"Social-Media-Experte" wird geschützte Berufsbezeichnung

Bürokratisches Monstrum oder Ritterschlag für eine ganze Branche? Die Berufsbezeichnung "Social-Media-Experte" wird gesetzlich geschützt. Die Pläne der schwarz-gelben Koalition sehen sogar die Einrichtung einer berufsständischen Kammer vor.

Text: Uli Busch

Durchbruch in Berlin: Die Berufsbezeichnung "Social-Media-Experte" wird gesetzlich geschützt. Die Pläne der schwarz-gelben Koalition sehen sogar die Einrichtung einer Bundes-Social-Media-Kammer vor.

Einen offiziellen Gesetzesentwurf gibt es noch nicht, aber was aus dem Umfeld von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen durchsickert, hat es in sich: "Social-Media-Experte" soll sich in Zukunft nur nennen dürfen, wer ein einschlägiges Master-Studium absolviert hat. Bildungsministerin Annette Schavan lotet derzeit aus, welche Hochschulen für entsprechende Ausbildungsgänge geeignet sind. Dass die Universität Bayreuth schon an einem Promotionsstudiengang für Social Media und Google-Knowledge tüftelt, gilt allerdings als gezielt gestreute Desinformation. "Da versucht jemand, eine wegweisende Idee lächerlich zu machen", so ein Insider.

Tatsächlich gab es erhebliche Widerstände gegen das geplante Social-Media-Beschleunigungsgesetz (SoMeBeschG). Über 400.000 Berliner Blogger unterstützten bekanntlich die Facebook-Seite "Gegen das bürokratische Monstrum". Die Schlichter Heiner Geißler und Sascha Lobo vermittelten in der Nacht auf Freitag schließlich eine großzügige Übergangslösung: Wer innerhalb von 14 Tagen nach Inkrafttreten des Gesetzes einen alten E-Mail-Footer mit dem Titel "Social Media Experte" vorlegen kann, darf die Berufsbezeichnung weiterhin führen. Er muss sich lediglich bei der neugegründeten Bundes-Social-Media-Kammer registrieren - eine Institution, die der Koalitionspartner FDP mit Hinweis auf "den deutschen Regulierungswahn" eigentlich unbedingt verhindern wollte.

Seit dem Schiedsspruch und der unmittelbar danach gestarteten Facebook-Seite "Sascha muss Kammerpräsident werden" mit schon 450.000 Unterstützern allein aus Berlin Mitte sind die Liberalen allerdings umgeschwenkt. "Eine Regierungspartei muss die Sorgen der Menschen ernst nehmen", erklärte FDP-Generalsekretär Lindner auf W&V-Anfrage. Das Social Web alter Prägung sei "immer nur eine Brückentechnologie gewesen".