WPP :
Snapchat-Agentur Truffle Pig kommt in Schwung

Die namensgebenden Trüffelschweine sind ungestüm: Auf die von Snapchat, "Daily Mail" und WPP gestartete Agentur Truffle Pig trifft das eher nicht zu.

Text: Ralph-Bernhard Pfister

Vor einem Jahr wurde die neue Agentur in Cannes vorgestellt: Inzwischen hat sie zehn Kunden.
Vor einem Jahr wurde die neue Agentur in Cannes vorgestellt: Inzwischen hat sie zehn Kunden.

Cannes Lions Festival 2015: Ein großes Boot dümpelt, wie so viele, im Hafen von Cannes. Auf der Business-Jacht der englischen Zeitung "Daily Mail" geht es geschäftig zu: Eine Pressekonferenz gibt den Start einer neuen Sorte von Agentur bekannt. Ihr Name: Truffle Pig. Entstehen soll dort "Social Content für Marken". Die Agentur stellt eine Mischung zwischen Social-Media- und Contentagentur dar. Neben Snapchat werden auch das Onlinepublikum der "Daily Mail" und andere Plattformen bespielt. An Truffle Pig sind WPP, die englische Zeitung "Daily Mail" und Snapchat selbst beteiligt. Laut "Guardian" die ersten beiden mit 40 Prozent, für Snapchat bleiben also 20 Prozent.

Alexander Jutkowitz, Chef von Group SJR (übernommen von WPP) wurde zum CEO von Truffle Pig ernannt. Der Hauptsitz der Zehn-Personen-Firma ist in New York mit einer Zweigstelle in Los Angeles, wo man in Snapchat Studios Mobile Video Ads (3V) produziert. "Truffle Pig ist die Wette auf eine vertikale Zukunft", betonte der damalige USA-Chef der "Daily Mail", Jon Steinberg. Am Ende, glaubt er, seien eines Tages alle Mobile Videos im Hochformat, User wollten ihr Display nicht drehen.

Etwas mehr als ein Jahr nach dem Start hat die Agentur noch nicht erfüllt, was der Auftakt versprochen hatte. Aber es geht stetig voran: Mit rund 20 SJR-Mitarbeitern arbeitet die Agentur für rund 10 Kunden, der wichtigste ist wohl NBC Universal.

Obwohl man die Trüffelschweine eine Snapchat-Agentur nennen könnte, schließen diese nicht aus, auch für Marken auf anderen digitalen Kanälen und mit anderen Formaten zu produzieren. Zum Portfolio gehört auch Audience Development, Insights und Datenanalyse. Und natürlich sind sie in Snapchats Partnerprogramm. Dieser Zugang und die Mischung zwischen Agentur, Content-Haus und Werbewelt macht das Unternehmen interessant - die kleine, agile Truppe kann einfach auch mal Dinge ausprobieren. Und auch, wenn noch große Verschiebungen ausgeblieben sind: Das Thema vertikale Videos wird schnell an Bedeutung gewinnen, nicht nur Snapchat setzt auf dieses Format. (Tom Sperlich/rp)

Auch andere Agenturen und Marken beschäftigen sich mit Snapchat. Welche Werbeformate und Marketingoptionen große Marken auf Snapchat nutzen, lesen Sie im dritten Teil  unserer vierteiligen Snapchat-Serie in der W&V-Ausgabe 34/2016 (Erstverkaufsdatum 22.8.2016).

Die Infografik aus Teil eins finden Sie hier. In Teil zwei geht es um Medien und Snapchat.


Autor:

Ralph Pfister
Ralph-Bernhard Pfister

Ralph Pfister ist Koordinator am Desk der W&V. Wenn er nicht gerade koordiniert, schreibt er hauptsächlich über digitales Marketing, digitale Themen und Branchen wie Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Sein Kaffeekonsum lässt sich nur in industriellen Mengen fassen. Für seine Bücher- und Comicbestände gilt das noch nicht ganz – aber er arbeitet dran.