iPad: Mobile Websites oder Apps?

Das iPad stößt die nächste Welle von mobilen Anwendungen an. Doch im App Store gelten die Spielregeln des Betreibers. Mit mobilen Websites lässt sich das umgehen. Experten wie Dirk Kraus von Yoc oder Birger Veit von Cellular erklären, warum diese Alternative sinnvoll sein kann.

iPad & Co. gelten als Hoffnungsträger der Medienbranche. Aber gerade Apple setzt enge Grenzen in der Entwicklung und im Vertrieb der mobilen Anwendungen. Und so sind viele Verlage unzufrieden mit den strikten Spielregeln im App Store. Können mobile Websites da eine Alternative darstellen?

Mobile Web-Seiten sind nicht nur eine gangbare Alternative, sondern der sinnvollste Einstieg in das Mobile Internet“, erklärt YOC-Vorstand Dirk Kraus im Gespräch mit dem W&V-Schwesterblatt "Kontakter". Mobile Portale lassen sich schneller und in der Regel günstiger umsetzen als Apps. Dadurch, dass sie plattformunabhängig erreichbar sind, können sie zudem eine größere Reichweite erzielen als die mobilen Programme, die dem jeweiligen System (Apple, Android oder Blackberry) vorbehalten sind. „Darüber hinaus behält der Publisher die volle Distributionskontrolle“, sagt Kraus.

Dafür bieten Apps allerdings mehr Gestaltungsspielraum: „In der Regel lassen sie sich deutlich leichter, schneller und schöner bedienen“, erklärt Birger Veit, Geschäftsführer von Cellular. Direkt an das mobile Gerät angepasste Apps können dessen Rechenleistung und Features wie Bewegungs- und Neigungssensoren direkt ansprechen.

Clanmo-Geschäftsführer Joachim Bader nennt einen weiteren Aspekt: „Ganz allgemein bringt der aktuelle App-Hype auch einen App-Zwang für Marken mit sich.“ Die User suchen danach, so erzeugen die Apps auch Traffic. Für Marken mit breit gefächerten Zielgruppen empfiehlt er eine zweigleisige Strategie: eine mobile Site zur Grundversorgung und Apps mit Zusatzangeboten für die wichtigsten Plattformen. Andere Markenartikler seien aber „mit einer emotionalisierenden Fun-App als Marketing-Tool gut bedient und brauchen kein zusätzliches Mobile-Portal“.

Medien wie Spiegel Online verzichten auf die App: „Wir wollen auf allen Geräten verfügbar sein. Eine App schließt ein und ab, das ist nicht unsere Philosophie“, sagt Chefredakteur Rüdiger Ditz. Zudem bleibt die Wahl der Inhalte so unbeeinflusst von außen.

Die ProSieben-Sat.1 Group setzt dagegen alles ein: „Wir sind plattform-agnostisch. Unser Ziel ist es, unsere Inhalte möglichst effizient auf alle Bildschirme zu bringen“, sagt Marcus Prosch, Leiter Kommunikation Sales & Diversifikation. Mit neuen Technologien wie HTML 5 lassen sich mobile Auftritte in den Funktionen näher an Apps heranrücken.

Zurzeit ergänzen sich Apps und mobile Websites. Aber wir gehen davon aus, dass beide weiter zusammenwachsen“, sagt Ulrich Trinkaus, Chief Operating Officer von Seven Principles. „Langfristig werden sich browserbasierte Anwendungen, also mobil optimierte Portale, gegenüber den Applikationen behaupten“, prognostiziert Kraus von YOC. Derzeit hängt die richtige Strategie von der Marke, den Inhalten und der Zielsetzung ab: Apps bieten mehr gestalterische Freiheit, dafür unterliegen Firmen dann den Zwängen der Stores.


Autor:

Ralph Pfister
Ralph-Bernhard Pfister

Ralph Pfister ist Koordinator im Marketing-Ressort. Er schreibt hauptsächlich über digitales Marketing, digitale Themen und Branchen wie Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Sein Kaffeekonsum lässt sich nur in industriellen Mengen fassen. Für seine Bücher- und Comicbestände gilt das noch nicht ganz – aber er arbeitet dran.



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