#Augenhöhe :
Offener Studentenbrief an Agenturen: "Wertschöpfung beginnt bei Wertschätzung"

#Augenhöhe: Anlass für die Initiative war eine vom GWA angestoßene Studie über den Fachkräfte- und Nachwuchsmangel in Agenturen. Studierende der Hochschule Pforzheim bestreiten nun in einem Offenen Brief, dass es einen solchen Mangel gibt und fordern einen offenen Dialog mit dem Nachwuchs.

Text: Markus Weber

- 17 Kommentare

Anlass für die Studenteninitiative war eine vom GWA angestoßene Studie über den Fachkräfte- und Nachwuchsmangel in Agenturen. Die gut 50 Mitglieder der studentischen Kommunikationsagentur Werbeliebe an der Hochschule Pforzheim bestreiten nun in einem Offenen Brief, dass es einen solchen Mangel gibt und fordern vom Agenturverband und den Werbehäusern eine Diskussion über das Thema auf #Augenhöhe. Den Brief mit ihren vier Ausgangsthesen für die Diskussion haben die Studenten auf der Facebookseite von Werbeliebe veröffentlicht.

Darin heißt es unter anderem, es gebe "genügend fähige und motivierte Absolventen - sie bewerben sich nur nicht bei Euch". Die Studenten beklagen sich über mangelnde Perspektiven bei den Agenturen, auch über das Einstiegsgehalt hinaus. Das Argument des Kostendrucks halten sie für "unglaubwürdig, wenn man gleichzeitig die besten Adressen der Stadt bezieht."

"Wenn Ihr in Zukunft von Euren Kunden ernst genommen werden wollt, dann solltet Ihr jetzt anfangen, Euren Nachwuchs ernst zu nehmen", schreiben die Initiatoren in ihrem Schlussappell.

Beim Agenturverband GWA will man den Ball aufgreifen. Laut Verbandsgeschäftsführer Ralf Nöcker sprechen die Studenten in dem Brief genau die richtigen Probleme an. Offenbar ist ein Roundtable zum Thema Nachwuchsmangel geplant, an dem auch Mitglieder von Werbeliebe teilnehmen sollen.

Apropos Augenhöhe: Am Freitag sorgte auf W&V Online der Erfahrungsbericht einer BWL-Absolventin, die als Marketing-Praktikantin bei einem deutschen Konzern gearbeitet hat, für große Diskussionen - auch hier auf Facebook. "Als naive Anfängerin dachte ich, Agenturen seien so etwas wie Sparringspartner der Marketingabteilungen", schreibt die Absolventin in dem Bericht: "Aber das ist natürlich Quatsch. Für unsere Abteilung waren Agenturen x-beliebige Dienstleister wie eine Druckerei oder ein Taxiunternehmen. Sie müssen einfach nur funktionieren. Zu jeder Zeit, für jeden Job und mit unbegrenzten Kapazitäten."


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.



17 Kommentare

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Anonymous User 29. August 2013

Oh fröhliches selbstarrogantes Agentur Bashing. Mhhh Toll.

Ich bin wahrlich kein Fan von Werbeagenturen, aber ich denke jeder, der die Zahlen hinter einer WERBE Agentur (nicht Beratung) kennt weis, dass die Kostenstrukturen ein Grund für den mangelnden finanziellen Ausgleich sind. Preisverfall, versunkene Kosten und Risikominderung provozieren regelrecht, den perversen Praktikantenlohn. Plausibel.

Der eigentliche Grund für dieses ganze überflüssige Geunke ist die Bildungsinflation, die in Deutschland grassiert. Wir müssen uns als moderne selbstkritische Gesellschaft davon verabschieden das jeder Bachelorabsolvent mit mind. 2000€ netto einsteigt. Dafür gibts einfach zu viele.

Und für die Jobs, die gut bezahlt sind (Digitalkonzept, SEO, uvm.) existieren wiederum keine Studiengänge.

Anonymous User 28. August 2013

Es ist super interessant dies zu lesen als Anfänger, da man selbst manchmal noch nicht ganz sicher ist was man eigetlich denken soll. Ich selbst sehe nur, dass viele Kollegen lange arbeiten, ich schlechter bezahlt werde als alle die ich sonst so kenne und der Kunde zum Großteil auch noch undankbar ist. Und das nachdem ich mir in meinem Studium den Hintern aufgerissen habe und alles getan habe was die Gesellschaft von mir verlangt hat. - Das ist das dankeschön.
In großen Unternehmen werden die Leute fürs kaffeetrinken bezhalt... einige von ihnen arbeiten hart. Das kann man auf keiner Seite pauschalisieren. Umso trauriger, dass ihr es versucht. Ein Job sollte Spaß machen und die richtige Work Life Balance mitbringen. Klar, will keiner mit Ende 20 mehr in einem WG Zimmer leben, aber wir müssen auch nicht alle reich werden.
In meiner Agentur sitzen extrem qualifizierte Mitarbeiter, die bei einigen Kunden (besonders die großen) ständig bemüht sind Marketingfuzzis ihren Mist zu erklären, weil diese selbst keine Ahnung haben. Andere Kunden sind dagegen sind sehr nett und auf "Augenhöhe" mit uns. Jeder hat da seine eigenen Erfahrungen und jede Sache hat zwei Seiten. Wie das Ganze gehandhabt wird ist sehr individuell. Dann muss man eben "die Agentur" wechseln mit der man unzufrieden ist. Das Einzige was ich pauschalisieren würde was definitiv zu wenig ist, ist das Gehalt. Was aber auch daran liegt, dass einige Kunden als Prestige-Kunden gehalten werden, alle fleißig arbeiten und es der Agentur keinen Cent bringt.

Anonymous User 13. August 2013

Das Problem hat zwei Seiten:

Lange Arbeistzeiten sind oft bedingt durch ein fehlendes, effizientes Management einer Agentur, die den Wert von notwendiger Work-Life-Balance nicht erkannt hat. Es gibt durchaus sehr gute Agenturen, die nicht Sonntags arbeiten oder jeden Tag bis Mitternacht das Licht an lassen. (Abgesehen davon gibt es viele Marketingabteilungen, die auch bis spät in die Nacht arbeiten)

Andererseits erkennen Unternehmen oft nicht mehr den Wert einer Idee an und somit auch den Aufwand diese zu entwickeln, was mit den Entscheidungs- und Karrierestrukturen in Unternehmen zu tun hat. Brand Manager die in ihren drei Jahren auf einer Marke in erster Instanz auf die Kosten schauen um die Effizienz zu steigern sind angehalten den Kostendruck an Agenturen weiterzugeben. Und werden sich kaum für den. Aufwand einer Kampagnenentwicklung und langfristiger Markenentwicklung interessieren.

Anonymous User 13. August 2013

@ dienstleistung

"Es ist das Los der meisten Dienstleister (egal welche Branche), dass man IMMER, ALLES SCHNELL und möglichst BILLIG für den Kunden fertigstellen muss. Das ist doch im Kopf aller drin."

Es geht doch gar nicht um Arbeitsmotivation. Die haben junge Werber doch ebenso wie junge Mediaplaner, Vermarkter, Unternehmensberater oder Rechtsanwälte.

Es geht um Fairness und Gerechtigkeit. Andere unternehmensnahen Dienstleistungen wie Strategieberater, IT-Berater oder Rechtsanwälte schaffen es auch, ihre jungen Leute vernünftig zu bezahlen. Die machen ebenso alle Überstunden (fragen Sie mal einen Junior bei z.B. White&Case...), aber da mosert kaum jemand. Könnte also damit zusammenhängen, dass die was für ihre Leistung bekommen...? Das, Fairness, ist, vielleicht neben dem Komplex Perspektive/Weiterbildung, der Punkt, um den es sich dreht. Und um nichts anderes.

Anonymous User 13. August 2013

Liebe junge Menschen. Spart Euch das mit den Agenturen und hört auf mit dem Briefeschreiben. Macht es anders. zeigt denen die rote Karte. Geht in Unternehmen. Da wird auch Marketing gemacht. Und Ihr habt ein Telefon, mit dem könnt Ihr Agenturen anrufen und für Euch arbeiten lassen. Das ist viel lustiger als in ebendenselben zu schuften. Es gibt im Unternehmen Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Betriebskindergärten, Gleitzeitkonto, machmal sogar ein Lebensarbeitszeitkonto. Niemand meint, Urlaubsanträge wären eine Form von intolerabler Faulheit. Wenn Ihr nach 19 Uhr noch am Platz seid, bekommt Euer Cheffe Ärger mit dem Betriebsrat. Sonntags arbeiten geht schon mal gar nicht. Wenns auf einer Dienstreise mal spät wird, gibts Nachtzuschlag. Und Euer Schreibtisch ist nicht so proppevoll wie in der Agentur, wo Eure Arbeitszeit bares Geld bringt und daher oft mehrfach an den Kunden verkauft wird. Kunde kauft 6h Text ein, Euer Projektleiter wird Euch dazu bringen, es in 2h zu schaffen und verkauft dann die restlichen 4 h woanders hin. Muss man nicht haben. Seid vernünftig - geht in Unternehmen. Dieses sagt Euch ein Agenturoldie, der nach 15 Jahren Kreativ-Maloche jetzt im weichen Sessel eines internationalen Konzerns den Tag am Fenster vorbeiziehen lässt.

Anonymous User 13. August 2013

@Eva:
Ich denke, wer einen Dialog auf Augenhöhe fordert, muss auch hohe Maßstäbe an sich anlegen lassen.

@Lukas:
Nur aus obigem Grund hänge ich mich an Kreationsdetails auf und dabei interessiert mich das Studienfach wenig. Der Name „Werbeliebe“ wird durch solche Kreationen zur Farce.

Anonymous User 13. August 2013

Zunächst sollte natürlich erwähnt werden, dass generell niemand dazu gezwungen wird, den Job in einer Agentur zu den besonders im juniorigen Bereich wenig dankbaren Konditionen (60 Std./Woche, 2.3K /Monat?) überhaupt anzutreten.

Das Paradoxe, aber nicht bahnbrechend Neue an der aktuellen Situation ist in meinen Augen, dass die Anforderungen und Erwartungen an das Profil der Nachwuchswerber für den Agenturjob immer weiter steigen, auf der anderen Seite jedoch nicht äquivalent viele Anreize geschaffen werden, diesen überhaupt anzutreten.

Wo das Vakuum zwischen hoher Qualifikation einerseits und langen Arbeitszeiten und mäßiger Bezahlung andererseits früher vielleicht noch durch den Glanz und Stolz, der mit dem Besitz der, sagen wir mal, S&J-Visitenkarte einherging, wettgemacht werden konnte, bleibt heute: ein Vakuum. Oder der Frust über das erneut abzusagende Date/Konzert/Fußballspiel. Oder das Zimmer in der WG mit Ende 20.

Erschwerend: längst konkurrieren Startups oder Unternehmen wie Google/FB und Co. um das potentielle Personal der Agenturen und positionieren sich besonders für die dringend benötigte Mangelware der digitalen Talente als Alternative.

Und auch Unternehmensberatungen, die ihre Nachwuchsberater übrigens 1. gerne direkt nach der Uni und 2. mit deutlich attraktiveren Gehaltsstrukturen in ihre Reihen locken, stellen für Absolventen mit wirtschaftlichem Hintergrund die vermutlich interessantere Variante dar - wenngleich dort ebenfalls nicht um 18 Uhr der Feierabend eingeläutet wird.

Es entbehrt in diesem Zusammenhang nicht einer gewissen Ironie, wenn Karen Heumann im bereits angesprochenen Interview (http://www.youtube.com/watch?v=fFVB8avmpTA) betont, dass es für den Job in der Werbung etwas bringe, wenn man "relativ schnell, relativ toll an einer relativ guten Uni" studiert habe. Ist es aber nicht relativ unwahrscheinlich, dass die beschriebene Zielgruppe - sit venia verbo - überhaupt Bock hat auf das Arbeitsumfeld Werbeagentur, zumindest in dessen derzeitiger Form und Organisation?
Initiativen wie #Augenhöhe lassen Gegenteiliges vermuten.

Anonymous User 12. August 2013

Die Werber der Werbeliebe an der HS Pforzheim studieren größtenteils BWL mit Schwerpunkt Marketingkommunikation. Sind also keine Gestalter ;-) Ich denke es ist im Sinne aller Beteiligten, dass die Diskussion auf inhaltlicher Ebene geführt wird und sich nicht an Kreations-Details aufhängt.

Anonymous User 12. August 2013

Guten Abend,
Es ist das Los der meisten Dienstleister (egal welche Branche), dass man IMMER, ALLES SCHNELL und möglichst BILLIG für den Kunden fertigstellen muss. Das ist doch im Kopf aller drin.Das fängt doch bei Auftraggeber an der alles billig will. Und dann kommt das dabei raus. Genauso wie an der Wursttheke: 100g Wurst darf nur 99 cent kosten = die Wurst muss billig hergestellt werden= schlechte Qualität der Ware/ Antibiotika in Massentierhaltung & Billiglohn für die Schlachter. ABER: So gut kann es den Agenturen ja garnicht gehen,wenn da die ein oder andere "gestern-noch-top" Agentur im letzten Jahr Insolvenz angemeldet hat... Oder?

Anonymous User 12. August 2013

@David
Man sollte sich schon die Mühe machen und eine studentische Agentur nicht mit anderen vergleichen. Studenten lernen das Handwerk eben meist erst richtig in der Praxis. Löblich dass sich diese jungen Leute überhaupt neben dem Studium beruflich engagieren. Zumal es sich größtenteils um Studenten handelt, welche keinen kreativen Hintergrund haben und nur ihr Bestes geben um dem ästhetischen Auge gerecht zu werden.

Anonymous User 12. August 2013

pay peanuts, get monkeys.

Willkommen in der Realität der Werbebranche.

Anonymous User 12. August 2013

Unternehmer, leider polemisch und Unsinn dazu. Agenturen setzen gerade auf junge, arbeitswillige Nachwuchstalente – deren Qualität sie gerne zu einem Hunger(Praktikanten)Lohn ausschöpfen. Schade, dass Sie die gesamte kommende Generation der Kommunikationsbranche mit nur einem Kommentar zur Unfähigkeit degradieren. Da scheinen Sie einiges an Potential zu übersehen.

Anonymous User 12. August 2013

Vielleicht sollten sich die Werbeliebe-Aktivisten mal die Zeit nehmen und über den Tellerrand gucken .... Die trendige, hypergeile Werbeangentur ist (leider?) ein Job wieder jeder andere auch ...

Anonymous User 12. August 2013

Unternehmer Bashing, na gut. Kann man mit leben. Tragischer ist, das der Nachwuchs eine laienhafte Vorstellung von einem Agenturalltag hat. Permanent verspätet, schlecht organisiert, mässig motiviert. Allgemeinwissen über Werbung und Kommunikation nahe null. Ein Arbeitsverhalten wie in der Kita. Handy gedaddel, ständig Facebooken oder webshoppen während der Arbeitszeit. Ach ja, kreativ sind sie auch noch. So nebenbei. Mehr aber nicht.

Anonymous User 12. August 2013

Mir wird schlecht! Eine studentische Kommunikationsagentur, die in einem offenen Brief an Agenturen und den GWA keinen Wert auf Typografie und Orthografie legt, dann aber eine Diskussion auf Augenhöhe fordert. Das sind die minderwertigen Entwürfe, die ihr bald euren Kunden präsentiert – dafür ist jedes Einstiegsgehalt zu viel. Bitte erst das Handwerk lernen, dann die Forderung stellen, dass man euch ernst nimmt.

Anonymous User 12. August 2013

Schneeflocke, du sprichst uns allen aus der Seele.
Amen!

Anonymous User 12. August 2013

Das blöde an Agenturen ist nicht die vergleichsweise schlechte Entlohnung, verbunden mit null Sozialleistungen. Es geht vielmehr darum, dass die Mitarbeiter keine Work-Life-Balance haben, sonntags ran müssen, sehr wenige Urlaubstage haben und ständig Überstunden schieben. Das hat sich mittlerweile gottseidank rumgesprochen. Sehr gut, dass sich junge Leute darauf nicht mehr einlassen wollen. Denn von jungen Leuten leben die Agenturen. Junges Gemüse,das ganz wild drauf ist, auf tollen Etats zu arbeiten. BMW, Adidas und so Sachen. Das sich mit Goldideen locken lässt. Das noch keine Familie hat. Das es voll cool findet, nachts um 23 Uhr mit nem Bier in der stylischen Agentur-Teeküche zu hocken. Man ist ja schließlich Werber, nicht wahr. Sehr sehr schön, dass sich dafür kein Nachwuchs mehr findet. Ich hoffe, das führt endlich zum Umdenken in den Agenturen, die aus ihrer Ausbeutermentalität bislang keinen Hehl gemacht haben - man hat dies bislang als Naturgesetz wahrgenommen. Es gab mal auf Zeit Online ein Filmchen mit Karen Heumann von Thjink. Wo sie lächelnd sagte, ja klar, Agenturen sind eben leider nicht kinder/familienfreundlich und man könne nicht einfach abends heimgehen, wenn noch viel zu tun ist. Sehr schön, wenn dies von Berufsanfängern nun als das erkannt wurde, was es schon immer war: Unattraktiv. Liebe Agenturen, ich wünsche Euch viel Spaß beim Umdenken und bei der Personalsuche. Tschüß!

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