Kreation des Tages :
Sie haben einen schlechten Ruf? Werben Sie damit!

Niemand muss perfekt sein, das gilt auch für Marken. Manchmal kann man schlechte Reputation sogar für kreative Werbung nutzen. W&V-Kolumnist Markus Sekulla über zwei Beispiele aus den USA.

Text: Markus Sekulla

Kundenbewertungen im Netz haben unser Konsumleben verändert. Was vor dem World Wide Web noch das klassische "Geh’ da nicht hin, der Wirt hat Mundgeruch" war, ist heute eine nüchterne Zahl, meistens zwischen 1 und 5, die darüber Auskunft gibt, wie gut ein Restaurant, wie gemütlich ein Hotel, wie gut ein Chef oder wir einfühlsam ein Arzt ist. Die Ratings sind meist essentiell mit dem Geschäftserfolg verbunden. 

Eine schlechte Bewertung schmerzt derbe. Bei einem meiner vergangenen Auftraggeber wurde nach schlechten Kommentaren eine Art Notstand ausgerufen. Nicht nur wurden die Mitarbeiter zusammengepfiffen, auch verbrachte man Stunden damit darüber nachzudenken, welcher Kunde es gewesen sein könnte... Höchstwahrscheinlich war es aber das Café von gegenüber... Die Schweine! 

Manchmal kann man eine schlechte Bewertung aber auch in etwas Positives umdrehen. Dies ist dem Snowbird Ski Resort in Utah, USA gelungen. Ob es Greg aus LA wirklich gibt, who knows.... Trotzdem trifft es jeden guten Skifahrer, der gerade am letzten Samstag im Stadion einen großen Schub Testosteron getankt hat, mitten ins Mark. 

Vorsicht: Das heißt nicht, dass ein Arzt mit "Die Pillen waren zu stark" oder ein Hotel mit "Hat den Baustellenlärm nicht ausgehalten" werben sollte. Vielleicht würde mich ein Arbeitgeber mit "Hat den Druck nicht ausgehalten" noch am ehesten triggern. 

Doch wie verbessert man seine Rankings auf den Bewertungsplattformen? Das kann auf klassischem Weg mit einer "Wäre es möglich, dass Sie eine gute Bewertung auf Tripadvisor für mich hinterlassen?"- Kundenansprache passieren oder über den ein oder anderen Trick. Sprich, wo es Bewertungen gibt, da kann man auch bei Agenturen positive Bewertungen kaufen. Wenn dies ein Restaurant tut, die Qualität aber trotzdem nicht gut ist, dann gehe ich da nicht mehr hin. Wenn ich jedoch bei einem Arzt oder einem Arbeitgeber Bewertungen sehe, die nicht der Wahrheit entsprechen, dann steht noch viel mehr auf dem Spiel.

People hate us on Yelp

Unvergessen die Idee eines Restaurants in San Francisco. Dessen Eigentümer waren leid, sich mehr um die Bewertungen der Gäste zu kümmern, als um alles andere. Trotz (nach eigener Aussage) gutem Essen und Service, haben immer wieder Nutzer schlechte Bewertungen gegeben, sodass "Botto Italian Bistro" bei kümmerlichen 2 Yelp-Sternen ein Dasein in der digitalen Diaspora fristete.

Da die Bitte um positiven Bewertungen nichts brachte, hat sich das Restaurant dazu entschlossen, Gäste um 1 Stern Bewertungen mit sarkastischer Beschreibung zu bitten. Als Anreiz gab es für die kreativste Antwort neben Ruhm und Ehre einer Newslettererwähnung noch einen Kochkurs.

Hier der Sieger: 

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Die Rechnung ging auf. Das Restaurant wurde zum Internetstar - wenn auch vielleicht nicht ganz so wie Mustafas Gemüse Döner in Berlin. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. 


Autor:

Markus Sekulla
Markus Sekulla

W&V-Kolumnist Markus Sekulla ist freiberuflicher Unternehmensberater im Bereich Kreative/Digitale Kommunikation. Er befasst sich in der nicht immer klar zu trennenden Frei-und Arbeitszeit am liebsten mit New Work, Trends, digitalen Kampagnen und kreativen Ideen.