Protestaktion :
Unbezahlte Rechnungen: Designer kapert Kunden-Website

Wegen unbezahlter Rechnungen hat ein deutscher Designer die Website einer US-Fitnessstudio-Kette vom Netz genommen. Statt auf den Web-Auftritt gelangt man über die URL jetzt auf ein Protestschreiben des Kreativen.

Text: Markus Weber

- 11 Kommentare

Wegen angeblich unbezahlter Rechnungen hat der deutsche Web-Designer und Postproduction-Spezialist Frank Jonen die Website einer US-Fitnessstudio-Kette gekapert und vom Netz genommen. Statt auf den Web-Auftritt gelangt man über die URL http://fitnesssf.com jetzt auf ein Protestschreiben des Deutschen. In dem Brief adressiert er die Fitness-SF-Kunden direkt, schildert die Hintergründe, bittet um Verständnis und Solidarität sowie darum, die damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.

Nach Jonens Angaben hat der Designer die Arbeitskraft eines halben Jahres in den Auftritt der Kette  gesteckt. Er schreibe auch im Namen der zehntausenden von Freelancern und Klein-Agenturen, deren Rechnungen - oft von weit größeren Auftraggebern - ebenfalls häufig unbezahlt blieben. Die Fitnesskette, die im Raum San Francisco über mehrere Studios verfügt, bestreitet nach Angaben des Marketing-Blogs "The Wall", dem Deutschen Geld zu schulden. Im Gegenteil: Jonen sei zwar bezahlt worden, habe aber nie geliefert.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.



11 Kommentare

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Anonymous User 18. Februar 2013

Lieber Andreas Frank: Herzlichen Dank für Ihren Hinweis.

Anonymous User 17. Februar 2013

Alte Welt - neue Welt: was wäre, wenn es sich um ein Auto in einer Werkstatt handelte und der Werstattinhaber das Auto nicht herausrücken würde, da noch eine (vorherige) Rechnung offen wäre...wie würde wohl ein Gericht entscheiden...

Anonymous User 16. Februar 2013

In der Zwischenzeit hat Fitness SF raegiert und gegenüber der Adweek angeführt, dass Frank Jonen 5.000 US$ bei Auftragserteilung erhalten hat, dann Deadlines versäumte und deshalb keinen Anspruch auf weitere Zahlungen hätte. Der Wortlaut der Erklärung auch unter http://www.Pixeltalk.de

Anonymous User 16. Februar 2013

Hhmmm, so sehr ich auch Verständnis für solch eine Aktion hätte, aber die Sache sieht bei näherer Betrachtung doch recht dubios aus.

Ein alte Seite von fitnesssf.com wird nicht bei wayback machine gefunden. http://web.archive.org/web/*/http://fitnesssf.com/
Facebookseiten, auf die der Kollege in seinem offenen Brief (am Fusse) verlinkt, existieren nicht. Frank Jonen hat ne Seite ohne Impressum und der Eigentümer der url ist auch gut versteckt.
http://www.networksolutions.com/whois/results.jsp?domain=frankjonen.com

Beurteilungen bei yelp gibt es auch erst seit Januar 2013. Ungewöhnlich für ein Unternehmen, dass angeblich schon seit Jahren existiert oder?

Und ein amerikanisches Unternehmen in San Francisco lässt es zu, als Eigentümer seiner url einen Frank Jonen in Idstein, Hauptstrasse 15 eintragen zu lassen?...

Sorry...

Wenn am Ende herauskäme, dass es sich hierbei um eine besonders „kreatiefe“ Werbeaktion handeln würde (für wen auch immer), dann fiele mir dazu wirklich nix positives ein. Aber es gibt ja bestimmt Social Media Spezialisten, die mir das ganz genau erklären können, nicht wahr?

Anonymous User 15. Februar 2013

@soso
Nicht wenn der Gerichtstand Deutschland ist. Und nicht wenn die Sache mit dem unbezahlten Rechnungen war ist.
Wenn die Fitnesskette keine Kohle rausrücken wollte, um den Typen zu bezahlen, werden die woll kaum die Kohle aufbringen, um einen überteuerten Anwalt zu engagieren. Zudem kommen auf die Kläger noch Kosten für die Bearbeitung über das Auswärtige Amt zu und, und, und.
Die Fitnesskette hätte lieber die Leistungen zahlen sollen und sich den Shitstorm ersparrt, der sie evtl. einen Haufen Kunden kosten könnte. Für mich sieht es so aus, als hätten die das Social Media Echo unterschätzt und gewaltig den Kürzeren gezogen.
Bin gespannt wie sich die Sache entwickelt.

Anonymous User 15. Februar 2013

Geht gar nicht! Wenn er gültige Verträge hat und die Kunden schriftlich seine Arbeit abgenommen haben, dann hätte er auch den normalen gerichtlichen Weg einschlagen können/müssen. Jetzt, sofern seine Angaben stimmen, muss er mit hohen Schadenersatzforderungen rechnen. Natürlich ist das ärgerlich, wenn man als Freelancer oder Agentur seinem Geld hinterherrennen muss, aber solche Guerilla-Methoden sind keine gute Eigenwerbung und zeichnen möglicherweise auch ein schlechtes Bild des Gläubigers. Aussenwirkung dieser Aktion ist suboptimal und eigentlich sollte ein Designer IMMER auf Aussenwirkung und Image bedacht sein, denn das erwarten seine Auftraggeber von ihm.

Anonymous User 15. Februar 2013

Den Kollegen kann ich sehr gut verstehen, auch in Deutschland läßt die Zahlungsmoral zu wünschen übrig. Ich habe vor Jahren die Branche gewechselt, da auch meine "Kunden" nicht zahlen konnten, bzw. noch Wochen später mein Honorar drücken wollten. Bin sehr froh, dass ich nicht mehr für die Werbebranche arbeiten muss. Ich mache nur noch Werbung und PR für mein eigenes Business.

Anonymous User 15. Februar 2013

Ich finde es sehr mutig von dem Kollegen und kann ihn voll und ganz verstehen! Mir wurde im letzten Jahr die 2/3 Leistungsberechnung über ein umfangreiches LiveStyle Magazin verweigert an dem ich über 3 Wochen ununterbrochen gearbeitet habe. Zu guter letzt wurde mein Name im Impressum durch Kraun ersetzt und damit mein Urheberrecht verletzt, bzw. gefälscht, nur damit das ander evtl. nachfolgende Dienstleister / Designer mich nicht auffinden können. Es gibt leider immer wieder schwarze Schafe und Ausbeuter denen man ihre unlauteren geschäftlichen Machenschaften verbieten muss und mit allen rechtlichen Mitteln dagegen vorgehen sollte!

Anonymous User 15. Februar 2013

@Hamburgerkunde: vorausgesetzt, wir sind einer Meinung, dass die Geschichte stimmt, was hast Du denn für ein Problem? Geht gar nicht, sagst Du? Geschäftsschädigend? Wer hat denn angefangen - schädigt Fitness-SF etwa nicht das Geschäft seines Dientleisters? Hä? Und dann: Gesetzliche Regelungen? Ist es nicht auch gesetzliche Regelung, seine Rechnungen gefälligst zu bezahlen? Echt wahr, Hamburgerkunde, mit Dir möchte ich jedenfalls keine Geschäfte machen. Frank Jonen jedenfalls hat alles richtig gemacht. Bravo.

Anonymous User 15. Februar 2013

Feine Aktion!
Nur werden ihn die Anwälte der Amis zerfleischen.
Die hätten aber so oder so nicht gezahlt.

Anonymous User 15. Februar 2013

Das geht mal grad garnicht. Gerade ein Dienstleister, der über sensible Daten verfügt wie Admin-Zugänge zu Webseiten, muss sich an die Regeln halten. Das der Kerl da machte, ist geschäftsschädigend und ich hoffe, es läuft ihm ordentlich ans Bein.
Anders wäre es ggfls gewesen, wenn er die alte Kundenwebseite wieder online geställt hätte, statt sich die Site für seine unlautere Angriffstaktik zu Eigen zu machen.
Es ist zwar genauso beanstandenswert, wenn Auftraggeber ihre Absprachen nicht einhalten, aus welchen Gründen auch immer, aber wir müssen uns halt alle an die gesetzlichen Regelungen halten.

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