Serviceplan und INSM :
Peinliche PR: Wie die Lobbyisten ihre Vodoo-Puppen verteidigen

Ein "augenzwinkernder Neujahrsgruß" soll es gewesen sein, keine besonders ausgefeilte Kampagne: So verteidigt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft jetzt die umstrittene Vodoopuppen-Aktion von Serviceplan gegenüber W&V Online.

Text: Anja Janotta

08. Jan. 2013 - 4 Kommentare

Ein "augenzwinkernder Neujahrsgruß" soll es gewesen sein, keine besonders ausgefeilte Kampagne: So verteidigt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die umstrittene Vodoopuppen-Aktion von Serviceplan Public Opinion gegenüber W&V Online. Zum Jahresanfang hat die Agentur etwa 2.000 Grußkarten mit Voodoo-Puppen an Berliner Abgeordnete und politische Multiplikatoren verschickt. In die Puppe (sie soll einen malträtieren Bürger darstellen) können die Politiker sechs Nadeln mit Wahlversprechen pinnen: Erbschaftssteuer, Energiesubventionen, Zuschussrente, Mindestlohn, Vermögenssteuer und die Frauenquote.

Nicht nur die "Süddeutsche Zeitung" hat die Aktion verrissen ("Nicht zum ersten Mal fällt die Lobbyarbeit der INSM durch Peinlichkeiten auf"), auch im Netz ist das Echo negativ. "Voll plemplem" kommentiert ein Facebook-Nutzer auf der INSM-Seite. "Peinlich" und "geschmacklos" - so lauten die Kommentare auf Twitter. Noch hätte man zu wenig Reaktionen erhalten, um ein einheitliches Bild daraus gewinnen zu können, sagt der INSM-Sprecher gegenüber W&V.

Man wolle mit der Aktion "Verfluchte Wahlversprechen" zeigen, dass viele "Wahlversprechen, die gut gemeint sind, schmerzhafte Auswirkungen für den Bürger" hätten, so Sprecher von Hennet. Doch die Frage danach, welche negativen Auswirkungen denn eine Frauenquote hätte, bringt den Sprecher ins Schwimmen. Eine Frauenquote helfe ja nur ambitionierten Frauen, die ohnehin auf dem Sprung in die Vorstandsetage stünden, nicht aber den zahlenmäßig viel häufiger vertretenen Frauen, die nach einer Babypause den Berufseinstieg suchten,weicht von Hennet aus. Ihre Arbeit erfahre durch eine Frauenquote aber nicht automatisch mehr Wertschätzung. Die mageren Argumente muss er später selbst wieder gerade rücken: Der Neujahrsgruß sei ja scherzhaft gemeint gewesen und nur mit "begrenzter intellektueller Unterfütterung" gestaltet worden.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft macht seit ihrer Gründung 2000 Lobbyarbeit. Finanziert wird sie von der Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie. Nach eigenen Angaben hatte sie 2012 einen Etat von 6,97 Millionen Euro zur Verfügung.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



4 Kommentare

Kommentieren

Anonymous User 8. Januar 2013

Wenn die Initiative Nicht-Soziale Murkswirtschaft einen Etat (2012) von 6,97Mio.€ bekommt, dann kann das Geld schonmal nicht den arbeitenden Bürgern als Lohn/Gehalt gezahlt werden... Das halte ich für schmerzhafte Auswirkungen.
Wie viele Hartz-IV-Sätze sind das eigentlich?

Und ernsthaft: Wie kann man so dreist sein, Mindestlohn und Vermögenssteuer in einen Topf zu werfen? Da ist "begrenzte intellektuelle Unterfütterung" noch geschmeichelt, bei so einer perfiden Rhetorik. Übelst!

Anonymous User 8. Januar 2013

@Moritz: Mit Verlaub, lieber Moritz, aber in Branchen, die vom Mindestlohn betroffen wären, ist der Investitionsbedarf ja doch eher gering. Ich kenne jedenfalls keinen Friseur oder Gastronom, der einen riesigen Maschinenpark benötigt. Ich bleibe dabei: Dieses Mailing ist ein handwerklich schlecht durchdachtes Werbemittel einer scheinheiligen und überflüssigen Arbeitgeber-Lobbygruppe.

Anonymous User 8. Januar 2013

Sascha, denke bitte einen Schritt weiter: Mindestlohn ist eine zweiseitige Münze:

Seite 1: Mehr Geld für den Arbeitnehmer, also mehr Geld in den Konsum.
Seite 2: Höhere Kosten für Arbeitgeber, weniger Raum für Wachstum und Neuinvestitionen (inkl. neuer Arbeitsplätze) - im bösesten Fall Insolvenz und Vernichtung anderer Arbeitsplätze.

Kann also Füllhorn oder Sargnagel sein für den gemeinen Bürger.

Anonymous User 8. Januar 2013

Die Sache ist einfach nicht sauber durchdacht. Warum soll z.B. der gemeine Bürger unter der Nadel "Mindestlohn" leiden? Das Voodoo-Männchen steht wohl eher für die "notleidenden" Arbeitgeber der Metallindustrie, die die INSM laut Wikipedia zu fast 100% finanzieren. An diesem Werbemittel zeigt sich die generelle Verlogenheit der INSM: Sie stellt sich nach außen wie eine Bürgerbewegung dar, ist aber lediglich eine ordinäre Lobbyorganisation der Unternehmer.

Diskutieren Sie mit