Kommentar von Jochen Kalka :
Warum der Facebook-Aufschrei?

Die Aufregung über Facebook ist in weiten Teilen künstlich und manchmal auch heuchlerisch. Wo haben die Chefkritiker unter den Marketern in den vergangenen Jahren eigentlich gelebt?

Text: Jochen Kalka

Jochen Kalka ist Chefredakteur von W&V.
Jochen Kalka ist Chefredakteur von W&V.

Mal ehrlich, aber das wusste doch schon Ihr Arzt oder Apotheker, warum jetzt plötzlich dieser Aufschrei? Was ist daran denn wirklich neu, an dieser hochgespielten Facebook-Affäre mit Cambridge Analytica. Alles, was jetzt hochkocht, hat deren bisheriger CEO Alexander Nix schon in aller Öffentlichkeit gesagt, etwa bei der OMR (Online Marketing Rockstars) – vor einem Jahr!!!, wie die gedruckte Ausgabe von W&V heute zeigt.

Dass jetzt erste Marken Facebook die rote Karte zeigen, das ist neu. Ein großer Werbungtreibender wie die Commerzbank argumentiert mit Brand Safetyness und Datensicherheit. Absolut verständlich. Und doch darf man überrascht sein.

Denn das, was Facebook liefert, ist bekannt. Seit Jahren bekannt. Die Ware, der Wert, die Wirkung. Im Guten wie im Bösen. Dass vor einem Jahr mal die Reichweite von gewissen Zielgruppen als größer dargestellt wurde, als es in den jeweiligen Ländern – auch Deutschland – Einwohner gibt, ist das Eine. Dass Facebook für Fake und Hass missbraucht wird und als psychologische Waffe eingesetzt wird, ist das Andere. Das ist bedauerlich, aber ebenfalls bekannt.

Facebook versteckt sich an dieser Stelle nicht, aber auch Cambridge Analytica spielt das umstrittene Tun völlig frei und unverkrampft in der Öffentlichkeit. Was nicht heißt, dass man das gut finden muss.

Natürlich können Marken Facebook für ihre Zwecke nutzen, müssen sich aber ihrer Verantwortung bewusst sein, der Risiken und der Nebenwirkungen. Vielleicht sollten Marken doch mal ihren Arzt oder Apotheker fragen.

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Autor:

Jochen Kalka, Chefredakteur
Jochen Kalka

ist jok. Und schon so lange Chefredakteur, dass er über fast jede Persönlichkeit der Branche eine Geschichte erzählen könnte. So drängt es ihn, stets selbst zu schreiben. Auf allen Kanälen.