Internationaler Austausch bei Agenturen :
"Die Kreativität profitiert ungemein"

Sapient Razorfish schickt regelmäßig Junioren an ausländische Standorte. Was der Austausch bringt, erzählt Chef-Recruiterin Myra Egeler im W&V-Interview.

Text: Anja Janotta

Myra Egeler von Sapient Razorfish.
Myra Egeler von Sapient Razorfish.

Fremde Luft schnuppern, andere Arbeitsweisen kennenlernen und das eigene Netzwerk ausbauen - für viele junge Agenturleute ist ein Austausch in ausländische Standorte ein begehrenswertes Incentive. Bei Sapient Razorfish gehen regelmäßig die Juniors auf Reisen. Wir haben Myra Egeler, Teamlead Recruitment, gefragt, wie das funktioniert und was die Weltenbummler an Ideen und Kreativität mit nach Hause bringen.

Wie viele deutsche Mitarbeiter schicken Sie pro Jahr auf die Reise? Wie viele landen bei Ihnen an?

Wir ermöglichen pro Jahr bis zu fünf Junioren, in eine unserer internationalen Sapient Razorfish Locations zu wechseln. Erst kürzlich haben wir einen Kollegen aus dem Experience Design-Bereich nach Toronto verabschiedet. Eine andere Kollegin aus dem Strategy-Team hat sich für unser Office in Melbourne entschieden. Beide haben als Praktikanten bei uns in München angefangen, haben einen ausgezeichneten Job gemacht und sich dadurch für dieses Incentive empfohlen. Zudem haben wir letztes Jahr zehn Mitarbeiter aus Ländern wie den USA, Südafrika, Australien und auch aus unseren europäischen Nachbarländern an unseren deutschen Standorten in München und Köln begrüßen dürfen.

Diese Möglichkeiten stehen natürlich auch gestandenen Professionals offen: So erwarten wir ab Juni einen Projektmanager, der von Sapient Razorfish Singapur nach Deutschland wechselt, um das Münchner Team langfristig zu unterstützen und neue Impulse für die digitale Business Transformation unserer Kunden zu liefern. Hinzu kommen unsere ständigen "Traveller", die projektbezogen für einen befristeten Zeitraum in unsere deutschen Büros kommen, um mit an den Projekten für Kunden wie Siemens, Bosch und Lufthansa zu arbeiten.

Gibt es spezielle Positionen, für die sich das Programm besonders eignet? Oder steht es prinzipiell allen Mitarbeitern offen?

Diese Möglichkeiten stehen jedem Mitarbeiter offen, gleich ob Kreativer, Technologe oder Stratege. Wir profitieren grundsätzlich von kultureller Vielfalt und "frischem Wind" – und das disziplinübergreifend. Lediglich sprachlich gibt es Einschränkungen. Im Account- und Projektmanagement-Bereich bevorzugen wir natürlich Mitarbeiter, die Deutsch sprechen, da hierzulande vor allem in der direkten Kundenbeziehung immer noch viel auf Deutsch kommuniziert wird. In allen anderen Bereichen ist bei uns Englisch die gängige Projekt-Sprache.

Wie konkret dürfen die Internships an einzelnen Projekten mitarbeiten?

Bei Sapient Razorfish sind Praktikanten vollintegrierte Mitarbeiter, die eigenverantwortlich in den Workflow eingebunden sind. Im Vordergrund steht natürlich immer der Lehrauftrag. Die gute Ausbildung und Betreuung der Praktikanten hat für uns oberste Priorität. Allerdings glauben wir auch an das Prinzip "Learning on the Job" und trauen daher unseren Praktikanten – genauso wie den Junioren – von Anfang an viel zu. Dafür investieren wir auch in einen umfassenden Einstellungsprozess. Praktikanten werden bei uns in ähnlicher Intensität im HR-Interview geprüft wie Professionals. Es geht uns auch hier um den Dialog: Passen wir als Unternehmen und Du als Individuum zusammen?

Wie läuft das Bewerbungsverfahren für diesen Austausch?

Im Regelfall folgen wir dafür folgendem Prozess: Die Praktikanten lassen ihre People Manager, so heißen bei Sapient Razorfish die persönlichen Betreuer, wissen, dass sie Interesse an einer Position im Ausland haben. Zudem informieren sie unser Staffing- und Hiring-Team. Wir kontaktieren dann unsere globalen Partner-Teams und eruieren, wo potenzielle Stellen verfügbar sind. Daraufhin werden die Lebensläufe ausgetauscht, analysiert und anhand des lokalen Bedarfs bewertet. Erfolgt von allen Seiten ein positives Feedback, kümmert sich unser Global People Movement-Team im nächsten Schritt um Reise-, Wohn- und Visa-Gegebenheiten. Das funktioniert nur, weil wir uns auf ein starkes, global agierendes Team stützen können.

Ab welchem Aufenthalts-Zeitraum wird es dann richtig produktiv?

Es sollten mindestens sechs Monate eingeplant sein. Schließlich dauert es auf jeden Fall schon alleine etwa drei Monate, um im neuen Land "heimisch" zu werden. Natürlich ist man ab Tag 1 in Projekte involviert, aber zunächst einmal liegt der Schwerpunkt auf dem Training und darauf, ein Netzwerk aufbauen.

Was bringen die Austausch-Kandidaten Neues mit nach Hause?

Eine Offenheit gegenüber anderen Arbeits- und Herangehensweisen. Zudem ist der Markt in den jeweiligen Ländern häufig ganz anders gestrickt als der in Deutschland. Das verlangt Anpassungsfähigkeit und sorgt für einen "frischen Blick", was die Kundenlösungen angeht. Auch die Kreativität profitiert ungemein. Bei SapientRazorfish arbeiten wir generell in einem internationalen Umfeld. Häufig interagiert man mit Kollegen, die auf drei Kontinenten verteilt sind.

Ist schon jemand im Ausland gestrandet und kam nicht wieder zurück?

Das passiert sogar sehr häufig. Wir haben beispielsweise zwei Kolleginnen aus dem Creative-Bereich vor einiger Zeit nach New York wechseln lassen. Wir hätten sie gerne wieder in unserem deutschen Team, aber sie sind dort mittlerweile sehr glücklich und denken (noch) nicht an eine Rückkehr.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.