Onlineeinkauf :
ZDF-Bericht: Amazon vernichtet Retourensendungen in großem Stil

Nichts für die Umwelt. Laut einem Bericht des ZDF-Magazins Frontal 21 und der Wirtschaftswoche entsorgt Amazon massenhaft Retouren und neuwertige Produkte.

Text: Daniela Strasser

Amazon in Leipzig.
Amazon in Leipzig.

Der Onlinehändler Amazon vernichtet massenhaft Retouren und neuwertige Produkte, berichten das ZDF-Magazin Frontal 21 (Sendetermin: Dienstag, 12. Juni 2018, 21.00 Uhr) und die Wirtschaftswoche. Interne Produktlisten, Fotos und Aussagen von Mitarbeitern sollen demnach belegen, dass in großem Umfang Güter aller Art in den deutschen Logistiklagern entsorgt werden – darunter beispielsweise Kühlschränke, Wasch- und Spülmaschinen, Handys, Tablets, Matratzen und Möbel. Eine Amazon-Mitarbeiterin berichtet in dem Beitrag, dass sie jeden Tag Waren im Wert von mehreren zehntausend Euro vernichtet habe. Mehrere Beschäftigte würden zudem übereinstimmend kritisieren, Amazon entsorge nicht nur unbrauchbare Produkte, sondern zerstöre auch funktionstüchtige, teilweise sogar neue Produkte.

Amazon bestreitet die Vernichtung von Waren gegenüber dem Magazin nicht, teilt aber mit, das Unternehme arbeite jeden Tag an der Verbesserung von Prozessen, um "so wenig Produkte wie möglich entsorgen zu müssen". Weiter heißt es: "Wenn Produkte nicht verkauft, weiterverkauft oder gespendet werden können, arbeiten wir mit Aufkäufern von Restbeständen zusammen, die diese Waren weiterverwenden."

Reaktion aus dem Bundesumweltministerium: "riesengroßer Skandal"

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, fordert Amazon dem ZDF zufolge auf, die Vorwürfe aufzuklären. "Das ist ein riesengroßer Skandal, denn wir verbrauchen auf diese Weise Ressourcen mit allen Problemen insgesamt auf der Welt. Ein solches Vorgehen passt einfach nicht in diese Zeit." Und weiter: "Ich bin überzeugt, dass viele Verbraucher von einem solchen Verhalten schockiert sind und es auch nicht akzeptieren werden", lässt sich Flasbarth zitieren. Der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer nennt die Praxis von Amazon "unverantwortlich".

Amazon lockt Verkäufer mit der Entsorgung von Lagerbeständen auf Wunsch

Deutschlands größter Onlinehändler bietet auch externen Anbietern, die den Logistikservice "Versand durch Amazon" nutzen, die Möglichkeit, unverkaufte Lagerbestände zu entsorgen. "Sie können Ihren Lagerbestand auf Wunsch von uns entsorgen lassen", heißt es in einer Angebotsübersicht von Amazon. Interne Dokumente würden zeigen, dass der Service offenbar rege genutzt wird. Auf Produktlisten, die Frontal und der Wirtschaftswoche vorliegen, tauchen zum Beispiel Kinderturnschuhe, Kopfhörer sowie Hunderte weitere Artikel auf – für einen einzigen Tag, in einem einzigen Lager. Sie wurden intern mit der Versandmethode "Destroy" gekennzeichnet.

Frontal-Moderatorin Ilka Brecht.

Frontal-Moderatorin Ilka Brecht.


Autor:

Daniela Strasser, W&V
Daniela Strasser

Redakteurin bei W&V. Interessiert sich für alles, was mit Marken, Agenturen, Kreation und deren Entwicklung zu tun hat. Außerdem schreibt sie für die Süddeutsche Zeitung. Neuerdings sorgt sie auch für Audioformate: In ihrem W&V-Podcast "Markenmenschen" spricht sie mit Marketingchefs und Media-Verantwortlichen über deren Karrieren.