die Deutschland vorzuweisen hat. Die 32-Jährige hielt die entscheidende Präsentation, mit der das Agenturteam den Etat des Onlineversenders Otto an Land gezogen hat. Davor hat sie an Hornbach-Kampagnen mitgewirkt, darunter die vielfach prämierte „Hammer“-Kampagne.

Teresa Jung, CD Art Heimat Werbeagentur Berlin, 26

Sabina Hesse zählt schon die Tage, bis ihre Teampartnerin Teresa Jung zu Heimat zurückkehrt. Denn im Moment ist die 26-Jährige in Elternzeit und kümmert sich um ihre Zwillinge. Als sie den CD-Posten angeboten bekam, war Jung bereits schwanger. Mit Kreationen für Otto, Hornbach, Weight Watchers und McKinsey hat sich die junge Kreative bereits einen Namen gemacht.    

Mirja Meyer, Client Service Director Jung von Matt/Next, 34

Meyer zählt zu den Beratern, die in Breite und Tiefe über digitales Know-how verfügen. Meyer sagt über sich selbst: „Ich brauche Ziele. Stagnation ist nicht mein Ding. Es gibt Chancen und Möglichkeiten, aber man muss sie auch packen.“ Im März erwartet sie ihr erstes Kind. Auch danach will sie wieder in den Job einsteigen.

Katharina Jung, Bodenleitung Beratung Kolle Rebbe, 36

Als Kolle Rebbe vor knapp drei Jahren den internationalen Lufthansa-Etat gewonnen hatte, der in seiner Dimension neu für die Hanseaten war, erkoren die Agenturchefs Jung zur Leiterin des Bodens, wie die Units bei Kolle Rebbe heißen, aus. Der 36-Jährigen obliegt es, die Fäden in der Hand zu halten. Sie hat das internationale Team für den Kunden mit aufgebaut. Agenturgründer Stefan Kolle sagt: „Ich erlebe, dass Frauen bei Verhandlungen mit Kunden, etwa wenn es um Geld geht, härter und geschickter sind.“

Eva Dyck, Unit-Leiterin Scholz & Volkmer Wiesbaden, 38

Als Unit-Leiterin hat die diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin nicht nur Zahlen im Blick, sondern sie bringt auch Verständnis für Kreation und Technik mit. Ihr Chef, Peter Post, attestiert ihr Verbindlichkeit und Ehrlichkeit. Und: Sie kann dem Kunden auch die Grenzen aufzeigen, wenn etwas nicht geht. Dyck ist das, was man eine Kulturträgerin nennt. Einer ihrer Kunden ist Lufthansa.

Linda Stannieder, Gründungspartnerin Graft Brandlab, Berlin, 36

Linda Stannieder sitzt in ihrem Großraumbüro in Berlin, das sie sich mit rund 60 Architekten teilt. Ein Gebäude hinter dem Hauptbahnhof, eine riesige Brache, ringsum wird gebaut. Aufbruchstimmung. Das passt zu der 36-Jährigen, die sich erst im August 2014 gemeinsam mit drei Partnern vom Architekturbüro Graft selbstständig gemacht hat. Graft Brandlab heißt ihre neue Firma, deren Angebot sich von Markenstrategie und Corporate Identity über Branded Environments bis hin zu Messe- und Ausstellungs-Design erstreckt. Stannieder ist zuzutrauen, dass sie Kommunikation im Raum neu definieren wird. Bei Metadesign hat sie ihr Talent bereits unter Beweis gestellt und unter anderem das Büro in Peking mit aufgebaut.

Nicola Brown, Executive Planning Director BBDO Düsseldorf, 36

Brown sagt über sich selbst, sie sei ein „britisch-bayerisches Kultur­hybrid“. Als Kind von zwei Engländern wuchs die heute 36-Jährige in Bogen bei Straubing auf. Von klein auf hat sie gelernt, wie unterschiedlich Menschen ticken und wie man deren Interessen moderieren kann. „Ich sehe mich als Wandlerin zwischen verschiedenen Welten. Ich kann mich in die unterschiedlichen Verfassungen hineindenken und vermitteln“, sagt sie. Beste Voraussetzungen also für eine Karriere im Planning.

Kerstin Feix, Leiterin Human Resources Metadesign, Berlin, 42

Noch behandeln viele Agenturen das Thema Human Resources recht stiefmütterlich, nicht selten ist das Ressort bei einer Assistenz aufgehängt. Eine der Agenturen, die den Personalbereich strategisch weiterentwickeln will, ist die 300 Mitarbeiter große Metadesign. Die Berliner haben sich für die Suche nach der passenden Person viel Zeit gelassen und holten schließlich Kerstin Feix aus Kalifornien nach Berlin. Seit Oktober beackert die 42-Jährige als Head of Human Resources alle personalrelevanten Themen an den Standorten Berlin und Düsseldorf sowie die gruppenübergreifende Personalstrategie der sechs Büros weltweit. Feix gehört zu den Personalern, die in unüblichen Strukturen und Lösungen denken.

Julia Tillack, Director Planning Heye OMD München, 36

Headhunter führen Julia Tillack als „High Potential“. Sie selbst kann sich das nicht so recht erklären, denn einen Masterplan für ihre Kar­riere hatte sie nie. Aber als Heye OMD einen Media Director für den Großkunden McDonald’s suchte, warb die Agentur Tillack vom Ortskonkurrenten Mediaplus ab. Vier Monate später, im Mai, wurde die 36-Jährige zum Director Planning und Mitglied der Geschäftsleitung berufen.

In der aktuellen W&V-Ausgabe (Nr. 48/2014 vom 24.11.) stellt W&V-Redakteurin Kerstin Richter die zehn Frauen ausführlich vor. Noch kein Abo? - Hier geht's lang.


20 Kommentare

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Anonymous User 24. Februar 2015

Desperate for content? Dieser Personality-Quark interessiert mich nicht.
Es sind nie die eitlen Fatzkes, die die guten Ideen haben. Wenn man Glück hat, können sie wenigstens verkaufen.

Anonymous User 4. Dezember 2014

Habe selbst in der Werbung gearbeitet, im Bereich Film. Frauen, Familie und Beruf vereinbar? In Deutschland? Na sicher, ganz bestimmt, sorry, da muss ich echt lachen!
Hanna Maria Heidrich die kreativste Werberegisseurin? Oh bitte, schaut mal genau hin. Das kann nicht Euer Ernst sein!
10 Frauen die irgendwo, irgendwas aufmischen wollen?
Dafür müssten all die Agenturen erstmal mutig genug sein, überhaupt kreative Kampagnen oder Filme zu machen. Von denen wird man genauso wenig hören wie sonst auch. Deutschland ist viel zu langweilig und wenig risikofreudig was Werbung betrifft.

Anonymous User 26. November 2014

Gerne würde ich von den Jungmüttern nochmal in einem Jahr lesen. Wie Mutter-Sein und Agentur-Business zusammen passen soll ... dafür hätte ich gerne mal ein paar Erfolgsmodelle. Der hippe Werber ist in der Vereinbarkeit von Beruf & Familie leider sehr hinten dran. Beste Grüsse von einer Ex-Client Unit Directorin von TBWA mit zwei Kindern, die ihre Kinder doch noch sehen wollte, einen berufstätigen Mann hat und zwischenzeitlich der Agenturwelt den Rücken gekehrt hat.

Anonymous User 25. November 2014

es wird Zeit für flexible Arbeitszeitmodelle in der Agenturwelt. Freie Mitarbeiter mit Rahmenverträgen langfristig binden, halbzeit und dreiviertel Stellen schaffen und besetzen: Mit Frauen und Männern
gleichermaßen.

Anonymous User 25. November 2014

Ganz ehrlich: Wenn jemand mit 26 Jahren als CD fungiert, zeigt das schon eine der vielen Krankheiten dieser Branche der Eitelkeiten - ganz gleich, ob Männlein oder Weiblein. Es würde den jungen Führungskräften sicherlich helfen, wenn sie noch 3 oder 4 Jahre länger reifen dürften, bevor man sie auf Untergebene loslässt. Die Dame mag clever und hübsch sein, keine Frage ... aber für Leute, die seit 10 oder mehr Jahren Top-Ideen bringen, ist das ein Schlag ins Gesicht, solch Jünglinge vorgesetzt zu bekommen, die bei der Entstehung von 3, 4 guten Ideen zufällig mit am Tisch saßen.

Davon abgesehen:

Anonymous User 25. November 2014

Wie niedlich, dass Kinder und Schwangerschaften explizit erwähnt werden. Agenturen sind keine Orte für Familienmenschen, schon gar nicht für Schwangere oder Mütter mit Babies. Naiv, was der Artikel für ein Bild zu zeichnen versucht.

Anonymous User 25. November 2014

Süß.

Bzw. fast so süß, wie Doerte, Karen, Britta und die anderen drei (oder waren es sogar vier?) Top-Werbefrauen.

Anonymous User 25. November 2014

Die Agenturwelt ist doch noch Lichtjahre davon entfernt, ein guter Platz für Frauen, die vielleicht irgendwann auch Mütter werden (oder bereits sind), zu sein.

Anonymous User 25. November 2014

Und was hat eine Nicola Brown bis jetzt geleistet ausser einer Menge heisser Luft?

Anonymous User 25. November 2014

wo ist denn jetzt das Besondere?
Dass sie 10 Frau sind oder dass sie Aufmischen werden?
Ersters fiele dann in die Abteilung Bericht zum Artenschutz der letzten Jahrzehnte, zweiteres in die Rubrik: Muss noch bewiesen werden.
Solche Artikel kommen mir manchmal vor wie das Pfeifen im dunklen Walde. Das ist weder inhaltsreich noch hilft es Frau...

Anonymous User 25. November 2014

Wo sind denn mal ein paar Fotos von denen? Wäre interessant zu sehen ob die auch optisch was drauf haben.

Anonymous User 25. November 2014

"Aber immer weniger von ihnen schaffen den Sprung nach oben."

Auch wenn es vielleicht ein bisschen spitzfindig ist: Vielleicht wollen einige von denen mit entsprechendem Potenzial "den Sprung nach oben" gar nicht unbedingt. Gut, wenn sie es tun, aber auch nicht gerade dumm genau das in manchen Agenturkonstrukten nicht zu tun. ;)

Anonymous User 24. November 2014

Ich kenn zwar nur eine, aber die dafür sehr genau. Ganz ok, nichts besonderes. Erinnert mich weniger an Revolutionär oder Visionär, sondern eher an die Sorte Mensch, die sich gern vordrängeln und schamlos Lorbeeren einheimsen. Hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Wir Männer haben sicher ebenso viele Schaumschläger unter uns. Wenn nicht mehr.

Anonymous User 24. November 2014

Die Gala für Werber. Nicht mehr, nicht weniger. Substanz und wirklich aussagekräftigen Inhalt hat diese 'Meldung' nicht. Werbeagenturen waren und sind immer noch reaktionär und männlich dominiert, auch wenn sie sich gegenüber ihren Kunden gern so anders und so kreativ darstellen.

Anonymous User 24. November 2014

Lächerlich. Da wird nichts von niemandem aufgemischt. Und in Zukunft wird man auch nichts hören. Vorher hat man ja auch nichts von denen gehört...

Anonymous User 24. November 2014

diese 10 sollen es sein?? Ich verstehe diese beschränkte Blickweise einfach nicht. Das Ressort Agenturen entwickelt sich einfach Null weiter. Mal über den Tellerrand schauen wäre wünschenswert.

Anonymous User 24. November 2014

Liebe W&V-Redaktion, wenn Sie einfach mal ausnahmsweise den Blick auf die vielen kleineren Agenturen werfen würden, dann könnten Sie sehen, dass dort deutlich mehr als nur 3% Frauen in der Agenturführung sitzen. Aber kleine inhabergeführte Agenturen finden in Ihrem Blatt ja sowieso kaum statt.

Anonymous User 24. November 2014

Zitat: "Diese 10 Frauen werden die Werbebranche aufmischen"

Ehrlich gesagt - Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Man wird sehen...

Anonymous User 24. November 2014

Sabina hatte mit der "Hammer"-Kampagne nicht viel zu tun.
Hauptsächlich ist sie damit beschäftigt, die Ideen ihres "Mentors" Guido Heffels aufzuschreiben ...

Anonymous User 24. November 2014

Peinlich, wie sich diese "Werber" immer selber feiern. Das Cover tut sein übriges.

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