Bündelung in Düsseldorf und Berlin :
Saatchi & Saatchi schließt Standort in Frankfurt

Im September hatte CEO Christian Rätsch die Gerüchte noch dementiert, nun steht fest: Saatchi & Saatchi schließt den Standort in Frankfurt. Dafür soll Düsseldorf deutlich ausgebaut werden.

Text: Brigitte Bauer

Als "Quatsch und absurd" bezeichnete Christian Rätsch noch Mitte September Gerüchte, wonach Saatchi & Saatchi überlege, die Standorte Berlin und Frankfurt zu schließen. Der Standort Frankfurt befinde sich in zwei großen Pitches um namhafte Marken, erklärte der Agentur-CEO im Gespräch mit dem "Kontakter" (Ausgabe 39). "Derzeit kämpfen wir jedoch mit der Reduktion historisch großer Netzwerkkunden in Frankfurt. Wie die Jahresendralley ausgeht, ist noch offen", so Rätsch. Dieser Kampf ging offensichtlich verloren. Die Agentur erklärt nun in einer Mitteilung, dass der Frankfurter Standort 2016 geschlossen wird. Das Geschäft von Saatchi & Saatchi Deutschland wird in Düsseldorf und Berlin gebündelt.

Die bisher in Frankfurt betreuten Unternehmen sollen vom Düsseldorfer Team übernommen werden, das Managing Director René Menzel und ECD Alexander Reiss leiten. Das Personal an dem Standort wird aufgestockt, den betroffenen rund 40 Frankfurter Mitarbeitern werden Übernahmeverträge für Düsseldorf angeboten, so die Agentur. 

Der Standort in Berlin mit den Schwerpunkten Digital und B-to-B bleibe von den Verschiebungen in Richtung Düsseldorf unberührt. Die Zusammenarbeit der Standorte soll jedoch intensiviert werden. In Planung sind eine Job-Rotation und ein Austauschprogramm für Mitarbeiter zwischen Düsseldorf und Berlin. "Wir bei Saatchi & Saatchi haben uns auf die Fahne geschrieben, eine besonders attraktive Arbeitskultur mit entsprechenden Arbeitsbedingungen zu schaffen", erklärt CEO Christian Rätsch. Und er spricht davon, gemeinsam mit den Mitarbeitern "die nächste Stufe für Saatchi & Saatchi Deutschland zu zünden".

Die Agentur verkauft die Schließung des Standortes denn auch als Aufbruch in neue Zeiten: "Wir bündeln unsere Aktivitäten in Deutschland künftig an zwei Standorten. So können wir unser Leistungsportfolio weiter ausbauen, wovon alle unsere Kunden standortunabhängig profitieren. Christian haben wir gebeten, Saatchi & Saatchi Deutschland eine tragfähige Agenturstruktur zu geben, die uns fit für die Zukunft macht. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Schritt genau auf dem richtigen Weg sind", sagt Justin Billingsley, COO von Saatchi & Saatchi Worldwide.

Christian Rätsch führt die Agentur weiterhin gemeinsam mit Dirk Göbel (COO), Alexander Stendel (CTO), Simon Thun (CSO) und Patricia Zimmermann (CFO).

Christian Rätsch ist seit gut zwei Jahren CEO von Saatchi & Saatchi. 2015 hat er die Agentur neu ausgerichtet, will sie von einer Briefing- zu einer Coaching-Agentur entwickeln. "Wir warten nicht auf das Briefing, sondern sind beim Kunden vor Ort und beraten an seiner Kundenschnittstelle. Da bedarf es des Industrie-Know-hows", sagt Rätsch im Gespräch mit dem "Kontakter". Für zehn Kollegen sei das ein Grund gewesen, zu kündigen. Zehn Prozent Fluktuation im Jahr findet er normal, gar gesund. Und er sieht seine Agentur voll auf Kurs. 

Das Neukundengeschäft entwickele sich für Saatchi & Saatchi gut. Damit dementierte Rätsch Gerüchte, wonach sich seit seiner Berufung zu wenig ­getan hätte. Er genieße "volles Vertrauen vom Netzwerk." Die Beziehung international sei "niemals besser" gewesen, so Rätsch. Die weltweiten Chefs Justin Billingsley und Robert Senior suchten Rätsch damals für den Posten aus. Die drei sprechen regelmäßig.

Die Akquisition der digitalgeprägten B-to-B-Agentur Saatchi & Saatchi Pro habe sich mehr als ausgezahlt, so Rätsch. Für Union Investment setzt die Agentur erstmals digitale Projekte um. Mit Merck Serono hat das Pharma­unternehmen Saatchi ein zweites Standbein neben den anderen Marken anvertraut. Lediglich die Kunden Aida und Vivesco sind weg. Saatchi & Saatchi betreut Marken wie Toyota, Deutsche Telekom, P&G, GSK, Lexus, CosmosDirekt, Vorwerk, Targobank, Pepperl+Fuchs und Saunier Duval. (bb/fs)