New Work :
So arbeitet sich's bei der Telekom

Der Traditionskonzern Deutsche Telekom hat sein Hauptquartier in Bonn umgestaltet. W&V zeigt das Konzept und das Ergebnis.

Text: Susanne Herrmann

Unternehmensidentität trifft New Work bei der Telekom.
Unternehmensidentität trifft New Work bei der Telekom.

Ausgerechnet Relikte aus der alten Telekom-Zeit - gigantische Kabeltrommeln, ausrangierte Telefonbücher - sollen den Weg der Deutschen Telekom zu einem modernen Arbeitgeber mit transparenten Kommunikationsstrukturen und kreativer Begegnungskultur ebnen?

Gerade dieser Grundgedanke, der zunächst wie ein Widerspruch anmutet, trägt das gesamte Umbaukonzept des Telekom-Hauptquartier an der Friedrich-Ebert-Allee.

Warum, das erklären zwei der Geschäftsführer der Werbeagentur Orange Council. Die Brüder Ulrich und Bernhard Zünkeler haben gemeinsam mit agilen Agenturteam und dem Architekturbüro Kubus den Umbau strategisch und kommunikativ betreut.

Wie lautete der konkrete Auftrag der Telekom?

Ulrich Zünkeler: Neben dem Wunsch, dass ein neuer funktionaler Rhythmus in ein Gebäudekonzept von 1994 einkehrt und die Zellenstruktur aufgelöst wird, war es der Telekom sehr wichtig, dass die Ausgestaltung – anders als bei vielen Konzernen, die sich ein neues Gesicht mittels Erneuerung des Headquarters geben wollen – nicht austauschbar ist, sondern aus den Genen, der DNA des Unternehmens kommt.

Mit welchem Ziel?

Bernhard Zünkeler: Ziel war es, vor allem eine größere Transparenz zu erzeugen. Und zwar eine Transparenz, die sich nicht nur bauphysikalisch durch Einbringung von Licht und Beseitigung von Trennwänden auszeichnet, sondern auch kommunikativ durch Offenheit und Experimentierfreude eine neue Form der Emotionalität und Gedankenfreiheit auslöst.

Und das kann ein Gebäude leisten?

Bernhard Zünkeler: Mitunter wird ein Gebäude nur als Kostenträger und physikalische Dimension verstanden. Das war hier von Anfang anders. Es war klar, dass Raum eine psychologische Dimension innewohnt und diese durch das Gestaltungskonzept von Orange Council unterstützt werden soll.

Ulrich Zünkeler: Und wenn man heute durch ehemals endlose Flure mit benamsten Türen läuft und das Gefühl hat, in einem Startup zu arbeiten, dann ist ein Ziel erreicht.

Wie wurde das erreicht?

Bernhard Zünkeler: Gemeinsam haben wir mit dem Team der Telekom beschlossen, mit Künstlern zusammenzuarbeiten, die sich mit der emotionalen Aufladung von Raum besonders auskennen. Im innovativen Unternehmenskontext wird immer Wert darauf gelegt, out of the box zu denken. Da lag es nahe, die gestalterischen Ideen mit Menschen zu entwickeln, die gar nicht anders können, als out of the box zu denken, weil sie die Box der Corporate World gar nicht kennen.

Ulrich Zünkeler: Der Kerngedanke war Freiheit. Der Menschen, die dort täglich schaffen. Und der Künstler, die sich mit Herz und Seele dafür eingesetzt haben, dass es besser wird. 

Die Deutsche Telekom an der Friedrich-Ebert-Allee, Bonn, vorher und nachher.

Die Mitarbeiter der Telekom arbeiten seit einigen Wochen in den neuen Räumen, den Kollegen aus anderen Büros wird die neue Arbeitswelt bei der Eröffnungsfeier am 20. Oktober vorgestellt. So eine umfassende Veränderung löst ja erfahrungsgemäß nicht ausschließlich Begeisterung aus.  Wie haben Sie die Reaktionen erlebt?

Ulrich Zünkeler: Wo es Erneuerungen und Veränderungen gibt, da sind auch die Reichsbedenkenträger auf dem Plan. Das darf einen aber nicht abhalten, das Richtige zu tun. Ich schätze: Von der Auftraggeberin über die Architekten von Kubus bis zu uns haben alle dafür gesorgt, dass die Telekom ein besseres Zuhause hat.

Und während des Umbauprozesses?

Bernhard Zünkeler: Wenn man überraschende und authentische Momente erzeugen will, die durch Freiheit und die Einbeziehung von Herz und Seele geschaffen wurden, dann bleibt es natürlich nicht aus, dass unkontrollierte Dinge entstehen, die nicht geplant werden können. Das kann in einigen Fällen zu großartigen Ergebnissen führen und selbst in einem sehr streng organisierten Konzern wie der Telekom eine Art Startup-Feeling erzeugen. Es kann aber auch dazu führen, dass sehr emotionale Diskussionen losgetreten werden, weil beispielsweise aus ausrangiertem Schrott neuartige Möbel gebaut werden und das nicht immer mit dem Geschmack aller kompatibel ist. Aber sicherlich ist in beiden Fällen eins gelungen, die durch die Gestaltung entwickelte Polarität schafft einen Energielevel, der durch Erneuerungen und Veränderungen selbst Skeptiker dazu zwingt, Farbe zu bekennen. Das darf einen natürlich nicht davon abhalten, das Richtige zu tun und etwas zu riskieren.

Womit hat euch die Telekom überrascht?

Ulrich Zünkeler: Mich jedenfalls mit ihrem Mut.

Bernhard Zünkeler: Dem inhaltlichen Wagemut, aber das ganze war auch in seiner Größenordnung natürlich eine gewaltige Herausforderung. Letztlich sind mit den gesamten Objekt- und Installationsideen aberhunderte von individuellen Einzellösungen entwickelt worden, und es überrascht schon, wie viele dieser Ideen auch gesehen und wertgeschätzt wurden.

Mehr zur Ausrichtung der Deutschen Telekom auf New Work erfahren Sie in Ausgabe 40/2017 von W&V (EVT 2. Oktober). Ein Agenturporträt zu Orange Council erscheint im nächsten Kontakter (Schnupperabo hier).

Das OC-Video zum Projekt Telekom New Work.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.