Reaktion auf Werbung an "Judenhasser" :
Wie Facebook das Targeting sauberhalten will

Mit Facebook beim Werben gezielt Antisemiten als Zielgruppe auswählen? Das will Konzernchefin Sheryl Sandberg künftig verhindern. Ihr Plan.

Text: Petra Schwegler

Vom eigenen Extrem-Targeting mit Nebenwirkung enttäuscht: Facebook-Chefin Sheryl Sandberg.
Vom eigenen Extrem-Targeting mit Nebenwirkung enttäuscht: Facebook-Chefin Sheryl Sandberg.

Nach den Vorwürfen, dass Facebook antisemitisches und diskriminierendes Werbetargeting zu oft durchgehen lasse, zieht nun das Netzwerk die Daumenschrauben an. Konzernchefin Sheryl Sandberg hat in einem langen Eintrag im sozialen Network angekündigt, mehr Kontrolle ausüben zu wollen. Die Werbe-Regeln würden verschärft und konkretisiert, deren Einhaltung soll engmaschiger überwacht werden.

Wir erinnern uns: Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Facebook Werbekunden ermöglicht, gezielt Antisemiten und Rassisten anzusprechen. So konnten sie etwa die Zielgruppe "Judenhasser" auswählen, auch "German Schutzstaffel" oder "Nazi Party" konnten anvisiert werden.

"Diese Worte zu sehen hat mich angewidert und enttäuscht", schreibt Sheryl Sandberg jetzt. Hass habe keinen Platz auf Facebook. "Als Jüdin, Mutter und als Mensch weiß ich, welchen Schaden Hass anrichten kann." Die Kategorien wurden demnach nicht von Menschen erstellt, sondern von Algorithmen. Sandberg: "Das ist unsere Schuld."

So will Facebook das Problem lösen

Mit drei Maßnahmen wolle Facebook künftig gegen die genutzten Methoden vorgehen: Zunächst würden Werberichtlinien und Sanktionsmöglichkeiten präzisiert und verschärft, damit Inhalte, die gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen würden, nicht mehr in Werbung verwendet werden könne, so die Facebook-Managerin.

Den Job, Werbebegriffe zu beobachten, sollen Menschen übernehmen - und nicht Roboter Auch soll eine Funktion eingeführt werden, über die Facebook-Mitglieder missbräuchliche Nutzung von Werbung melden könnten. 

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Bei Facebook kann man gezielte Werbung für eine Auswahl aus tausenden Kategorien schalten - neben Geschlecht, Alter, Wohnort können das zum Beispiel auch Interessen oder Sprache sein.

Rund eine Woche nach dem Eklat um die Möglichkeit, bei Facebook Anzeigen gezielt an Antisemiten zu richten, schaltet das weltgrößte Online-Netzwerk damit wieder vorsichtig gezielte Werbung für einzelne Berufsgruppen frei. Die Funktion war nach dem Eklat vorübergehend abgestellt worden.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.