Tomorrow-Focus-Studie :
Online-Bewertungen: 45 Prozent wollen nur helfen

Internetnutzer bewerten nicht etwa, um anderen eins reinzuwürgen - auch wenn es sich oft so liest. Die meisten wollen nur helfen, sagten sie in einer Befragung der Tomorrow Focus AG.

Text: Susanne Herrmann

Am meisten vertreten ist der "Hilfsbereite": Online-Bewertungen untersuchte Tomorrow Focus.
Am meisten vertreten ist der "Hilfsbereite": Online-Bewertungen untersuchte Tomorrow Focus.

Internetnutzer bewerten nicht etwa, um anderen eins reinzuwürgen - auch wenn es sich oft so liest. Die meisten wollen nur helfen, sagten sie in einer Befragung der Tomorrow Focus AG. In der Studie "Die Psychologie des Bewertens" hat der Münchner Internetkonzern mehr als 3000 Internetnutzer zum Thema Onlinebewertungen befragt. Die Hauptmotivation der Befragten sei, anderen mit ihrer Bewertung zu helfen. Die große Mehrheit bewerte vor allem positiv, so die Umfrage weiter - Frauen etwas häufiger als Männer. Am häufigsten bewertet wird  das Thema Reise: 
61,7 Prozent aller Befragten haben schon einmal eine Reise oder ein Hotel bewertet. Danach folgen Onlinehändler (61,3 Prozent), Restaurants (46,9 Prozent), Ärzte (35,9 Prozent), Elektronik (34,7 Prozent) und Kleidung (34,3 Prozent). 

Aus den Angaben auf die Frage, warum bewertet wird, wurden Typologien abgeleitet. Am stärksten vertreten ist "Der Helfer": 45 Prozent der Befragten geben eine Bewertung ab, um anderen zu helfen. Diesem Typ gehören tendenziell mehr Frauen (46,7 Prozent) als Männer (43 Prozent) an und mehr jüngere Befragte als Ältere (51,2 Prozent vs. 43 Prozent). 

Auf Platz 2 folgt "Der Optimierer": 18 Prozent der Befragten geben eine Bewertung ab, weil der Bewertete die Möglichkeit haben soll, sich zu verbessern bzw. seine gute Arbeit beizubehalten. Beim Optimierer zeigt sich ein fast ausgewogenes Geschlechterverhältnis (18,7 Prozent der Männer, 17,5 Prozent der Frauen), außerdem ist er eher älter. In der Tonalität weist der Optimierer mit 70,4 Prozent den kleinsten Anteil an positiven Bewertungen unter den Top-4-Typen auf und den größten Anteil an neutralen Bewertungen mit 24,2 Prozent.

"Der Emotionale" belegt Platz 3: 16,6 Prozent der Befragten geben eine Bewertung ab, weil sie sich bei dem Bewerteten bedanken oder sich Luft machen wollen. Das Geschlechterverhältnis ist hier fast ausgewogen (16,7 Prozent Frauen, 16,4 Prozent Männer). Dieser Typus bewertet mit 83,1 Prozent am häufigsten mehrheitlich positiv.



Der vierte Typ ist mit 11 Prozent "Der Motivator": Er bewertet, weil er möchte, dass andere ebenfalls die bewerteten Produkte kaufen bzw. Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Das Geschlechterverhältnis ist so gut wie ausgeglichen, jüngere sind hier etwas mehr vertreten als älteren Befragte. 11,7 Prozent der Motivatoren haben angegeben, mehrheitlich negativ zu Bewerten. Das ist der höchste Wert unter den genannten vier Bewertungstypen.

78,2 Prozent aller Befragten geben an, dass ihre Bewertungen mehrheitlich positiv seien – unter den Frauen ist der Anteil mit 81,9 Prozent höher als unter den Männer mit 73,9 Prozent. Dafür geben etwas mehr Männer an, neutral zu bewerten (19,1 Prozent vs. 13,1 Prozent). 98,3 Prozent der Befragten geben weiterhin an, dass sie versuchen beim Bewerten fair zu sein. 

Die Studie zeige, so die Auftraggeber, dass Bewertungen enormen Einfluss auf die Einstellung gegenüber einem Produkt oder einer Dienstleistung haben: 91,9 Prozent der Befragten sagen, dass ihnen Bewertungen Orientierung geben.
 Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor sei der Vertrauenszuwachs: 81,0 Prozent geben an, dass Bewertungen ihr Vertrauen steigern; auch die Kaufentscheidung wird durch Bewertungen mitbestimmt: 78,3 Prozent der Befragten geben an, dass Bewertungen ihre Kaufentscheidung beeinflussen.


74,4 Prozent der Befragten haben schon einmal eine Onlinebewertung abgegeben. Knapp ein Drittel davon (32 Prozent) tun dies "oft", "sehr oft" oder "immer", 47 Prozent "manchmal", 21 Prozent "selten". Bewerten ist weder Frauen- noch Männersache – beide Geschlechter bewerten ähnlich häufig: 30,7 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen bewerten "oft" oder häufiger. Die Befragten, die keine Online-Bewertungen abgeben, nennen am häufigsten folgende Gründe dafür: "Ich lese lieber Bewertungen, als selbst welche zu Schreiben" (34,5 Prozent) und "Ist mir zu aufwendig" (21 Prozent).

Interessant ist übrigens, auf welchen geräten die Bewerter ihr Urteil am liebsten abgeben: Laptops nutzen 71,7 Prozent der Befragten "manchmal", "oft" und "sehr oft". Am PC geben 63,4 Prozent "manchmal" bis "sehr oft" ihre Bewertung ab.  Tablet und Smartphone werden bereits von etwa einem Viertel der Befragten genutzt.

Tomorrow Focus betreibt selbst drei große Bewertungsportale. Im Reisebereich Holiday Check, die Hotelbewertungs- und Buchungsplattform Zoover sowie im Gesundheitsbereich das Arztempfehlungsportal Jameda. Zusammen kommen die drei Plattformen nach Angaben des Unternehmens auf knapp 12 Millionen Bewertungen.

Florian Weiß, Geschäftsführer von Jameda: "Die Ergebnisse decken sich mit den Erfahrungen, die wir tagtäglich bei jameda machen. Patienten geben mehrheitlich positive Bewertungen für Ärzte ab, und zwar aus Gründen der Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Patienten, aber auch, um dem bewerteten Arzt eine konstruktive Rückmeldung zu geben." 

Bei Holiday Check sei der Großteil der Bewertungen mit einer Weiterempfehlungsrate von fast 90 Prozent positiv.

Die Studie "Psychologie des Bewertens" wurde im Herbst durchgeführt. 3023 Teilnehmer wurden über das Onlinepanel "Tomorrow Focus Media Opinion Pool" sowie On-site im Tomorrow-Focus-Media-Netzwerk befragt. Die Ergebnisse sind im Newsroom des Konzerns online abrufbar.




Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.