Agenturkultur :
So arbeitet es sich bei ... Butter

Hier basteln die Mitarbeiter im Zukunftslabor und gehen auf Klassenfahrt. Oder sie krempeln an der Bar und im Barcamp die Agentur um. Ein Hausbesuch bei Butter.

Text: Anja Janotta

Dominika Schwietz von Butter.
Dominika Schwietz von Butter.

Authentisch wolle man sein, sagt Dominika Schwietz von Butter. Das zuallererst. Und dann kommen die Strukturen. Butter arbeitet agil, übt sich regelmäßig in Barcamps, um die Agentur zu optimieren und schickt die Mitarbeiter zum Battle ins hauseigene Zukunftslabor. Nummer 22 der Agentur-Porträts.

Gibt es in Ihrer Agenturgruppe Berufsfelder und Jobs, die lange unbesetzt bleiben und für die Sie händeringend nach Personal suchen? Wenn ja, wie lange sind die Stellen unbesetzt? Und was machen Sie, um genau dort Leute zu finden?

Aktuell haben wir wieder einen Pitch gewonnen und brauchen deshalb dringend Art-Unterstützung. Auf der Suche nach neuen Kollegen betreiben wir Active Sourcing, sind in den sozialen Netzwerken unterwegs, besuchen Job-Messen und greifen auf unser eigenes Mitarbeiter-Netzwerk zurück. Denn nichts ist wertvoller als die Jobempfehlung eines zufriedenen Kollegen. Und dann ist es ja auch schön, wenn man den neuen Kollegen quasi selbst mitgesucht und gefunden hat.

Zudem fördern wir den eigenen Nachwuchs. Gerade letzten Monat haben wir wieder eine Praktikantin fest ins Butter-Team aufgenommen. Besser kann es nicht laufen. Abgesehen davon, dass wir jetzt natürlich wieder neue Praktikanten für die Kreation suchen. Und in der Beratung bieten wir Trainee-Programme an und bilden dort – wie auch in anderen Bereichen – zudem klassisch aus.

Teamwork bei Butter.

Wie ist Ihr Patentrezept für Ihre Arbeitgebermarke?

Kein Patentrezept, aber ein Butter-Rezept. Mitgestalten und Teamwork sind uns echt wichtig, weshalb wir letzten Herbst ein eigenes Butter-Barcamp mit allen Kollegen veranstaltet haben, wo jeder seine Ideen für die Agentur einbringen konnte. So bleiben wir immer authentisch und alle Butters können sich mit ihrer Agentur identifizieren.
All das funktioniert in unseren Augen nur mit flachen Hierarchien und in einem Arbeitsumfeld, in dem gern miteinander gearbeitet wird.

Kicker und Kick-off-Meeting.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu a, Home-Office; b, Sabbaticals;  c, flexible jährliche Urlaubszeiten; d, flexible Arbeitszeiten; e, Job-Tausch mit anderen Niederlassungen, bzw. Partner-Unternehmen; f, Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?
g, bezahlten Überstunden?

Wir kommunizieren. Wir reden miteinander und wir hören zu. Der persönliche Kontakt und ein regelmäßiger Austausch mit unseren Kollegen sind uns sehr wichtig und wir versuchen auf individuelle Wünsche einzugehen. Und wir haben die üblichen Goodies. Vielleicht mit dem Unterschied, dass sie bei uns auch wirklich gelebt werden. Angefangen bei der Vertrauensgleitzeit, die jedem Einzelnen eine größere Flexibilität bietet, sich seinen Tag oder seine Woche nach Möglichkeit selbst zu gestalten.

Wir haben aktuell verschiedene Teilzeitmodelle und bieten je nach Bedarf ganz spontan Home-Office-Lösungen an. Auch mit Sabbaticals haben wir bereits gute Erfahrungen gemacht. Wir sind wirklich froh, wenn der Mitarbeiter dann nach sechs Monaten mit frischem Kopf wieder bei uns arbeiten will und uns wiederum den Kopf öffnet. Grundsätzlich sind wir für alle Vorschläge offen. Viele Ideen aus unserem letzten Butter-Barcamp setzen wir gerade um.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für Mitarbeiter?

Wie bereits gesagt, legt Butter großen Wert darauf, authentisch zu sein. Und ganz ehrlich: Kletterwand, Baumhaus und Sterne-Kantine sind wir nicht. Und dennoch haben wir gerade die Agentur grundlegend umgebaut, was auch mit unserer Umstrukturierung im letzten Jahr zusammenhängt. Wir haben uns in kleinen, agilen Customized Agencies neu organisiert, um noch schneller und flexibler auf unsere Kunden und deren Wünsche reagieren zu können.

Feste Teams aus Spezialisten, die sich je nach Bedarf weitere Kräfte innerhalb der Agentur dazu holen können. Diese Arbeitsweise wird unterstützt durch neue riesige Kollaborationstische, an denen wechselnde Teams ihren Platz zum Arbeiten finden und durch unzählige neue Denkräume in der Agentur, in denen nun Strategien und Kampagnen entstehen. Für eine Kletterwand oder ein Indoor-Skigebiet war dann leider kein Platz mehr.

Ganz cool sind bei uns die vielen Weiterbildungsprogramme, die wir zum Teil in #Teamwork entstehen und stattfinden lassen. Das bringt jedem von uns ganz bestimmt mehr als ein Baumhaus im Hof. Wir nennen das Trainingslager. Und das beginnt mit unserem wöchentlichen Montagstraining direkt nach dem gemeinsamen Frühstück, bei dem wechselnde Kollegen in der großen Runde neue Trends und Entwicklungen vorstellen. Dann haben wir noch unser Mannschaftstraining, bei dem wir uns Experten ins Haus holen, die uns zu aktuellen Themen aufschlauen. Alle vierzehn Tage treten alle Mitarbeiter im Zukunftslabor im Battle gegeneinander an.

Wir entwickeln spontane Ideen und pitchen gegen unsere eigenen Kollegen. Zudem gibt es individuelle Einzeltrainings, die auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kollegen zugeschnitten sind. Darüber hinaus bieten wir unseren Mitarbeitern die Teilnahme an unterschiedlichen Messen, Events und Veranstaltungen an. Work hard, play hard. Deshalb feiern wir auch ziemlich viel und gut.

Bei unserer monatlichen Butter-Bar mit wechselnden Mottos wie Karneval oder Oktoberfest gibt es nach Feierabend Snacks und Getränke für alle. Bald steht wieder unsere große Spring-Break-Party an, zu der wir dann auch Family, Friends und Ehemalige (sind ja irgendwie auch Friends) einladen. Und einmal im Jahr geht es auf Klassenfahrt. Dann packen wir alle Kollegen ein und fahren über ein Wochenende zusammen weg.

Feiern bei Butter.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Ganz altmodisch nutzen wir hier das persönliche Gespräch mit unseren Kollegen, um kontinuierlich Feedback zur Mitarbeiterzufriedenheit zu erhalten. Im Rahmen von gemeinsamen Mittagessen, aber natürlich auch in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen können sich Führungskräfte mit den Kollegen austauschen und auf individuelle Bedürfnisse oder Wünsche eingehen.

Keine Errungenschaft, aber besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass wir eine inhabergeführte Agentur sind. Unsere Chefs sitzen nicht in New York, sondern ein oder zwei Tische weiter. Das macht vieles einfacher und direkter, ganz einfach schneller. Auch Beförderungen und Karrieren. Wenn hier jemand Gas gibt, dann wird das gesehen und dann wird für ihn auch gern die linke Spur freigemacht, auf der er dann schneller vorankommt.

Beförderungsstau oder die immer wieder zitierten Freezes aus den Netzwerken, wo sich dann keiner mehr bewegen kann, gibt es bei uns nicht.

Hand aufs Herz: Wie ist bei Ihnen die Frauenquote?

Unsere Frauenquote liegt bei knapp 59 Prozent.

Wie hoch die Quote der Mitarbeiter über 45? Und unter 25? Wie lang bleibt
ein Mitarbeiter im Schnitt?

Im Schnitt sind wir ein gut gemischtes Team aus erfahrenen und jungen Kollegen. Knapp 19 Prozent sind aktuell über 45 Jahre alt, 15 Prozent sind unter 25 Jahre alt. Im Schnitt bleibt ein Mitarbeiter ca. 4 Jahre bei Butter. Es gibt aber auch zahlreiche Kollegen, die Butter schon wesentlich länger die Treue halten.

Was uns immer wieder unheimlich freut ist, dass viele Kollegen nach anderen beruflichen Stationen wieder sehr gern zu Butter zurückkommen.

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie steht Ihre Agentur zu dem Thema?
Unsere Kollegen können sich gerne auch in ihrem Arbeitsumfeld frei entfalten. Aber alles hat seine Grenzen. Denn einmal im Jahr haben wir einen Dreck-weg-Tag in der Agentur. Danach gilt immer Clean-Desk. Zumindest für einen Tag...

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?
Bei uns werden Gehälter nicht offengelegt.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?
Wir orientieren uns am GWA-Standard, aber auch Faktoren wie Berufserfahrung spielen natürlich eine Rolle.

Mehr Agenturporträts, u.a. von Jung von Matt, Scholz & Friends und Serviceplan finden Sie in unserem Dossier Arbeitswelt Agenturen.

Mehr zum Thema Gehalt in Agenturen in unserem Dossier Gehalts-Check


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.