Spec-Spot gegen Burnout :
Überleben in der Wüste namens Arbeitsalltag

Ringsum nichts als Sand und Dünen, dem eigenen Verstand ist auch nicht mehr zu trauen. So warnt dieser Studentenfilm vor Burnout.

Text: Susanne Herrmann

Verzweifelt, allein und: Je weiter er geht, desto weniger ist ein Ende absehbar. Der Spec-Spot von Studenten thematisiert Burnout.
Verzweifelt, allein und: Je weiter er geht, desto weniger ist ein Ende absehbar. Der Spec-Spot von Studenten thematisiert Burnout.

Filmstudent Peer-André Grote inszeniert gekonnt die völlige Ausweglosigkeit, die schließlich zum Burnout - klarer gesagt: in die Depression - führt. Denn er setzt seinen Protagonisten in eine endlose Wüstenlandschaft. Das weckt vielleicht beim einen oder anderen Urlaubsgedanken. Unendliche Weiten, glitzerndes Sonnenlicht, Landschaft, die das Auge entspannt.

Doch es ist eine feindliche Umgebung, in die das Studententeam der Filmakademie Baden-Württemberg ihren Hauptdarsteller geschickt hat. Er ist umgeben vom Immergleichen, kein Ausweg ist zu sehen, den Kampf ums Überleben kann der Mann nur verlieren. Ein "Walking Dead", wie er aus dem Off sagt, halb schlafend, halb wach.

Die Filmstudenten wollen mit der Wüste als Metapher den Leistungsdruck und den nie enden wollenden Kampf um Erfolg und Anerkennung am Arbeitsplatz sichtbar machen. Das ist aus einem weiteren Grund eine gute Idee: Menschen, die in ihrer Depression gefangen sind, fühlen sich ebenso allein, völlig isoliert, ihrer Wahrnehmung können sie nicht mehr vertrauen - aber wie lässt sich Wahn von Wahrheit unterscheiden ohne diese Fähigkeit?

Ihren Spec-Spot, also Werbefilm ohne Auftraggeber, haben die Filmakademie-Studenten der International Labour Organization (ILO) gewidmet, die sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen überall auf der Welt engagiert. Das studentische Filmteam um Peer-André Grote (Regie, Konzept, Schnitt), Kameramann Julian Steiner und Producer Hannes Höhn wollte nicht "tatenlos zusehen", wie in einer schnelllebigen Welt immer mehr Menschen am beruflichen und  privaten Druck zerbrechen. Und machten sich im Herbst an die Arbeit für ihren Spot, der ein Bewusstsein schaffen soll für Burnout und Depression.

"Er soll Betroffenen zeigen, dass sie nicht alleine sind, und denjenigen zu denken geben, die direkten Einfluss auf das Wohl ihrer Mitarbeiter haben", formulieren es die Studenten. Ihr Film ist online abrufbar.

Die Botschaft von Grote, Steiner und Höhn ist eine, mit der wir sie gern ins Wochenende schicken, falls sie den Brückentag verpasst haben: Es gibt ein Leben nach der Arbeit. Passen Sie auf sich auf!


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.