Martin Sorrell über die Akquise von AKQA: "Es hätte kaum Alternativen gegeben"

Im Intercontinental Carlton Hotel in Cannes hat W&V-Redakteurin Daniela Strasser WPP-Konzernchef Martin Sorrell getroffen. Gemeinsam mit AKQA-Chef Tom Bedecarré sprach er über die 540-Millionen-Dollar-Übernahme des Digitaldienstleisters AKQA, der WPP im digitalen Wettrüsten der Werbekonzerne nach vorne bringen soll. 

Text: Uli Busch

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540 Millionen US-Dollar hat sich Martin Sorrell die Übernahme des Digitaldienstleisters AKQA kosten lassen, um im Rennen um die Digitalmacht seinen Konkurrenten Publicis, Omnicom und Interpublic davonzuziehen. Die Agenturmarke, sagt Sorrell jetzt beim Interview mit W&V-Redakteurin Daniela Strasser, passe "auf ganzer Linie zur Strategie von WPP".

"Wir setzen auf vier Säulen", so Sorrell in dem Gespräch: Neue Märkte, Neue Medien, Consumer Insight - sprich Marktforschung - und "Horizontalität". In allen vier Punkten soll AKQA Sorrells Werbekonzern - weltweit größter nach Umsätzen - weiterbringen. Bislang war AKQA vornehmlich in den USA und Westeuropa präsent, vor zwei Jahren erst hat die Digitalagentur eine Niederlassung in Berlin eröffnet, im vergangenen Jahr eine Präsenz in Paris. Jetzt will Sorrell die Marke auch nach Südamerika und China bringen.

Wie sich die unabhängige Marke im WPP-Imperium behaupten soll, das eine Vielzahl von Agenturen (unter anderem JWT, Grey Y&R, Ogilvy & Mather) unter sich vereinigt? "Ich werde damit so umgehen, wie ich es im vergangenen Jahr auch bei der Übernahme der deutschen Agentur Scholz & Friends gehandhabt habe", sagt Sorrell, "die Unabhängigkeit aufrechterhalten." Es ist davon auszugehen, dass WPP AKQA das beste finanzielle Angebot vorgelegt hat. Sorrell hat den Ruf, mehr Geld als seine Konkurrenten für Akquisen in die Hand zu nehmen, falls er eine Firma haben will. Bei der Übernahmeschlacht um Scholz & Friends im vergangenen Jahr etwa konnte Publicis-Chef Maurice Lévy nicht mehr mithalten.

AKQA beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter, erzielte 2011 einen Jahresumsatz von 150 Millionen Euro. Der jüngste WPP-Zukauf arbeitet für Unternehmen wie Nike, Google und Unilever. Chairman Tom Bedecarré wird die Firma weiter gemeinsam mit Gründer Ajaz Ahmed führen. Bedecarrés Pläne? In fünf Jahren solle AKQA "die am schnellsten wachsende Abteilung innerhalb der WPP-Gruppe sein". Ganz leicht dürfte das angesichts der Konkurrenz einer Vielzahl von WPP-Marken nicht werden. Allein in diesem Jahr hat Sorrell 18 Digitalanbieter gekauft.

Für den Digitalmarkt indes bedeutet die Übernahme, dass eine weitere unabhängige Marke vom Markt verschwindet. Fast alle relevanten Anbieter mit dreistelligen Umsätzen befinden sich mittlerweile in der Hand von großen Werbeholdings, Medienkonzernen oder Unternehmen wie Ebay. Genau genommen stehen auf internationaler Ebene mit der Amsterdamer Internetagentur LBi und Sapient, Nummer eins im US-Markt, nur mehr zwei große Zukaufskandidaten zur Verfügung. Das bestätigt auch Sorrell. Es habe kaum Alternativen zu AKQA gegeben, sagt der von der Queen geadelte Brite. "Natürlich würde es einige Firmen kleinerer Größenordnung geben, aber nicht in der Kategorie mit einem Jahresumsatz von 150 Millionen Euro." Noch liegt Publicis in Sachen Digitalanteil am Umsatz mit 33 Prozent vor WPP. Ob Sorrell dank AKQA sein Ziel von 35 bis 40 Prozent realisieren kann, wird sich zeigen müssen.

Übrigens: Über die angespannte Situation im eigenen Haus wollte Sorrell nicht sprechen: In der Aktionärsversammlung herrscht Missstimmung, weil die Mehrheit der Aktionäre Sorrells Gehaltsforderung von rund 8,5 Millionen Euro nicht nachkommen wollte. Der WPP-Chef verlangt damit 60 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das vollständige Interview mit Sorrell und Bedecarré sowie eine Analyse zum digitalen Wettrüsten der Werbekonzerne lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der W&V (Heft 27/2012).


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