Dokyo setzt auf individuelle Förderung.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu
a) Home-Office?
b) Sabbaticals?
c) flexiblen jährlichen Urlaubszeiten?
d) flexiblen Arbeitszeiten?
e) Job-Tausch mit anderen Niederlassungen bzw. Partnerunternehmen?
f) eigenen Herzensprojekten außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?
g) bezahlten Überstunden?

Das Erste, was mir bei den ganzen New-Business- und Buzzword-Modellen etwas zu kurz kommt, ist die Mitarbeiterbindung durch die fachliche Einbindung. Ich finde, die Leute müssen zuerst einmal die Möglichkeit haben, richtig tolle Dinge zu machen! Dinge, auf die sie stolz sein können. Das ist das Allerwichtigste. Schlechte Jobs können nicht durch Firmenyoga und Netflix-Abos kompensiert werden. Junge Talente sollen zu uns kommen, um zu gestalten. Nicht um Firmenkühlschränke mit Fidschiwasser auf Instagram zu posten. Aber natürlich versuchen wir alles, damit wir uns hier bei Dokyo so wohl wie möglich fühlen.

Je größer die Lust, morgens durch die Tür zu kommen, desto besser für uns alle. Und dafür haben wir dank unserer Größe und Unabhängigkeit alle Möglichkeiten, vor allem individuelle Mitarbeiterwünsche umzusetzen: So bereist gerade eine Beraterin Südamerika, ein Kreativer geht im Sommer für drei Monate nach China, um dort als Dozent seinen akademischen Traum zu verwirklichen. Ein anderer Kollege hat sein eigenes und erfolgreiches Special-Interest-Magazin, während sein Tischnachbar Baseball-Caps für Amateurfußballklubs designt. Das ist natürlich mit einem Organisationsaufwand für Dokyo verbunden. Aber es ist ein Gewinn, weil wir und unsere Kunden neue Impulse bekommen. Was flexible Arbeitszeitmodelle angeht, haben wir damit in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht, gerade bei unseren Vätern und Müttern in der Agentur. Aber grundsätzlich gibt es für uns keinen Grund, auf klassische 40-Stunden-Modelle zu bestehen.

Kann man machen: ADC-Nägel als Gaderobe.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für
Mitarbeiter?
Unser größtes Incentive ist die persönliche Gestaltungsfreiheit. Der Agenturraum gehört allen, die hier arbeiten. Wenn jemand von uns freitagabends in den Büroräumen feiern will, soll er das machen. Finden wir super, aber er muss auch hinterher bitte wieder alles aufräumen. Minitischtennisplatten, Yogastunden, der Superfreitag, das sind alles Wünsche der Mitarbeiter. Trotz der vielen Möglichkeiten, seine Arbeit selbst einzuteilen – wenn man Schlafen mal abzieht –, verbringen wir hier alle mehr Zeit miteinander als mit unseren Partnern und Familien. Da braucht es ein Gemeinschaftsgefühl und viel Raum für Blödsinn. Das andere wichtige Incentive sind Fortbildungen in Form von Reisen. Wir sind regelmäßig auf der SXSW, The Next Web, Re:publica, bei E-Sports-Events oder anderen Festivals. Immer in kleinen Gruppen, die dann hinterher allen anderen in Mini-Keynotes erzählen, was es für neue Ideen gibt, die die Medien bewegen.

Dokyo lädt auch mal zur SXSW ein.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den
Mitarbeitern besonders wichtig?
Wir sind kein Riesenladen. 30 Kolleginnen und Kollegen auf zwei Etagen. Da kriegt man jeden Tag mit, wie es um die allgemeine und individuelle Zufriedenheit steht. Darüber hinaus pflegen wir die Kultur des 48-Stunden-Feedbacks: Innerhalb von 48 Stunden kann und muss man alles loswerden können, was man im fachlichen Prozess oder sozialen Miteinander supertoll oder superschrecklich fand. Jahresgespräche sollte man dafür nutzen, Ziele zu erörtern und Pläne zu schmieden, wie wir sie zusammen erreichen können.

Hand aufs Herz: Wie ist bei Ihnen die Frauenquote?
Wie hoch die Quote der Mitarbeiter über 45? Und unter 25?
Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt?
Sie liegt bei 50 Prozent. In der Kreation sind wir im Moment etwas männerlastiger. Dafür suchen wir übrigens gerade wieder Verstärkung. Falls es eine tolle Kreative liest, bitte sofort bei uns melden. Unser Altersdurchschnitt beträgt 31 Jahre. Wenn man sich die letzten zehn Jahre ansieht, sind wir durch unser Wachstum konstant jünger geworden. Die durchschnittliche Verweildauer im Unternehmen haben wir nicht erhoben. Die Fluktuation ist aber gering, ich kann mich an jeden Weggang der letzten Dekade mit Namen und Gesicht erinnern.

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie steht Ihre Agentur zu dem Thema?
Wie gesagt, jeder Dokyo-Mitarbeiter hat bei der Umsetzung der Arbeit Gestaltungsmöglichkeiten, das betrifft auch seinen Schreibtisch. Solange er halbwegs ordentlich bleibt, falls jemand vorbeikommt. Außerdem glauben wir daran, dass ein klarer Gedanke eher an einem aufgeräumten Tisch entsteht. Und es macht viel mehr Spaß, sich morgens an einen Tisch zu setzen, wo alles übersichtlich ist, als an einen Altar voller Gebimmel.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?
Wir bezahlen gut. Ich glaube aber nicht, dass transparente Gehälter arbeitnehmerfreundlich sind. Das führt ganz schnell zu einer ganz unangenehmen und ungesunden Form von Unruhe nach dem Motto: "Oh Gott, der Junior macht es für die Hälfte und ist auch noch den ganzen Sommer im Büro." Individuelle Gehälter spiegeln bei Dokyo die aktuellen und vergangenen Leistungen wider. Außerdem ist bei uns eine 40-Stunden-Woche auch wirklich noch eine 40-Stunden-Woche.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?
Um das zu erfahren, müssten Sie schon als Junior bei uns anfangen.

Mehr Agenturporträts, u.a. von Jung von Matt, Scholz & Friends und Serviceplan finden Sie in unserem Dossier Arbeitswelt Agenturen.

Mehr zum Thema Gehalt in Agenturen in unserem Dossier Gehalts-Check


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.


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