Aber nein, es sind ausgerechnet zahlreiche Onliner, die diese Disziplin für sich alleine beanspruchen. Das ist "auf einer Skala von…" irgendwas zwischen albern und kindisch. Und falsch obendrein. Erst haben wir über die Zielgruppe und den relevanten Inhalt zu entscheiden, dann über den Kanal. Nicht umgekehrt. Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass in der Werbebranche mehr Ignoranz vorherrscht als in anderen. Es müsste umgekehrt sein.

Stellen wir uns einmal vor, in anderen Berufsfeldern würde sich niemand an Definitionen, Konventionen und Standards halten. Technologie, IT, Physik, Chemie - überall herrschte Chaos. Nur die Werber müssen wieder einmal etwas Besonderes sein und kochen ihr eigenes Süppchen. Jeder darf seinen Löffel reinhalten und eigene Definitionen erfinden.

Schon haben wir Anarchie. Am besten können das die Medialeute, übertroffen nur von den Online-Mediaexperten. Jeden Tag erfindet jemand einen neuen Parameter, der mit keinem anderen vergleichbar ist. Selbst einen Begriff wie "Reichweite" darf jeder (danke, Facebook) für sich neu interpretieren. Das geht so nicht weiter.

Und selbst wenn in einem Punkt endlich Konsens herrscht, vermengen wir die Dinge solange, bis wirklich keiner mehr durchblickt. Das erleben wir parallel gerade bei Native. Auch Sie, lieber Johannes Ceh, sind in diese Falle getappt. Solange selbst die grundlegenden Begrifflichkeiten uns täglich aufs Glatteis führen, sollten wir Content und Native und Storytelling nicht einmal wagen, in einem Atemzug zu nennen. Denn sie haben zunächst einmal nicht unbedingt und schon gar nicht unmittelbar miteinander zu tun. Am Ende haben wir Buzzword-Bingo in Endlosschleife.

Wir müssen unserer Branche dringend mehr Disziplin verordnen. Und ja, in dem Punkt stimme ich Ihnen gerne zu, auch mehr Exzellenz. Die gewinnen wir nur durch eine bessere Einordnung. Und danke dafür, Johannes Ceh: durch Haltung. Dann schaffen wir es am Ende womöglich sogar, dem Content Marketing einen gebührenden Platz im Marketing-Universum zuzuordnen. Nicht aber zwischen den Medien, sondern zwischen den Maßnahmen. Zwischen One-to-Many (Reichweite) und One-to-One? Womöglich im Marketing Funnel?

Wir dürfen Content Marketing nicht wie Display kaputtmachen, bevor es überhaupt die Chance hatte, seine Kraft zu entfalten. Nicht immer wieder den gleichen Fehler machen…

Unser kleines Dialogexperiment will genau das: Für mehr Klarheit sorgen. Denn Haltung gibt Haftung.

Also ran ans Werk. Your turn, Johannes Ceh.

Ihr Thomas Koch

Über den Autor:

Thomas Koch bloggt regelmäßig für W&V Online. Der Agenturgründer und frühere Starcom-Manager kennt in der Media-Branche alles und jeden. Kaum jemand beherrscht das komplizierte Thema so gut wie er – und niemand bringt es besser auf den Punkt. Thomas Koch ist Mr. Media.


Autor:

Thomas Koch
Thomas Koch

W&V-Kolumnist, Media-Persönlichkeit des Jahres 2008 und der Schrecken aller schlechten Mediaplaner. Der Agenturgründer und frühere Starcom-Manager kennt in der Media-Branche alles und jeden. Kaum jemand beherrscht das komplizierte Thema so gut wie er – und niemand bringt es besser auf den Punkt. Thomas Koch ist Mr. Media.