Nachruf :
Zum Tod von Stefan Kolle

Stefan Kolle ist überraschend mit 55 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Werbung einen ihrer besten und klügsten Menschen.

Text: Daniela Strasser

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Stefan Kolle: Agenturgründer, Kreativer und Visionär.
Stefan Kolle: Agenturgründer, Kreativer und Visionär.

Die Nachricht vom überraschenden Tod von Stefan Kolle hat die gesamte W&V-Redaktion betroffen gemacht. Der Gründer und Inhaber der Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe starb in der Nacht auf Mittwoch unerwartet und mit gerade einmal 55 Jahren. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder, denen unser Mitgefühl und unsere Gedanken gelten.

Stefan war ein außergewöhnlicher Mensch. Einer, den irgendwie alle mochten, ein – im wahrsten Sinne des Wortes – Sympathieträger. Mit seiner lockeren Art hat er eine der wichtigsten deutschen Werbeschmieden geprägt. Er war kein klassischer Werbemann, er war ein Kreativer mit Haltung.

Damit hat sich Stefan von vielen anderen in der Branche unterschieden. Er war oft leiser als die anderen, denen er auch in Gesprächen den Vortritt gelassen hat, wenn es die Situation verlangte. Ja, er war dezent, feingeistig und klug, nutzte dies allerdings nie dafür, andere schlecht aussehen zu lassen. Ich habe ihn in den Jahren, in denen ich ihn getroffen habe, nie auch nur ein einziges schlechtes Wort über Branchenkollegen verlieren hören - auch dann nicht, wenn er manchmal Grund dazu gehabt hätte.

"Kreativ sein zehrt aus", sagte er mir in einem unseren ersten Interviews. Es brauchte ein paar weitere Treffen und Gespräche, um zu verstehen, wie er das für sich genau meinte. Stefan Kolle hatte seine Augen und Sinne überall, er konnte sich für alles Mögliche begeistern und über vieles ausgiebig und mit leuchtenden Augen referieren.

"Perfekte Mischung aus Kreativem und Geschäftsmann"

Ganz besonders fasziniert war er von Designfragen. Den Traum hat er sich letztlich bei Kolle Rebbe mit dem Aufbau der internen Designabteilung Korefe verwirklicht. "Er denkt die Dinge immer vom Ende her und ist die perfekte Mischung aus Kreativem und Geschäftsmann", sagte sein Co-Gründer Stephan Rebbe über ihn, der die Agentur später verlassen hat. Zu Studienzeiten hatten die beiden gemeinsam in einer WG gelebt.

Stefan Kolle konnte teilen. Er war einer der ersten in der Branche, der verdiente Mitarbeiter an der Agentur beteiligt hat. Und er war empathisch. "Ich würde am liebsten alles abgeben, was ich kann, und mich nur noch auf Dinge konzentrieren, die mir am meisten Spaß machen", sagte er. Was ihn am meisten inspiriert hat? "Menschen. Und am zweitmeisten Wasser."

Stefan Kolle machte zum Ausgleich Yoga und reiste so oft es möglich war, nach Ibiza. Er erzählte viel und gerne von der Insel, die gleichzeitig sein ganz persönlicher Rückzugsort war. Und er merkte sich, was seine Gesprächspartner sagten, konnte auf sie eingehen, reflektierte Meinungen – was ihm nicht nur bei seinen Mitarbeitern ein äußerst hohes Ansehen und viel Wertschätzung eingebracht hat.

1994 haben sich Kolle und Rebbe selbstständig gemacht und nach und nach Kunden wie die Lufthansa, Tui und Ritter Sport betreut. Davor war Stefan Kolle Texter bei GGK in Wien und bei der Hamburger Agentur Baader, Lang, Behnken. Mit Kolle Rebbe hat er viele Kreativpreise und Auszeichnungen gewonnen, auch als "Agenturmann des Jahres" und "Agentur des Jahres" von W&V.

Er hat es sich verdient. Mit Stefan geht ein Mann, der die Werbung besser, innovativer und menschlicher gemacht hat. Der bereichernde Austausch mit ihm wird der ganzen Branche fehlen. Auch der W&V-Redaktion.

Und so verabschiedet sich sein Team ...


Autor:

Daniela Strasser, W&V
Daniela Strasser

Redakteurin bei W&V. Interessiert sich für alles, was mit Marken, Agenturen, Kreation und deren Entwicklung zu tun hat. Außerdem schreibt sie für die Süddeutsche Zeitung. Neuerdings sorgt sie auch für Audioformate: In ihrem W&V-Podcast "Markenmenschen" spricht sie mit Marketingchefs und Media-Verantwortlichen über deren Karrieren.



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Günther Smolej 17. September 2017

Gut und gefühlvoll formuliert. Respekt- und Würdevoll. Vorbildhafter Nachruf.

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