Scholz & Volkmer :
Zeit statt Zeug: Real verkauft Geschenke für null Euro

In ausgewählten Märkten der Handelskette Real können Kunden in der Vorweihnachtszeit Produkte kaufen, die zwar einen Wert haben, aber kein Geld kosten. Die Geschenkkarten von "Zeit statt Zeug" gehen auf die gleichnamige Initiative zurück, die Agenturchef Michael Volkmer, Scholz & Volkmer, ins Leben gerufen hat.

Text: Susanne Herrmann

Die Handelskette Real verkauft Produkte, die zwar einen Wert haben, aber kein Geld kosten? Klingt komisch, ist aber so: In der Vorweihnachtszeit gibt es bei Real Geschenkkarten von "Zeit statt Zeug", einer Initiative, die sich dafür einsetzt, statt überflüssiger Konsumgüter lieber gemeinsam verbrachte Zeit zu verschenken. Der Grundgedanke der Online-Plattform: Wir haben doch schon alles - ist da nicht die bessere Alternative zum iPod, zum Amazon-Gutschein, zum 22. Paar Socken, mehr Zeit mit lieben Menschen zu verbringen? 

Diese Anti-Konsum-Idee schafft nun ironischerweise den Sprung in den realen Handel. Obwohl die Geschenkkarten nichts kosten und stattdessen dem Kunden sogar Gelegenheit geben, direkt im Markt sein Konsumverhalten zu reflektieren. Konsumfreies Schenken dank Real? Ja. Die Warenhauskette traut sich, in drei Konsumtempeln in Hamburg, Karlsruhe und Wiesbaden ein Produkt zu anzubieten, das Konsum kritisiert und die Rückbesinnung auf Freunde und Familie propagiert. Das funktioniert so wie beim normalen Einkauf: Der Kunde legt die Geschenkkarte aufs Band und der Barcode wird gescannt - aber es werden 0,00 Euro auf dem Kassenzettel verbucht. Die Produktionskosten für die Karten, die klimaneutral auf biologisch abbaubarem Material auf Holz-Basis gedruckt werden, übernimmt Real. Die Karten werden zunächst testweise angeboten. Bei guter Akzeptanz ist dann eine deutschlandweite Einführung geplant – beispielsweise zum Valentinstag.

"Zeit statt Zeug" geht auf die gleichnamige Initiative zurück, die Agenturchef Michael Volkmer, Scholz & Volkmer, ins Leben gerufen hat. Die Idee baut auf dem Geschenkkarten-Boom auf: An Tankstellen, auf Postämtern, in Supermärkten füllen die Kärtchen von iTunes, Ikea, Amazon, H&M und und und meterlange Stellwände. Das scheint, so Scholz & Volkmer, ein Indiz für die zunehmende Einfallslosigkeit der Schenkenden zu sein - oder dafür, dass wir einfach schon so gut wie alles besitzen. Da ist es dann schwer, das Richtige zu schenken. Ein Gutschein überträgt die Wahl auf den Beschenkten, der Schenker ist aus dem Schneider. Die Geschenkkarten von "Zeit statt Zeug" unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht von denen anderer Anbieter. Doch geht es hier nicht um Geldbeträge, sondern Zeitgeschenke im Umfang von 60, 90 oder 120 Minuten. Anregungen im Stil von "Zoobesuch statt Stofftier" oder "Vorlesen statt Buch" gibt es gleich dazu. "Wir lehnen uns bewusst an die Gestaltung der gängigen Karten an", sagt Michael Volkmer. "Damit nutzen wir das bekannte Verhaltensmuster des Shoppings, um dem Kunden das Selbstverständlichste der Welt wieder näher zu bringen: Aufmerksamkeit zu schenken."

Online verbreitet sich die Idee rasch. Im ersten Jahr wurden bereits rund 15.000 Zeitgeschenke verschickt – von "Kochabend statt Kochbuch" über "Fotos gucken statt neue Kamera" bis zu "Waldluft statt Parfum". Nun gibt es außerdem eine Wunschzettel-Funktion, mit der man seinem Freundeskreis auf charmante Weise mitteilen kann, wie sehr man sich über einen persönlichen Besuch freut.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.