Gastbeitrag :
Wie Unternehmen mit Crowdsourcing ihre Marke stärken

Airbnb, Uber oder BMW machen es vor. Unternehmen sollten das Potenzial von Crowdsourcing stärker nutzen, rät Peter Krause, Geschäftsführer von Triplesense Reply. Worauf es dabei ankommt, erklärt er in einem Gastbeitrag für W&V Online.

Text: Uli Busch

In der "Collaborate Economy" steckt eine Menge Potenzial, meint Peter Krause, Geschäftsführer der Frankfurter Digitalagentur Triplesense Reply. Wie Unternehmen mit dem geschickten Einsatz von Crowdsourcing ihre Marken stärken können, schildert er in einem Gastbeitrag für W&V Online.

Da ist sie also – die „Collaborative Economy”: Viel haben wir über sie gelesen, mit Erstaunen den kometenhaften Aufstieg von Airbnb beobachtet, vielleicht sogar einmal leicht nervös einen Mini über BMWs DriveNow gebucht. Doch so richtig ernst nehmen wir das Thema erst, seitdem sich Politik und Verbände wie jüngst lautstark zu Wort melden: Wie können es die Taxi-App Uber und der Vermittler von Unterkünften Airbnb wagen, sich über das deutsche Personenbeförderungsgesetz und die Zweckentfremdungsverbotsverordnung hinwegzusetzen! So geht‘s ja nun auch nicht!

Dass es doch so geht, zeigt der Erfolg dieser und vieler weiterer Plattformen, die auf dem gleichen Prinzip beruhen: der Kraft der Menge, der Crowd. Es sind nicht mehr die Unternehmen selbst, die eine Leistung anbieten, sondern eine Vielzahl von Dritten, zum Teil sogar ihre eigenen Kunden. Die Marken sorgen nur für die Plattform und vor allem für den Schlüssel zum Glück: eine ausgezeichnete Customer Experience. Das kommt an. Nicht nur bei Investoren, die wie im Falle von Uber vor kurzem 1,2 Mrd. US-Dollar an frischem Kapitel zur Verfügung stellten. Vor allem der Konsument freut sich über Lösungen, die sich seinem Leben anpassen, und nicht umgekehrt.

Die Crowd ist erwachsen geworden

Längst passé sind die Zeiten, in denen Marketingverantwortliche ungelenk mit Crowdsourcing experimentierten. Global Player wie Starbucks und IBM hatten mit ihren Vorzeigeprojekten „My Starbucks Idea“ bzw. „Idea Storm/Employee Storm“ schon vor Jahren die erste Welle gestartet und den Geschäftswert von Crowd-basierten Lösungen nachgewiesen. In der zweiten Welle entwickelten dann Start-ups wie Airbnb (Wohnen), Uber (Personenbeförderung) und Instacart (Einkäufe) zahllose Produkte und Services aus allen Lebens- und Geschäftsbereichen, die überhaupt nur durch die Crowd existieren.

Geschäftsmodelle tunen

Nun nimmt die dritte Welle unaufhaltsam Fahrt auf: Traditionelle Unternehmen tunen ihre Geschäftsmodelle mit Hilfe der Crowd. Denn es macht sie schneller, flexibler, mobiler. Und vor allem bringt es sie näher an den Konsumenten, den man immer noch zu Luftsprüngen bringen kann, wenn ein Service reibungslos funktioniert. Es ist eine Menge los! DHL hat kürzlich in Schweden mit MyWays eine Crowdlogistik-Lösung auf den Markt gebracht, um die Lieferung auf der letzten Meile zu verbessern: mit Hilfe von Konsumenten, die selbst zu Zustellern der Pakete werden und dafür Bonuspunkte erhalten. Und auch in Deutschland verlagert das Unternehmen mit einem eigenen Produkt Kurierdienstleistungen in die (B2B-)Crowd.

BMW investiert derzeit in Parkatmyhouse, das gestresste Autofahrer zu Parkplätzen auf privaten Grundstücken führt. Ein Baustein auf dem Weg, die Marke durch neue Mobilitätsservices weiter positiv aufzuladen und echte Mehrwerte abseits des Kernprodukts zu schaffen. Und die US-Einzelhandelskette Walgreens liefert in Kooperation mit der Crowd-Plattform TaskRabbit Medikamente nach Hause, wenn einen die Grippe ans Bett fesselt.

Die konsequente Anwendung auf das eigene Geschäftsfeld und neue, innovative Ideen sind also – heute und in Zukunft – gefragt. Um dabei erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen Antworten auf drei zentrale Fragen finden:

  1. Wie können wir unsere Kernprodukte mit Crowd-Komponenten anreichern? DHL macht es mit MyWays vor.
  2. Welche Crowd-basierten Services und Plattformen können wir kreieren, die unser Geschäftsfeld erweitern und uns Aufmerksamkeit bei neuen Zielgruppen verschaffen? Der B2B-Carpooling-Service TwoGo von SAP ist ein gelungenes Beispiel.
  3. Wie schaffen wir es, unsere Kunden unmittelbar an der Produktentwicklung partizipieren zu lassen? barclaycard ring zeigt, wie es geht.

Unternehmen, die das Potenzial der Crowd erkennen und in ihre Produkte und Dienstleistungen integrieren, stärken ihre Marke und schaffen die häufig vermisste Relevanz für den Konsumenten. Der Vordenker der Collaborative Economy, Jeremiah Owyang, geht noch einen Schritt weiter: „In the very near future, the crowd will become the company“. Es gibt eine Menge zu tun, und noch viel mehr zu gewinnen.

Peter Krause führt gemeinsam mit Katajoun Parandian-Kurz und Julia Saswito die Geschäfte der digitalen Fullservice-Agentur Triplesense Reply, Frankfurt. Krause ist Experte für das digitale Management von FMCG-Marken sowie für Brand Experience und Mobile- und Social Media Marketing. Vor seiner Zeit bei Triplesense Reply betreute er als Business Unit Director bei Syzygy, Frankfurt, Kunden wie Dr. Oetker, Jägermeister, Mercedes-Benz, Ferrero und Krombacher. Davor verantwortete Peter Krause als Group Account Director bei Razorfish, Frankfurt, die Arbeit für Nintendo of Europe und Melitta.