Employer Branding :
"Kopfballungeheuer (m/w) gesucht": Über Fußballmetaphern im Recruiting

Suchen Sie auch nach einem Teamplayer, der auch dann noch am Ball bleibt, wenn die Latte mal höher liegt? Peter Breuer über die verführerisch handgreiflichen Metaphern des Fußballs und ihre unfreiwillige Komik.

Text: Peter Breuer

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Lassen wir doch einfach gleich zu Anfang die Katze herzhaft in den eigenen Schwanz beißen: Metaphern sind das Salz in der Suppe der Sprache, weil sie das zum Bild machen, was in Worten ausgedrückt abstrakter bleiben würde. Je vertrauter das benutzte Bild dabei ist, desto eingängiger die Formulierung. Nur wenige Menschen hatten in ihrem Leben schon das Glück, eine Kuh auf einer Schlittschuhbahn zu sehen, aber es scheint – überraschenderweise eher im kaufmännischen als im landwirtschaftlichen Bereich – viele zu geben, die sich das schwierig vorstellen und sie unbedingt vom Eis holen wollen.

Viele Metaphern haben Wurzeln, deren Herkunft uns nur noch vage vertraut sind und es fällt graduell leichter, sich zwischen Pest und Cholera zu entscheiden, als zwischen den historisch noch älteren Meerungeheuern Skylla und Charybdis.

So ist es kein Wunder, dass Fußballmetaphern so gut laufen – Fußball ist Mainstream und in der Semiotik seiner spezifischen Sprache verbinden sich Vorstellung und Lautbild so herrlich direkt, dass man gleich mitgrölen möchte. Leider verleiten die verführerisch handgreiflichen Metaphern des Fußballs zu einer gewissen Überwürzung, die mitunter auch komische Züge trägt.

Besonders beliebt ist der Fußball im Recruiting-Bereich, was auch daran liegen mag, dass Stellenbeschreibungen häufig sehr trocken sind. Die Suche nach serviceorientierten Bewerbern für das Business-Continuity-Management mit Skills in der Toolerstellung für den Maturity Level gerät oft zu einem vorgezogenen Eignungstest, bei dem die Frustrationstoleranz beim Lesen unverständlicher Texte abgefragt wird.

Einen Teamplayer (gerne mit guten Kommunikationseigenschaften) sucht in den Stellenanzeigen nahezu jedes dritte Unternehmen – was an sich schon überflüssig ist, denn vermutlich käme kein Bewerber auf die Idee, sich in seinem Anschreiben als ungeselliger, verstockter Schweiger zu bezeichnen. In der "Champions League" spielen ebenfalls überraschend viele Unternehmen, die abseits der Stellenbörsen in der Lokalpresse eher als "Hidden Champions" bezeichnet werden. Andererseits liegt "die Latte hoch" und auch in entlegenen Regionen gilt es, "global gut aufgestellt" zu sein.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet zwar die Suche nach Bewerbern ausschließlich männlichen oder weiblichen Geschlechts, aber immer noch werden für Führungsaufgaben gerne "Stürmer" gesucht. Auch wenn in der Realität dann der starke linke Fuß weniger gefragt ist als die Erfahrung in der Operationalisierung von Unternehmensstrategien. Aber man kann ja nicht alles haben.

Im Bereich der Anforderungen, dort wo auch die Soft Skills abgefragt werden, ballt es sich dann. Die Einarbeitung erfolgt durch ein "interdisziplinäres Trainerteam" und müde werden gilt nicht: "Sie bleiben am Ball, wenn es eng wird" und "sind auch dann noch voll da, wenn es in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen geht".

Das wiederum ist ein kluger Einsatz von Fußballmetaphern, denn wer schreibt schon allen Ernstes, dass unbezahlte Überstunden die Regel sind?

Bewerberinnen und Bewerbern, die "sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen", wird zum Dank "der Rücken freigehalten" und wer sich angesprochen fühlt, möge doch bitte "jetzt den Ball zurückspielen".

Metaphern beleben einen Text, können ihn aber auch in ihrer Ballung überfrachten. Die Beliebtheit von Fußballmetaphern im Recruiting-Bereich ist durch die Popularität des Sports einerseits verständlich, andererseits werden Flankengötter und Laufwunder nur selten per Stellenanzeige gesucht und stehen in der Realität sogar häufig im Verdacht, eher einseitig interessiert zu sein.

Vielleicht sollte man die Sprachbilder auch mal zwischendurch wechseln und einen Dirigenten suchen, der seine Aufgaben presto erledigt, mit seinen Mitarbeitern sowohl piano als auch forte kommunizieren kann und bei Bedarf auch die zweite Geige spielt.

W&V-Blogger Peter Breuer nennt sich einfach nur "Werbetexter"  - eine Berufsbezeichnung, die auf Creative Junior Copywriter Evangelists wie eine Eisdiele aus der Adenauer-Zeit wirkt. Er schreibt und konzipiert für Kunden aus zahlreichen Branchen und gilt als einer der besten Texter Hamburgs. Wer daran zweifelt, kennt seine Facebook-Seite und seine Tweets nicht.


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Anonymous User 1. Juli 2015

Diese gesamte Kolumne ist höchstens Kreisliga.

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