Von der Texterin zur Krimi-Autorin: "Die heutige Agenturszene ist nicht lustig genug"

Fredrika Gers ist eigentlich freiberufliche Werbetexterin, jetzt hat sie einen Alpenkrimi geschrieben. Mit W&V Online sprach sie darüber, was Werbetexten mit dem Bücherschreiben verbindet, und warum Krimis in der Werber-Szene langweilig sind.

Text: Anja Janotta

Fredrika Gers ist eigentlich freiberufliche Werbetexterin, jetzt hat sie einen Alpenkrimi geschrieben. Die gebürtige Hamburgerin hat bei Springer & Jacoby Leo Burnett und Eiler & Riemel gearbeitet und war 20 Jahre lang Mitglied im ADC und saß in den Jurys für Web-Design und Fachanzeigen. Jetzt schreibt sie bereits an dem dritten Band ihrer Alpenkrimi-Serie, der zweite liegt schon bei Rowohlt. Der erste Band "Die Holzhammer-Methode" ist am 1. Juni erschienen.

Mit W&V Online sprach sie darüber, was Werbetexten mit dem Bücherschreiben verbindet, und warum Krimis in der Werber-Szene langweilig sind.

W&V: Texter oder Schriftsteller- welcher Beruf macht Ihnen mehr Spaß?
Das kann man gar nicht so pauschal sagen. Wenn man eine interessante Aufgabe hat und der Kunde hinterher zufrieden ist, dann macht Texten einen Riesenspaß.
 
Ihr Buch ist erst seit dem 1.Juni auf dem Markt und hat es bereits auf 35 Rezensionen bei Amazon gebracht. Ist da ein Marketingprofi am Werk?
Meine Leser sind erstaunlich meinungsfreudig. Aber es ist garantiert keine Guerilla-Aktion des Verlags.

Darf ein Marketingprofi denn bei der Vermarktung seines Buches mitreden?
Ja, es ist sogar gewünscht, dass ich selbst die Trommel rühre. Natürlich hat Rowohlt eine Pressefrau und auch jemanden für Social-Media, die sich beide sehr einsetzen. Aber gerade hier vor Ort habe ich selbst sehr viel gemacht: Ich habe zum Beispiel die Buchhandlungen im Berchtesgardener Land abgeklappert und mit den lokalen Medien gesprochen. Und ich habe meine eigene Website und bin auf Facebook aktiv.
 
Die Agenturbranche mag ja vor allem junge Mitarbeiter. Ist denn Autor ein passables ‚Ausstiegsszenario‘ für einen Texter?
Es gibt bestimmt mehr ältere Autoren als ältere Texter. Aber empfehlen kann man das niemanden, der mit der Schriftstellerei gezielt seinen Lebensunterhalt verdienen will. Der Erfolg ist einfach nicht planbar.
 
Kann man das als Texter eher – gezielt mit diesem Job seinen Lebensunterhalt verdienen?
Sicher sind ein gutes Sprachverständnis, Kreativität und noch ein paar kognitive Fähigkeiten Schlüsselqualifikationen für beides. Aber als Texter kann man gezielter nach einem Job suchen. Dennoch ist es natürlich davon abhängig, wo man einsteigt. Wenn ich nicht bei Springer & Jacoby angefangen hätte, hätte ich mir die zehn Jahre darauf nicht aussuchen können, wo ich arbeiten möchte.
 
Dieser Krimi  ist bereits ihr drittes Buch. Die ersten, die in den 90ern erschienen, spielten in der damals  boomenden Cyber-Szene. Der Holzhammer ist ein Alpenkrimi, wie sie gerade sehr angesagt sind. Warum spielt keiner Ihrer Krimis in der Agenturszene? Ist die etwa out?
Ich fürchte, die heutige Agenturszene ist einfach nicht lustig genug. Zehn Jahre nach Beigbeder kann man nicht mehr mit einem lustigen Werbekrimi kommen.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.