Interview mit dem Gründer von Mobilegeeks :
Pallenberg und Daimler: "Ein Kulturschock für beide Seiten"

Jahrelang hat Sascha Pallenberg das Bild des kantigen Digital-Unternehmers und Bloggers gepflegt. Jetzt wechselt er zum Daimler-Konzern. W&V-Redakteur Frank Zimmer hat mit ihm über den überraschenden Jobwechsel gesprochen.

Text: Frank Zimmer

Sasacha Pallenberg wechselt am 1. Januar zu Daimler.
Sasacha Pallenberg wechselt am 1. Januar zu Daimler.

Jahrelang hat Sascha Pallenberg das Bild des kantigen Digital-Unternehmers und Bloggers gepflegt. Jetzt wechselt er in die Unternehmenskommunikation von Daimler. W&V-Redakteur Frank Zimmer hat mit ihm über den überraschenden Jobwechsel gesprochen.

Mobilegeeks ohne Sascha Pallenberg ist schwer vorstellbar. Warum steigen Sie jetzt aus?

Wie heisst es so schön: Man sollte dann aufhören, wenn es am schönsten ist. Mobilegeeks ist dieses Jahr um 45 Prozent gewachsen, unser bisher einzigartiges Monetarisierungskonzept funktioniert und ist sehr profitabel. Ich brauche eine neue Herausforderung, plus ich habe für mich eingesehen, dass es für mich im Techblogging nicht mehr viel zu gewinnen gibt. Also war es der richtige Zeitpunkt um ein neues Abenteuer anzugehen.

Und was ist Ihr neues Abenteuer?

Ich werde am 1. Januar zu Daimler gehen.

In welcher Funktion?

Ich helfe dabei mit ein neues Team für den Daimler-Content aufzubauen. Wir arbeiten praktisch wie Blogger und Journalisten und sortieren die wahnsinnige Flut an Inhalten, die innerhalb der Organisation auflaufen. Wir buddeln aber auch selber nach Stories. Unser Team besteht also aus Content-Trüffelsuchern.

Klingt nach Inhouse Agentur. Wo seid ihr genau im Konzern aufgehängt?

Wir schaffen da eine neue Abteilung in der Unternehmens-Kommunikation, was meiner Meinung nach die perfekte Positionierung ist. Ich sehe uns aber nicht als Agentur, sondern als Inhouse Publisher.

Welche Rolle spielt dabei die Looping Group, die gerade von Dominik Wichmann für Mercedes aufgebaut wird?

Hierbei handelt es sich ja um ein externes Redaktionsteam. Ich bin für intern. Wir werden aber sicherlich einige Schnittmengen haben. Ich zitiere mal meinen neuen Chef Jörg Howe, den Leiter der Konzernkommunikation: "Unsere Kunden trennen zwischen guten und weniger guten Inhalten - nicht zwischen Kanälen oder Abteilungen. Dementsprechend bauen wir in enger Verzahnung von Marketing und Kommunikation ein schlagkräftiges Redaktionsnetzwerk auf. Das Ziel: im Zusammenspiel von externer und interner Redaktions-Expertise relevanten Content für unsere eigenen Kanäle zu erstellen". Ich mache also intern und digital.

Sascha Pallenberg wird also wirklich Angestellter beim Daimler-Konzern. Jetzt interessiert uns natürlich der genau Jobtitel.

Ja, ich werde wirklicher Angestellter bei Daimler und hoffe ja immer noch, dass ich einfach nur meinen Namen, das Daimler Logo und "Experte" auf die Visitenkarte bekomme. Mein Job ist, das interne Redaktionsteam zu leiten.

Das Netz kennt Sascha Pallenberg eigentlich nur als Gründer und kantige Personenmarke, und Sie haben diesen Ruf auch durchaus kultiviert. Wie groß ist der Respekt vor Konzernstrukturen?

Ich habe umgehend nach einer Transformationsministerin gefragt, die mich in den ersten Monaten durch diesen Prozess führen kann. Seit 15 Jahren bin ich selbstständig, aber was man nicht vergessen darf, ich kenne natürlich derartige Strukturen durch meine Arbeit, und es hat sich ja auch eine Menge getan. Trust based Work, flexibles und ortsunabhängiges Arbeiten ist bei Daimler nicht mehr nur eine Buzzword-Wolke, was Dieter Zetsche ja auch mit seiner SWARM-Strategie auf den Punkt gebracht hat. Es wird ein Kulturschock für beide Seiten, aber ein energetischer und vor allen Dingen kreativer. Darauf freue ich mich.

Ziehen Sie komplett nach Stuttgart oder behalten Sie Wohnung und Standbein in Taiwan?

Das war meine erste Frage: darf ich in Taiwan bleiben? Ja, ich werde etwa die Hälfte des Jahres in Stuttgart im HQ verbringen und den Rest in Taiwan bzw. an anderen Daimler-Standorten, um von dort zu berichten.

Was wird aus Mobilegeeks?

Ich überschreibe es kommissarisch, würde aber gerne noch eine Kolumne auf der Seite übernehmen (die natürlich auch entsprechend gekennzeichnet wird). Wir haben versucht, Mobilegeeks zu verkaufen, aber zwischen dem von mir aufgerufenen Preis und dem, den die passenden Verlage bereit waren zu bezahlen, da lag dann doch zu viel "nichts". Das Schöne ist ja, dass ich Mobilegeeks nicht verkaufen muss. Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden, und die wird sich auch ohne mich weiter fortsetzen.

Ich verstehe das richtig: Sie legen Ihre Anteile quasi auf Eis und trennen sich nur auf Zeit.

Ja, es wäre unsinnig, mich auszahlen zu lassen und wichtiges Kapital aus der Firma zu ziehen. Dadurch würde ich diese Unternehmung nur schwächen und unflexibler machen.

Wer führt ab Januar die Redaktion?

Zum einen werden unsere langjährigen Redakteure Carsten Drees und Bernd Rubel hier übernehmen, aber wir verhandeln auch mit einem potenziellen Chefredakteur, der auch absoluter Wunschkandidat ist. Das Team bleibt bestehen, und die haben mir auch voll und ganz den Rücken gestärkt bei meiner Entscheidung. Was sehr wichtig war.

Es ist schon länger her, aber Sie haben auf Mobile Geeks einmal geschrieben,  dass Sie die Marke Mercedes seit Ihrer Kindheit mögen, weil schon Ihr Großvater einen fuhr. Welchen Mercedes fährt Sascha Pallenberg jetzt?

Ich habe auch mehrfach gesagt, dass ich unbezahlter Lobbyist für den Standort und die deutsche Automobil-Industrie bin. Ich mag Firmen, die die Welt verändern. Mercedes hat das Auto erfunden und damit über 130 Jahre global unsere Art zu Leben mitbestimmt. Das ist für mich eine der beeindruckendsten Errungenschaften, die man mit einem Business erreichen kann. Daimler und Benz waren sowas wie Brin, Page und Jobs ihrer Zeit. Sprich: Für mich wird mit diesem Abenteuer ein Traum wahr. Ich hätte ja gerne einen 190SL, aber der wird als Firmenwagen nicht drin sein. Auch ein 280SL Pagode ist etwas, wo ich mich stundenlang vorsetzen könnte. In Taiwan gibt es viele Berge und tolle Strände. Ergo wird es ein SUV werden, aber dann zumindest ein Plug-In Hybrid.


Autor:

Frank Zimmer

Redaktionsleiter Online mit analogem Migrationshintergrund. Seit 1996 im Internet. Buchautor ("Der Social-Media-Rausch") und Blogger ("Mittelrheingold"). Interessiert sich für Content Marketing und digitale Transformation. Hat eine Schwäche für Agenturen, weil er mal in einer gearbeitet hat.