Pro "Gefällt mir" eine Träne: Welle schwappt aus dem Netz

... ins echte Leben: Pro neuem Facebook-Fan weint eine echte Marienstatue eine echte Träne - weil die katholische Kirche mit ihrer negativen Haltung Kondomen gegenüber keine große Hilfe ist im Kampf gegen Aids. Unter dem Motto "Gott sei Dank - Kondome schützen" unterstützt die Agentur Deepblue Networks die Stiftung Jugend gegen Aids mit einer Kunst-Aktion zwischen digitaler und realer Welt.

Text: Susanne Herrmann

"Gott sei Dank - Kondome schützen." Mit einer Kunst-Aktion unterstützt die Agentur Deepblue Networks die Stiftung Jugend gegen Aids: Pro neuem Facebook-Fan weint Maria eine Träne - weil die katholische Kirche mit ihrer negativen Haltung Kondomen gegenüber keine große Hilfe ist im Kampf gegen Aids. Die Facebook-Aktion begeistert die jungen Leute in der digitalen Welt, in der ein wichtiger Teil ihres Lebens heute stattfindet, doch jeder Klick wirkt sich in der echten Welt aus.

Die Hamburger Agentur Deepblue Networks stellt bis 3. Dezember wird im "The Old Casino“ in Hamburg die Marienstatue in einem Glasbecken aus, wo sie für jeden neuen Facebook-Fan weint, bis ihr – und damit symbolisch der katholischen Kirche – das Wasser bis zum Hals steht. Die Aktion sehen die Facebook-Freunde nicht nur auf der Profilseite, sondern der Livestream wird auch auf Bildschirmen in Einkaufszentren übertragen (in Hamburg und einigen anderen großen Städten). Dort hilft die Installation der Madonna, die der Künstler Stefan Strumbel gestaltet hat, Aufmerksamkeit auf die Jugendlichen zu lenken, die in dieser Woche wieder viele Schleifen und T-Shirts für den guten Zweck verkaufen wollen, um mit dem Erlös den Kampf gegen Aids zu unterstützen. Anlass ist die Sammlung zm Weltaidstag am 1. Dezember.

GOTT SEI DANK - KONDOME SCHÜTZEN from deepblue networks on Vimeo.

Deepblue unterstützt die Stiftung Jugend gegen Aids jedes Jahr mit einer neuen Aktion oder Kampagne. Die Aufgabe 2011 sollte die "digitale Kraft nutzen, die Facebook entfaltet", erzählt Geschäftsführer Kreation Oliver Drost. "Wir wollten etwas machen, was über Facebook funktioniert, aber in der realen Welt ankommt", sagt Drost.

Und weil die Stiftung eine Jugendaktion ist, arbeiten auch in der Agentur junge Leute an der Aufgabe. Die Junioren bei Deepblue, zum Teil nur wenig älter als die Schüler und Studenten von Jugend gegen Aids, stellen ihre Ideen vor, die CDs Drost und Christian Thron wählen das beste Konzept aus. An der Installation "Gott sei Dank - Kondome schützen arbeiten die Projektmanager Steffen Esders, Benjamin Fischer und Sophia Boddin, Art Director Burkhard Müller, Designer Robin Janitz und Monika Weryha, Copywriter Svenja Eggers, Nils Kock und Sebastian Peters, Motion-Designer Axel Rudolph und Programmierer Jannick Garthen.

Ob Norddeutschland liberal genug sein wird, um solch harsche Kritik an der katholischen Kirche klaglos auszuhalten, bleibt abzuwarten. (Dass der Papst den Imam küsst, hat dem Vatikan ja zum Beispiel gar nicht so gut gefallen.) Mutig und aufmerksamkeitsstark ist die Aktion allemal. "Wir glauben, dass man die Stimme lauter hörbar machen muss, damit die Kirche umdenkt", sagt Oliver Drost. Man wolle aber niemanden in seinem Glauben verletzen. Ein schöner Erfolg wären zwischen 10.000 und 15.000 neue Fans, also Tränen, auf Facebook.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.