Kreation des Tages :
Spec Spot mit Herz für Ultras - aber anders, als man denkt

Den Förderpreis der deutschen Werbefilmakademie nutzen Miguel Schmid und Magali Herzog für eine Hommage an die Fußballfans schlechthin. Die Pointe aber überrascht nicht nur harte Ultras.  

Text: Frauke Schobelt

Der Spec Spot setzt den Ultras ein Denkmal. Und verknüpft sie dann kühn mit einem Produkt, das so gar nicht zu ihnen zu passen scheint. Oder vielleicht doch?
Der Spec Spot setzt den Ultras ein Denkmal. Und verknüpft sie dann kühn mit einem Produkt, das so gar nicht zu ihnen zu passen scheint. Oder vielleicht doch?

„Mit Ultras gegen Stigmatisierung: Gute Idee!”

Sie leben nicht nur in WM-Zeiten für den Fußball, sondern immer. Aber Ultras sind mehr als nur fanatische Fußballfans, die mit allen Mitteln ihre Fan-Kultur hoch halten. Ultras in all ihren Ausprägungen sind eine Bewegung, eine eigene Subkultur, mit eigenen Regeln und Gesetzen. Oft und aus Prinzip auf Krawall gebürstet, nicht nur gegen die Fußball-Gegner, sondern auch die eigene Vereinsführung und Sponsoren.

Diesen harten Kerlen setzt der Spec Spot "Ich bin ein Ultra" ein Denkmal. Und verknüpft sie dann kühn mit einem Produkt, das so gar nicht zu ihnen zu passen scheint. Oder vielleicht doch?

Förderpreis der deutschen Werbefilmakademie

Möglich wurde der aufwändig inszenierte Film durch den Förderpreis der deutschen Werbefilmakademie, den die Nachwuchsfilmer Miguel  Schmid und Magali Herzog 2017 gewonnen haben. 20.000 Euro Produktionsbudget steht ihnen zur Verfügung, sowie 15.000 Euro Mediaetat von Kinovermarkter WerbeWeischer.

Schmid und Herzog hatten die Idee, führten Regie und sind verantwortlich für den Schnitt. Unterstützt wird das Duo von der Filmproduktion Iconoclast Germany (Executive Producer: Tim Augustin & Nils Schwemer, Kameramann: Christian Huck, Postproduktion: SLGH Berlin, Gloss Post-Production Hamburg).

Ihr Werk sehen sie als Konkurrenz-Entwurf zur "Keep Control"-Kampagne von Tena Men, die mit dem schwierigen Tabu-Thema Blasenschwäche bei Männern ironisch umgeht. Die Kundschaft von Tena sei zu 51 Prozent männlich und schätze anonymes Online-Shopping. Ein Wachstumsmarkt mit einem Potenzial, das ihrer Ansicht nach auch die typische Frauenmarke Always nutzen sollte. 

Gegen die Stigmatisierung

Die Nachwuchsfilmer nutzen ebenfalls Ironie, die dadurch entsteht, dass sie bewusst auf den Kontrast und eine Marke setzen, die vor allem mit weiblichen Werten verbunden wird. Der Anspruch von Always, mit Kampagnen wie #likeagirl die Stigmatisierung im Rollendenken zu durchbrechen, treiben sie mit ihrer Idee noch eine Stufe weiter. Sie thematisieren die Stigmatisierung von Männern und wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Binden nicht nur Frauen helfen.

Wichtig ist ihnen dabei, die "betroffenen Männer ernst und würdevoll" anzusprechen, sie nicht zu verulken. Die Ultras und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl nutzen sie dabei als Sinnbild für männliche Stärke, der eine körperliche "Schwäche" nichts anhaben kann. "Ziel ist es, sich von allgemeinen Stigmatisierungen in der Gesellschaft zu verabschieden und zu zeigen, dass Personen trotz körperlichen Schwächen dominieren und idolisieren können", heißt es in ihrem Konzept.

Die Jury der Werbefilmakademie haben sie damit überzeugt. Der Spec Spot ist außerdem beim Berlin Fashion Film Festival in allen Hauptkategorien nominiert. 

   

„Mit Ultras gegen Stigmatisierung: Gute Idee!”


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.