Interview :
"Europäer unterschätzen die Verankerung im Ökosystem Silicon Valley"

Wie kommt man im Silicon Valley an Investoren? Und wie wichtig ist das persönliche Netzwerk? Im dritten Teil der Serie über europäische Start-up-Gründer, die ins Silicon Valley gegangen sind, spricht W&V-Autor Franz Scheele über diese Fragen mit Roland Trimmel, dem Mitgründer des Start-ups Re-Compose .

Text: Franz Scheele

15. Aug. 2013 - 1 Kommentar

Wie kommt man im Silicon Valley an Investoren? Wie wichtig ist das persönliche Netzwerk? Muss man Angst vor Ideen-Klau haben? Was bedeutet es, ein Entrepreneur zu sein? Im dritten Teil der Serie über europäische Start-up-Gründer, die ins Silicon Valley gegangen sind (die beiden ersten Folgen finden Sie hier und hier), spricht W&V-Autor Franz Scheele über diese Fragen mit Roland Trimmel, dem Mitgründer des Start-ups Re-Compose . Der Österreicher baut gerade im angesagten Mission District von San Francisco ein Büro auf. Re-Compose entwickelt Produkte und Technologien, um Musik vollkommen interaktiv zu machen. Damit möchte das Unternehmen Komponisten und Musikproduzenten intelligente Werkzeuge in die Hand geben, mit denen sie ihre musikalischen Ideen schnell umsetzen können. Außerdem arbeitet das Start-up an sogenannter "adaptiver Musik", die sich über individuelle "Filter" dem aktuellen Zustand einer Person anpasst.

Herr Trimmel, was macht das Silicon Valley so besonders?

Hier kann man sehr schnell sehr viel lernen. Etwa über den Markt. Denn der besteht aus realen Menschen, mit denen man sprechen muss. Und die Leute hier werden dich dazu zwingen zu sprechen, das heißt, dein Projekt vorzustellen.

Viele europäische Start-ups kommen aber wohl auch deshalb hierher, um Investoren zu finden.

Das Geld liegt hier nicht auf der Straße. Das ist ein Mythos. Wenn jemand mit seinem Projekt Erfolg haben will, dann muss er zuerst seine Hausaufgaben machen. Und die sind sehr umfangreich. Es gibt dabei keine Vorgaben. Man muss selbstständig arbeiten. Man muss eine Hypothese aufstellen und die dann auf ihre Substanz überprüfen. Jeder muss das selbst herausfinden.

Aber wenn man seine Hausaufgaben erledigt hat, wie stellt man es dann an, Investoren für das Projekt zu gewinnen?

Wenn man hier als Europäer von jemandem Geld haben will, dann ist die erste Frage, die sich stellt: Wer bist du und wen kennst du? Und das "Wen kennst du" ist entscheidend. Du bist in einem fremden Land. Deine Idee mag ja toll sein, aber kannst du die richtigen Leute anheuern? Wie kommst du an diese ran? Woher kannst du Informationen beziehen? Viele Leute unterschätzen die Wichtigkeit dieser tiefen Verankerung im Ökosystem
Silicon Valley. Du kommst eben nicht hier her und holst einfach mal schnell Geld ab. Du musst zuerst Zeit investieren, um dir ein Netzwerk aufzubauen. Dieses Netzwerk musst du aber auch pflegen. Man muss umtriebig sein, Events besuchen. Das ist teilweise anstrengend, aber es ist Teil des Lebensstils hier.

Und wie tritt man dann mit potenziellen Investoren in Kontakt?

Wenn du in einem frühen Stadium deines Start-ups auf Investorensuche bist, dann ist es unsinnig, das Verzeichnis der Venture-Capitalist-Firmen durchzugehen. Was will man bei denen? Die Berechtigung, dorthin zu gehen, hat man nur, wenn man ein großartiges Produkt präsentieren kann, das bereits skaliert, bei dem der Weg zu Erlösen klar erkennbar ist. Ansonsten ist die Empfehlung, erst einmal jemanden zu überzeugen, der zum inneren Zirkel eines Angel Investors gehört. Denn jeder Angel Investor hat einen solchen Zirkel um sich, Leute, denen er vertraut, von denen er Informationen aufsaugt.

Gerade deutsche Start-up-Gründer zeichnen sich aber angeblich dadurch aus, dass sie aus Angst vor Ideen-Klau nicht gern über ihr Projekt reden.

Man sollte sich klar darüber werden, dass wohl kaum jemand an einer Idee arbeitet, die komplett einzigartig ist. Diese Angst vor dem Ideen-Klau hat oftmals etwas von Anfänger-Niveau. Wenn hier im Silicon Valley das eigene Netzwerk cool ist, und wenn man auf die richtigen Leute zugeht, dann hat man die Möglichkeit, sehr viel und sehr gezielt etwas von ihnen zu erfahren und zu lernen.

Wie geht man damit um, wenn ein solches Feedback eher kritisch ausfällt?

Das Feedback, das man hier teilweise bekommt, ist extrem kritisch. Das schwierige daran, ein Entrepreneur zu sein, ist es eben, tagtäglich zu überleben, und zwar mental, nicht so sehr finanziell. Denn bei den meisten Start-ups ist eine gewisse Kapitaldecke vorhanden, die zumindest das Überleben in den nächsten Monaten sichert. Das Feedback von einem Business Angel oder Venture Capitalist kann zermürbend sein. Es bringt einen allerdings auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es ist eine Her­ausforderung, man muss dieses Feedback verarbeiten, man spricht es mit einigen Leuten durch und nimmt die Kernpunkte heraus. Es geht nur darum, was man aus diesen Gesprächen lernt.


1 Kommentar

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Anonymous User 16. August 2013

Die Symbiose aus (amerikanischer) Universität und späterem Netzwerk ist nicht ganz unwichtig, beziehungsweise entscheidend für den Erfolg vieler US-Startups.

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