US-Wahlkampf :
"Erstsemester-Arbeit": Erik Spiekermann über das Hillary-Logo

Hohn und Spott gibt es im Netz für das neue Wahlkampflogo von Hillary Clinton. Aber was sagt eigentlich der Profi dazu? W&V hat bei Corporate-Design-Star Erik Spiekermann nachgefragt.

Text: Susanne Herrmann

13. Apr. 2015 - 4 Kommentare

Schlichtes Logo: Ein blaues H mit roten Pfeil steht für Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur und den Aufbruch.
Schlichtes Logo: Ein blaues H mit roten Pfeil steht für Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur und den Aufbruch.

Hohn und Spott gibt es im Netz für das neue Wahlkampflogo von Hillary Clinton. Was sagt der Profi dazu? W&V hat bei Corporate-Design-Star Erik Spiekermann nachgefragt. Der Design-Professor und Mitgründer der Agentur Edenspiekermann in Berlin gilt als Typographie-Papst - und hat das Clinton-Wahlkampflogo kurz und präzise unter vier Aspekten bewertet:

1. Endlich mal wieder ein Wahlkampflogo (nach dem O von Obama) ohne Flaggen, Sterne oder Streifen.
2. Nun endgültig: Politiker als Marke mit einem Signet, das auch für einen Logistikbetriebe oder irgendeine anderen Industrie stehen könnte.
3. Formal: Banale Arbeit, die an den Unis alle Studenten im Erstsemester machen.
4. Man könnte es im Kontext der US-Verhältnisse auch mutig nennen."

Nimmt man die politische Dimension raus, ist das H bei Spiekermann durchgefallen. Vor allem unter dem Gestaltungsaspekt.

Clintons blaues H mit einem roten Pfeil nach rechts, also in Leserichtung, soll "auf geht's", Fortschritt, Vorangehen symbolisieren. Und doch hagelt es neben viel Lob auf Clintons Facebookseite auch Kritik. Schon die Pfeilrichtung gibt dem einen oder anderen Anlass zur Sorge, stehe "rechts" ja nicht eben für die politische Ausrichtung der Demokraten.

Nicht wenige fühlen sich an die Flagge Kubas erinnert.

Oder an das Logo des Paketdienstes Federal Express (zweigeteilte Farbgebung und ein verborgener Pfeil zwischen E und X).

Wikileaks twitterte gar, Clinton habe das Logo der Organisation geklaut: Es zeigt eine Sanduhr mit einem roten Pfeil nach rechts. Und der Pfeil ist auch schon ungefähr alles, was die Logos gemeinsam haben.

Weitere Reaktionen via Twitter:

Spärlich fallen hingegen die Reaktionen zu Clintons Wahlvideo aus, in dem sie sich vor allem an Familien wendet und dabei auch Minderheiten wie die gleichgeschlechtlichen Paare, Einwanderer und Afroamerikaner nicht vergisst. Der 2 Minuten 18 Sekunden lange Film lässt das Wahlvolk zu seinen Zielen und Plänen zu Wort kommen. Und viel vor habe auch sie, sagt Hillary Clinton. Die Diskussion um die Wahlkampfversprechen und Inhalte nimmt aber nicht so zügig Fahrt auf wie die um das Logo. Hier das komplette Auftaktvideo zur Kandidatur.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



4 Kommentare

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Anonymous User 21. April 2015

rechts nach links lese … habe ich sagen wollen. Hab mich wohl missverständlich wiederholt, ups.

Anonymous User 21. April 2015

behaupten, der Pfeil zeige nach vorn, weil wir von links nach rechts läsen. Ich glaube nicht daran, da ich von meinem Ursprung her gesehen von links nach rechts lese und glaube, dass die Mehrheit der Erdbevölkerung so oder gar von oben nach unten liest.

Wer so eine Behauptung aufstellt, ist ziemlich arrogant. Nämlich die halbe Welt außen vor zu lassen, wie’s symbolisch in Deutschland wohl heißt.

Anonymous User 14. April 2015

»Erstsemesterarbeit« ist inhaltsfreie Polemik, ein Argumentersatz.

Anonymous User 13. April 2015

Ein Pfeil, der nach rechts zeigt steht für Zukunft bzw. er zeigt dorthin. Aber jeder will eben das sehen, was er sehen will.

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